27. Dezember 2018

Aktion Lichtblicke

20 Jahre Hilfen für arme Familien

Auch arme Kinder sollen Weihnachtsgeschenke erhalten – das war die Idee der Gründer der Aktion Lichtblicke im Jahr 1998. Caritas, Diakonie, Radio NRW und die Lokalsender fanden sich zusammen, um zu helfen. 2018 gehört die Hilfsaktion unübersehbar zum sozialen Profil von NRW. 3,8 Millionen Euro an Spendengeldern kamen im Jubiläumsjahr armen Familien zugute.

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Der Vorstand der Aktion Lichtblicke: Reinhard van Spankeren (Diakonie RWL), Dr. Frank Johannes Hensel (Diözesan-Caritasverband Köln), Ina Pfuhler (radio NRW) und Thomas Hoyer (Diözesan-Caritasverband Köln) (v.l.)

Wie arbeitet die Aktion Lichtblicke heute? Etwa alle drei Wochen trifft sich der Spendenbeirat bei Radio NRW in Oberhausen. Die Sozialexperten von Diakonie und Caritas entscheiden gemeinsam mit Vertretern des Verbandes lokaler Rundfunk bis zu 300 Anträge pro Sitzung. Bei 90 Prozent aller Anträge werden Einzelfallhilfen für bedürftige Familien aus Nordrhein-Westfalen gegeben.

Die Familien können nicht selber und direkt Anträge stellen. Das übernehmen die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter aus den Dienststellen aller Verbände der Freien Wohlfahrtspflege. Spendengelder – so die Lichtblicke-Philosophie – werden nur dort eingesetzt, wo das Netz des Sozialstaats nicht greift. In den Beratungsstellen werden arme Familien vor allem auch nachhaltig beraten, um langfristige Hilfen in Anspruch nehmen zu können, etwa Schuldnerberatung oder Erziehungsberatung. Denn oft sind akute Notlagen Zeichen tiefergehender Probleme.

Um jetzt draußen spielen zu können, brauchen Kinder Mütze, Schal und Winterjacke. Auch das spendet Aktion Lichtblicke. (Foto: pixabay

Von Winterkleidung bis zu Möbeln

Es sind oft Alltagsgegenstände, die sich arme Familien nicht leisten können. Mal mangelt es an Winterkleidung für kleine Kinder, die schnell groß werden. Mal fehlt im Kinderzimmer ein Schreibtisch, an dem in Ruhe Schularbeiten gemacht werden können. Wenn der Kühlschrank oder der Herd kaputt gehen, bringt ganze Familien in Not. Auch Mitgliedsbeiträge für den Sportverein oder die Musikschule sind oft zu teuer.

Eine typische Lichtblicke-Geschichte spielt in Köln, wo das Diakonische Werk Köln und Region eine fünfköpfige Familie berät. Der Vater arbeitet im Niedriglohnsektor. Die Kinder sind 16, 11 und 9 Jahre alt. Als es der Familie mit Hilfe der Diakonie endlich gelingt, eine angemessen große Wohnung zu finden, fehlt es an Möbeln, vor allem Kinderbetten. Hier hat die Aktion Lichtblicke geholfen. Andere Notlagen, in denen sie aktiv wird, sind traurig und dramatisch, etwa wenn Kinder sterben oder ein Elternteil schwer erkrankt.

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Die Schüler des St. Antonius-Gymnasiums aus Lüdinghausen haben für die Aktion Lichtblicke einen Sponsorenlauf durchgeführt. Hier überreichen sie Reinhard van Spankeren den Scheck. (Foto: R. van Spankeren)

Leuchtturmprojekte

Ein Teil der Spendengelder kommt auch Projekten zugute, nicht einzelnen Kindern, jungen Menschen oder Familien, sondern größeren Gruppen von Betroffenen. Da profitieren dann Kinder- oder Jugendgruppen von innovativen Ideen für präventive soziale Arbeit. So hat die Diakonie Paderborn mit einem Lichtblicke-Leuchtturmprojekt Jugendliche aus Familien unterstützt, bei denen ein Geschwisterkind oder ein Elternteil krebskrank ist.

Ganz anders gelagert war ein Projekt, das Caritas RheinBerg und Diakonie Köln und Region initiiert haben. "Prahlhans und Geizkragen" lautete der Titel. Schuldenprävention bei Kindern und Jugendlichen stand thematisch im Vordergrund. Es wurden Ehrenamtliche "mit Finanzkompetenz" gesucht, die diese an Kinder und Jugendliche in Kindertagesstätten und Schulen vermittelt haben.

Im Projekt "Kirche macht Schule" fördert Aktion Lichtblicke die Betreuung von Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund, während ihre Mütter in Dortmund für das deutsche Ausbildungssystem und den Stellenmarkt fit gemacht werden.

Logo Aktion Lichtblicke

In 20 Jahren hat die Aktion rund 50 Millionen Euro an Spenden erhalten.

Eindrucksvolle Bilanz

Zum Jubiläumsjahr 2018 kann die Aktion Lichtblicke eindrucksvolle Zahlen präsentieren. Auf dem Spendenkonto gingen 3,8 Millionen Euro ein. Exakt 2.534 Anträge konnte der Spendenbeirat positiv bescheiden. Damit wurde 9.141 Kindern und Jugendlichen in Nordrhein-Westfalen geholfen.

In den 20 Jahren seit der Gründung kam die stolze Summe von 50 Millionen Euro an Spenden zusammen. Mit 45.000 Anträgen wurden 180.000 Kinder und junge Menschen unterstützt. Dabei ist der Verein Aktion Lichtblicke eine "schlanke" Hilfsorganisation mit außerordentlich geringen Verwaltungskosten, kurzer Bearbeitungszeit und hoher Transparenz. Allerdings: Die Verwendung der Spendengelder wird intensiv kontrolliert, denn die Spender haben den berechtigten Anspruch darauf, dass sie korrekt und angemessen eingesetzt werden.

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Schirmherrin Susanne Laschet (Mitte), Frau von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, hat Spender und Kinder zu einem Empfang in die Staatskanzlei eingeladen. (Foto: Staatskanzlei NRW)

Dank an die Spender

All ihre Hilfen kann die Aktion Lichtblicke nur geben, weil sie sich auf die Hörerinnen und Hörer der 45 Lokalradios in Nordrhein-Westfalen verlassen kann. Alles begann damit, dass man sich für eine Spende einen Musiktitel wünschen konnte. Für Lichtblicke wird gesammelt bei Konzerten von Rock über Gospel bis Klassik, bei Sponsorenläufen in Schulen und Kindergärten, im Friseursalon mit dem Weihnachtsschnitt oder auch bei großen Firmen und Unternehmen.

Einer bunten Auswahl an Spendern konnte jetzt Susanne Laschet, Schirmherrin der Aktion Lichtblicke, zusammen mit ihrem Mann Armin Laschet, dem NRW-Ministerpräsidenten, beim Empfang in der Staatskanzlei in Düsseldorf Danke sagen. Da standen dann Auto-Tuner aus dem Siegerland an einem Stehtisch mit Rotariern aus Münster. Die Aktion Lichtblicke bringt so Menschen zusammen, die sich in Beruf und Alltag nicht unbedingt begegnen, aber für den guten Zweck zusammenfinden.

Aus der Sicht der Menschen, die Lichtblicke-Hilfen erhalten, sind die Spender so etwas wie eine sozial engagierte Ersatzfamilie. Denn armen Menschen fehlt es oft nicht nur an Geld. Es fehlt auch an Verwandten oder Freunden, die zumindest bei kurzfristigen Notlagen helfen könnten. Die soziale Sicherung in Deutschland ist im Großen und Ganzen bis heute gut ausgebaut. Aber manchmal brauchen Menschen schnelle, unbürokratische und unkonventionelle Hilfen, die nicht im Sozialgesetzbuch vorhergesehen sind. Dann hilft die Aktion Lichtblicke.

Text: Reinhard van Spankeren, Foto: Aktion Lichtblicke

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