12. Februar 2019

"Brot für die Welt" gegen Rüstungsexporte

Keine Waffen in Kinderhände

Am heutigen "Red Hand Day" – der mit roten Händen auf das Schicksal der Kindersoldaten weltweit aufmerksam macht – fordert "Brot für die Welt" den kompletten Stopp von Kleinwaffenexporten und Munition an Drittstaaten. Andreas Dieterich von "Brot für die Welt" erläutert, was getan werden muss, um die Rekrutierung und den Einsatz von weltweit rund 250.000 Kindersoldaten zu beenden.

Andreas Dieterich von Brot für die Welt Foto: Hermann Bredehorst / Brot für die Welt

Wie ist der "Red Hand Day" entstanden?

Am 12. Februar 2002 ist das von der UN-Generalversammlung beschlossene Zusatzprotokoll der Kinderrechtskonvention zu Kindern in bewaffneten Konflikten in Kraft getreten, das Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren vor Krieg und Gewalt schützen soll. Seitdem gilt der Tag als internationaler Tag gegen den Einsatz von Kindern als Soldaten. Rund 250.000 Kindersoldaten werden in mindestens 20 Ländern zum Kämpfen gezwungen oder als Spione, Lastenträger oder Sexsklaven missbraucht. Aus Anlass des "Red Hand Days" ruft "Brot für die Welt" gemeinsam mit zahlreichen Organisationen weltweit zu Aktionen mit dem Symbol der roten Hand auf. Bisher haben weltweit mehr als 400.000 Menschen in über 50 Ländern mit ihrem Handabdruck gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten protestiert.

"Brot für die Welt" fordert den Stopp von Kleinwaffenexporten an Drittstaaten, also Länder außerhalb der EU oder der NATO, denn damit kämpfen viele Kindersoldaten. Warum sind diese Waffen so gefragt?

Kleinwaffen sind relativ leicht zu tragen, handlich, einfach in der Bedienung und trotzdem sehr tödlich. Man spricht auch von den Massenvernichtungswaffen des 21. Jahrhunderts. Wenn Deutschland diese Kleinwaffen in Konfliktregionen liefert, in denen auch Kindersoldaten eingesetzt werden, machen wir uns mitverantwortlich. Deutsche Waffen kommen in aktuellen Konflikten, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden, wie dem Jemen, Syrien oder Indien zum Einsatz und tragen zum Leid vieler Kinder bei.

Anstatt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen hat Deutschland auch 2017 Kleinwaffenexporte im Wert von 47 Millionen Euro genehmigt. Davon entfielen 31 Prozent auf Drittstaaten – darunter auch an Länder wie Indien, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden. Wir brauchen ein explizites Verbot von Rüstungsexporten an Länder, in denen Kindersoldaten eingesetzt werden. Da Kleinwaffen in ihrer Verbreitung nicht zu kontrollieren sind, fordern wir einen kompletten Stopp des Exports von Kleinwaffen und entsprechender Munition an Drittländer. Ein zweiter notwendiger Schritt ist ein Rüstungsexportgesetz mit rechtlich verbindlichen, einklagbaren Ablehnungskriterien.

Die Kindersoldaten wachsen in den von Kriegen zerrissenen Ländern ohne familiäre Geborgenheit auf. Foto: Christoph Püschner / Brot für die Welt

Wie definieren Sie den Begriff "Kindersoldaten"?

Um die Definition, wer oder was eigentlich Kindersoldaten sind, wurde international immer wieder gerungen. Wir orientieren uns an den sogenannten Pariser Prinzipen und meinen damit nicht nur Kinder unter 18 Jahren, die mit der Waffe in der Hand in Kriegen kämpfen. Wir fassen darunter auch diejenigen Kinder, die in den Konflikten als Koch, Spion oder Sexsklave von bewaffneten Gruppen oder staatlichen Akteuren missbraucht werden. Sie sind Opfer und werden zu Tätern gemacht, denn sie werden von ihren Familien getrennt und täglich in die grausame Realität des Krieges verwickelt oder damit konfrontiert. Übrigens werden auch Mädchen als Kindersoldaten eingesetzt. Man schätzt, dass ihr Anteil bei rund 40 Prozent liegt.

Worunter leiden die Kinder und ihre Familien besonders?

Die Kindersoldaten wachsen ohne familiäre Geborgenheit auf und werden physisch verletzt oder psychisch traumatisiert. Häufig werden sie von bewaffneten Gruppen verschleppt und zur Arbeit als Kindersoldaten gezwungen. Meistens haben die Familien in diesen von Kriegen zerrissenen Ländern keine Chance, ihre Kinder wieder zurückzuholen. Manchmal schließen die Kinder und Jugendlichen sich diesen Gruppierungen aber auch freiwillig an, weil sie Geld für sich und ihre Familien verdienen müssen. Aber es leiden nicht nur die Kinder und ihre Familien. Oft kommt es zu Angriffen auf Schulen oder Krankenhäuser oder der Verweigerung des Zugangs zu humanitärer Hilfe – davon sind alle Menschen in den Kriegsgebieten betroffen.

Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, beteiligt sich am "Red Hand Day".

Wie hilft "Brot für die Welt"?

Wir unterstützen Ausbildungs- und Schulprojekte wie das "Zentrum für berufliche und handwerkliche Bildung" in der ostkongolesischen Metropole Bukavu. Viele der derzeit 780 Lehrlinge sind ehemalige Kindersoldaten. Sie können hier eine Ausbildung als Schreiner, Gitarrenbauer, Automechaniker oder Kapitän machen. Mit diesen Berufen haben sie dann die Möglichkeit, sich eine Existenz aufzubauen. Das funktioniert aber nur, wenn sie ihre schlimmen Kriegs- und Gewalterfahrungen aufarbeiten. Sonst ist eine Reintegration in die Gesellschaft kaum möglich. Viele Kinder und Jugendliche haben Probleme sich zu konzentrieren und neigen dazu, Konflikte mit Gewalt zu lösen. Sie brauchen eine intensive psychologische Begleitung. Die bekommen sie in diesem Projekt.

Wie versuchen Sie, auf politischer Ebene Druck zu machen?

Neben der konkreten Projektarbeit setzen wir uns dafür ein, dass keine Waffen an Staaten geliefert werden, in denen es Kindersoldaten gibt. Wir versuchen immer wieder, in Deutschland mit Studien und Pressemitteilungen auf Rüstungsexporte in Konfliktregionen aufmerksam zu machen. Auch in diesem Jahr beteiligen wir uns am "Red Hand Day" und sammeln zusammen mit unserer Partnerorganisation im Kongo rote Hände und wollen diese dann der Regierung übergeben. Wer selbst aktiv mitmachen möchte, kann auf der Aktionsseite www.redhandday.org seinen roten Handabdruck hochladen und sich an dem weltweiten Protest beteiligen.

Das Gespräch führte Sabine Portmann.

Teaserfoto: Christoph Püschner / Brot für die Welt

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Portmann

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Brot für die Welt

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