23. April 2020

Corona-Spendenaktionen

Schnell und unbürokratisch helfen

Bei immer mehr Menschen sorgt die Corona-Pandemie für Existenzängste. Während es für Selbstständige und Unternehmer Hilfsgelder gibt, sieht es im sozialen Bereich anders aus. Angebote für Wohnungs- und Arbeitslose sind reduziert worden, für Familien reicht das Kurzarbeitergeld oft nicht aus. Um hier schnell und unbürokratisch zu helfen, beteiligt sich die Diakonie RWL an Spendenaktionen.

  • Diakonie RWL-Fundraiser Ulrich Christenn mit einer Sammeldose in seinem Büro
  • Diakonie-Sammeldose mit Aufschrift "Ihre Spende hilft"
  • Diakonie RWL-Fundraiser Uli Christenn an seinem Laptop

"Seit zwei Monaten bin ich ohne Einkommen. Früher habe ich im Gastronomiebereich als Leiharbeiter gearbeitet, aber ich habe meine Arbeit verloren. Gibt es irgendeine Art von Hilfe für mich?" Persönliche Mails wie diese erreichen Diakonie RWL-Fundraiser Ulrich Christenn zwar nicht täglich, aber die finanzielle Not vieler Menschen in der Corona-Krise beschäftigt auch ihn zunehmend.

"Diakonische Träger und Einrichtungen mussten Hilfsangebote für Wohnungs- und Arbeitslose, einkommensarme Familien oder Flüchtlinge einstellen", erzählt er. "Sie fragen bei uns an, was sie tun können, denn bei vielen Menschen geht es jetzt um die Existenz. Sie brauchen schnelle und unbürokratische Hilfe." Gleichzeitig melden sich immer mehr Banken, Stiftungen, Lotterien und Medienhäuser bei der Diakonie RWL, die helfen wollen, in der Corona-Pandemie soziale Nöte abzufedern.

Beide Seiten zusammenzubringen – Geldgeber und diakonische Einrichtungen, die den direkten Kontakt zu Menschen in Not haben – sei in dieser Krise eine wichtige Aufgabe des Landesverbandes, betont Christenn. An bislang vier größeren Spendenaktionen beteiligt sich die Diakonie RWL.

Still gelegter Förderturm im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet als Region guter Nachbarschaften - Darauf setzt die Spendenaktion "Wir im Revier". (Foto: pixabay)

Spendenaktion fürs Ruhrgebiet: "Wir im Revier"

Den Hilferuf des Leiharbeiters in der Gastronomie hat der Fundraiser an die gerade gestartete Aktion "Wir im Revier" der Funke-Mediengruppe weitergeleitet. Dort entscheidet er für die Diakonie RWL gemeinsam mit Vertretern der Caritas, verschiedener Stiftungen und des Medienhauses nach einer Prüfung der Anträge, wem finanziell geholfen wird. Einmalig gibt es bis zu 1.000 Euro.

Rund 750.000 Euro sind bisher an Spenden für diese Aktion zusammengekommen, die eine Art finanzielle Nachbarschaftshilfe für Menschen in Not im Ruhrgebiet anbieten will. Über die Internetseite von "Wir im Revier" können sich Betroffene melden, aber auch von Freunden, Nachbarinnen oder Kollegen anonym vorgeschlagen werden. Nach einer ersten Prüfung durch die Caritas in Essen sowie die Diakonie in Essen und Dortmund wird mit den hilfebedürftigen Menschen Kontakt aufgenommen.

Logo der Aktion Lichtblicke

Auch die "Aktion Lichtblicke", mit der die Diakonie RWL schon lange kooperiert, hat eine Corona-Soforthilfe aufgelegt. (Foto: Aktion Lichtblicke)

Bewährte Kooperation mit "Aktion Lichtblicke"

Auch die "Aktion Lichtblicke", eine gemeinsame Hilfsaktion der NRW-Lokalradios mit Diakonie und Caritas, hat ein niederschwelliges Programm in der Corona-Pandemie initiiert. Kinder und deren Familien, die in Not geraten sind, können sich formlos per Mail an coronahilfe@lichtblicke.de wenden. Es gibt sowohl Einzelfallhilfen für Familien als auch die Möglichkeit für Einrichtungen, Mittel zur Weitergabe an Betroffene zu beantragen.

Spielfiguren zeigen, was Quarantäne bedeutet

Quarantäneregeln sowie Kontaktverbote isolieren Menschen in der Corona-Krise. Diakonische Einrichtungen wollen mit den Spendengeldern der Sparda-Bank Tablets anschaffen. (Foto: pixabay)

Sparda-Bank fördert Notfallhilfen

Gemeinsam mit der Diakonie RWL plant die Sparda-Bank ebenfalls eine Corona-Nothilfe. Diakonische Werke und Einrichtungen in 15 Regionen Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens erhalten für ihre Hilfsangebote in der Pandemie bis zu 10.000 Euro. "Als Landesverband übernehmen wir die Abwicklung und stellen den Kontakt zu den lokalen Sparda-Bank-Vertretern vor Ort her."

Ideen, wie das Geld vor Ort eingesetzt werden kann, gibt es genug. Laut Ulrich Christenn zeichnen sich drei verschiedene Bereiche ab, in denen diakonische Einrichtungen jetzt finanzielle Unterstützung brauchen. Es geht um Notfallhilfen für Wohnungslose und einkommensarme Familien, um Hygiene- und Schutzmaßnahmen in Einrichtungen und Beratungsstellen sowie die Überwindung der sozialen Isolation in Pflegeeinrichtungen oder Jugendwohngruppen mit Hilfe von Tablets.

Arbeit an Laptops

Auch Stadtmissionen und Sozialberatungsstellen erhalten Spendengelder für ihre soziale Arbeit. Die Diakonie RWL hilft bei der Abwicklung. (Foto: pixabay)

Postcode-Lotterie unterstützt Stadtmissionen

Dank des guten Kontakts zur in Düsseldorf ansässigen Postcode-Lotterie konnte die Diakonie RWL laut Christenn zudem Spendengelder in Höhe von rund 500.000 Euro an die 25 Stadtmissionen in ganz Deutschland vermitteln. "Auch sie sind gerade für die Ärmsten der Armen da, um sie mit Essen, Kleidung und Hygieneartikeln zu versorgen", sagt Christenn.

Ergänzend zu diesen unterschiedlichen Fördertöpfen soll speziell die Arbeit der allgemeinen Sozialberatungsstellen mit einem Diakonie eigenen Unterstützungsfonds gestärkt werden. Aus Kollekten- und Spendenmitteln erhalten knapp zwei Dutzend Beratungsstellen von Kirche und Diakonie Verfügungsmittel von mehreren Tausend Euro, mit denen sie vor Ort Einzelfallhilfen gewähren können.

"Die Corona-Pandemie trifft viele Menschen wirtschaftlich hart. Die staatlichen Hilfsprogramme und das existierende soziale Netz mildern zwar die meisten Nöte, dennoch gibt es Menschen, die darüber nicht erreicht werden", beobachtet Ulrich Christenn. Er rechnet damit, dass sein Zentrum für Drittmittel und Fundraising noch lange mit den Folgen der Corona-Pandemie zu tun haben wird.

Text: Sabine Damaschke, Fotos: Ann-Kristin Herbst

Ihr/e Ansprechpartner/in
Ulrich T. Christenn

Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten, Hoffnung für Osteuropa

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