13. Dezember 2017

Aktion Lichtblicke sammelt für arme Familien in NRW

Lieblingslied gegen Spende

Im Advent startet die Aktion Lichtblicke wieder ihre Spendenaktion für bedürftige Kinder und Jugendliche in NRW. Die gemeinsame Aktion der kirchlichen Hilfswerke Diakonie und Caritas sowie des Verbandes lokaler Rundfunk und der 45 Lokalradios unterstützt Familien, die das Schicksal hart getroffen hat. Das Prinzip ist einfach: Gegen eine Spende dürfen sich die Hörer der Lokalradios ein Lied wünschen. Reinhard van Spankeren,  Mitglied im Spendenbeirat der Aktion, berichtet wie Lichtblicke hilft.

Reinhard van Spankeren ist für die Diakonie RWL Mitglied im Spendenbeirat der Aktion Lichtblicke

Warum braucht es Initiativen wie Lichtblicke, die armen Familien in NRW hilft. Versagt der Sozialstaat, wenn es um bedürftige Familien und Kinder geht?

Das Sozialsystem versagt nicht. Es bietet in NRW ein gutes Auffangnetz. Aber es gibt neue gesellschaftliche Entwicklungen, denen der Sozialstaat nicht gerecht wird. Im Spendenbeirat der Aktion Lichtblicke – der über die Anträge von Familien entscheidet – erleben wir, dass es Situationen für Familien gibt, in denen sie zu wenig Hilfe durch die Systeme der sozialen Daseinsvorsorge erhalten. Zum Beispiel Frauen, die Gewalt erleben, Menschen, die in prekären Arbeitsverhältnissen beschäftigt sind, aber auch wenn schwere Schicksalsschläge Familien aus der Bahn werfen.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert?

Die Familie als Ort, wo man sich gegenseitig unterstützt, funktioniert nicht mehr überall. Teilzeit-Arbeitsplätze von alleinstehenden Müttern reichen nicht aus, um eine ganze Familie zu ernähren. Aber auch seltene Krankheiten und Zuwanderung sind letztlich ein Armutsrisiko für Familien. Derzeit erleben wir, dass viele Menschen unter der aktuellen Wohnungsnot leiden. Wer umziehen muss, hat Schwierigkeiten eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Die Aktion Lichtblicke unterstützt Familien, die das Schicksal hart getroffen hat.

Wie hilft Lichtblicke?

Lichtblicke leistet zu 90 Prozent Einzelfallhilfe für arme und benachteiligte Familien in NRW. Menschen mit wenig Geld brauchen Gegenstände des täglichen Bedarfs, wie Waschmaschinen oder Kühlschränke. Mit den Hartz IV-Regelsätzen können sie nicht ansparen. Wir unterstützen zum Beispiel Familien, in denen der Familienvater im Niedriglohnsektor beschäftigt ist und die Mutter wegen der vielen Kinder nicht arbeiten kann.

Gibt es auch größere Projekte?

Wir finanzieren auch innovative soziale Projekte, wenn viele Spenden eingehen – so genannte Leuchtturmprojekte über ein bis zwei Jahre. Zum Beispiel eine Krebsberatung auf dem Land,  Angebote für Kinder psychisch kranker Eltern, Jugendarbeit in benachteiligten Stadtteilen oder einen Ponyhof für Kinderfreizeiten. Der Schwerpunkt der Arbeit ist aber die Einzelfallhilfe.

Die Sozialarbeiter der Wohlfahrtsverbände beraten die Familien.
Foto: Freie Wohlfahrtspflege NRW

Schule ist ein großes Problem für arme Familien. Schulanfang, Klassenfahrten, neue Bücher. Das alles kostet Geld.

Genau das erleben wir im Spendenbeirat. Die Fußballschuhe für das Training im Verein, der Musikunterricht, Schulbücher oder ein Schulwechsel – für all das fehlt bei armen Familien das Geld. Denn das Familienbudget reicht nur für das Nötigste. Wenn dann noch der Familienernährer erkrankt oder erwerbsunfähig wird, geraten Familien in eine Abwärtsspirale.

Wo kann man Anträge stellen?

Arme Familien können nicht selbst direkt Anträge bei der Aktion Lichtblicke stellen. Die Sozialarbeiter der Wohlfahrtsverbände vor Ort stellen die Anträge für ihre Klienten. Gleichzeitig weisen sie die Menschen auf weitere Hilfen des Sozialstaates hin.
 

Mit zahlreichen Programm-Aktionen - wie zum Beispiel dem Konzert von Adel Tawil in Jülich - überraschen die NRW-Lokalradios wieder ihre Hörer.

In diesem Jahr hat Lichtblicke einen Spendenrekord von 3,9 Millionen Euro erzielt. Wie machen Sie das?

Es gibt viele Spender, die jedes Jahr an uns denken. Die Hörer der Lokalradios sind treue Spender. Und es sind die vielen tollen und bunten Aktionen, mit denen sie sich engagieren, von der Haarschnittaktion beim Frisör, über den Basar, bis zum lokalen Musikfestival. Da sind wir immer wieder überrascht über die Kreativität unserer Spender, zu denen auch mittelständische Unternehmer oder Start ups gehören. Gleichzeitig nutzen wir alle modernen und digitalen Fundraising-Methoden. Gespendet werden kann online oder an der kostenfreien Nummer im Lichtblicke-Callcenter, aber auch per Handy.

Lichtblicke hilft Familien, ihr Leben wieder selbst  in die Hand zu nehmen.
Foto: Pixelio / Alexandra H.

Sie erleben im Spendenbeirat viele Schicksale von Menschen. Was berührt Sie besonders?

NRW ist ein Land der guten Nachbarschaft. Hier hilft man sich gegenseitig. Die Menschen spenden, weil sie wissen, dass es ihnen ein bisschen besser geht als anderen. Ich bin seit vielen Jahren bei Lichtblicke dabei. Jetzt treffe ich manchmal Menschen, denen wir vor zehn Jahren in einer Notsituation geholfen haben. Manche sagen „Danke, mit der Unterstützung von Lichtblicke habe ich es geschafft, mein Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen.“ Menschen brauchen manchmal schnelle, unbürokratische und unkonventionelle Hilfe. Deshalb ist die Aktion Lichtblicke so wichtig.

Das Gespräch führte Sabine Portmann.

Fotos: Pixelio / Alexandra H., Freie Wohlfahrtspflege NRW, Aktion Lichtblicke

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Die Aktion Lichtblicke feiert 2018 ihr 20-jähriges Jubiläum. Die Aktion hat in der vergangenen Spendensaison in 2.573 Fällen rund 8.700 Kindern und Jugendlichen geholfen sowie zwölf Leuchtturmprojekte mit mehr als 250.000 Euro unterstützt. Neue Schirmherrin ist Susanne Laschet, Ehefrau des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten. Bei der Mitgliederversammlung der Aktion Lichtblicke am 6. Dezember wurden der Vorstand und der Spendenbeirat auf drei Jahre neu gewählt. Auf dem Diakonie-Ticket im Beirat ist Reinhard van Spankeren als Vorstandsmitglied. Neu für die Diakonie RWL im Spendenbeirat sind Björn-Christian Jung, Referent für erzieherische Hilfen und Förderschulen, sowie Jaqueline Hildebrand, Sozialarbeiterin im Diakoniereferat der Lippischen Landeskirche in Detmold.