18. November 2019

Adventssammlung 2019

Besuchen, Sammeln, Zeichen setzen

"Zeichen setzen" lautet das Motto der Adventssammlung 2019 der Diakonie. Jedes Jahr sammeln etwa 500 Gemeinden der evangelischen Landeskirchen Rheinland, Westfalen und Lippe Spenden für diakonische Projekte. Eröffnungsgottesdienste fanden im westfälischen Holzwicke-Opherdicke und im rheinischen Pulheim-Stommeln statt. Mit dabei: Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann und Diakoniepfarrerin Anja Josefowitz aus dem Kirchenkreis Unna.

Brigitte Imig ist Vorsitzende der Frauenhilfe in Opherdicke. Sie sammelt seit elf Jahren. Auch Edith Wiggermann ist Mitglied der Frauenhilfe. Als Sammlerin engagiert sie sich seit zwölf Jahren. Und im Hintergrund wirkt Ulla Voswinkel, die sich im Diakonieausschuss um die sozialen Aufgaben der Kirchengemeinde kümmert. Sie alle sind zum Eröffnungsgottesdienst der diesjährigen Adventssammlung nach Holzwicke-Opherdicke gekommen. Und erzählen gerne von den vielen Begegnungen, die sie in all den Jahren an den Haustüren der Spenderinnen und Spendern gemacht haben.

Die Sammlerinnen, so berichten sie, gehen stets planvoll vor. Sie haben ihre Bezirke und überlegen sich genau, wann sie wen erreichen können. Auch in der ländlichen Region um Holzwicke-Opherdicke kommt es aber vor, dass sie sich dreimal auf den Weg machen, bis sie jemand antreffen. "Meistens werden wir aber erwartet", berichtet Brigitte Imig. Etwa von dem 90-jährigen Herrn, der gerne aus seinem Leben erzählt. Für zwei bis drei Gespräche, so erzählt sie, gehen schon mal ganze Nachmittage drauf.

Sammlerinnen aus Opherdicke im Kirchenkreis Unna.

Einander beistehen

Die Sammlerinnen freuen sich, wenn sie zwischen fünf und zwanzig Euro als Spende für die Diakonie bekommen, auch ein 50-Euro-Schein ist schon einmal dabei. Aber die persönlichen Begegnungen, so die Vorsitzende der Frauenhilfe, sind für sie das Wesentliche: "Man muss sich für die Leute Zeit nehmen." In Opherdicke sind die Haussammlungen ein Besuchsdienst, ein gutes Stück Alltagsseelsorge.

Für den "Knochenjob des Sammelns" äußert Christian Heine-Göttelmann im Gottesdienst seine "hohe Anerkennung". In seiner Zeit als Gemeindepfarrer hat er Sammlerinnen begleitet. Der Theologische Vorstand der Diakonie RWL hielt die Predigt im Diakonie-Gottesdienst. Anja Josefowitz, Diakoniepfarrerin des Kirchenkreises Unna, verwies zu Beginn des Gottesdienstes auf Jesus, der Zeichen setzte für das Reich Gottes. "Auch wir können Zeichen setzen", so Josefowitz, "Zeichen dafür, wie Menschen einander beistehen können, wie Leben gelingen kann."

Diakonie Ruhr-Hellweg: Christian Korte (Vorstand, l.) und Udo Sedlaczek (Frundraiser, r.) beim Eröffnungsgottesdienst der Diakoniesammlung in der Evangelischen Kirche Opherdicke.

Gute Beispiele

Gute Beispiele für zeichenhafte diakonische Hilfen stellten Christan Korte, Vorstand der Diakonie Ruhr-Hellweg und Udo Sedlaczek, Jugendpresbyter und im Hauptberuf Fundraiser des diakonischen Verbundes Ruhr-Hellweg, exemplarisch vor. Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht oder nicht mehr selber regeln können, brauchen gesetzliche Betreuer oder Betreuerinnen. Dabei sei ganz wichtig, so Korte, "dass die Lebensvorstellungen der betroffenen Menschen Richtschnur für das Handeln der gesetzlichen Betreuer sind".

Auch für arbeitslose Menschen setzt die Diakonie Ruhr-Hellweg Zeichen, etwa mit ihren Sozialkaufhäusern. Auf Spenden angewiesen ist auch die Gemeindenahe Sozialberatung, die Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen unter die Arme greift.

Brigitte Imig und Edith Wiggermann, Sammlerinnen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Unna. 

Zeichen, Wunder und Mehrdeutigkeiten

Die biblischen "Zeichen und Wunder" aus Martin Luthers Bibelübertragung, längst zum volkstümlichen Sprichwort geworden, zielen, so scheint es, auf Eindeutigkeit. Den persönlichen, gesellschaftlichen, politischen und kirchlichen Wunsch nach Eindeutigkeit stellte Christian Heine-Göttelmann in seiner Predigt aber auch in Frage: "Auch Jesus hat Mehrdeutigkeiten hinterlassen."

Die Heilungs- und Wundergeschichten, von denen im Neuen Testament erzählt wird, seien durchaus uneindeutig – ähnlich wie das Wirken Martin Luthers. So sei der religiöse Raum ein Ort der Widersprüchlichkeiten und zugleich ein Ort der Hoffnung auf eine bessere Welt. Der Advent als Zeit des Wartens auf Gottes größtes Zeichen lasse hoffen auf gelingendes Leben in einer widersprüchlichen Welt. Die Sammlungen seien in diesem Zusammenhang zwar "ein Tropfen auf den heißen Stein", in ihrer Widersprüchlichkeit aber doch ein Hoffnungszeichen.

Eröffnungsgottesdienst in der Evangelischen Kirche Opherdicke.

Sendungsgottesdienst in St. Martinus

Diakonie und Caritas sammeln seit mehr als 70 Jahren gemeinsam. An der Basis, in den evangelischen Kirchengemeinden und den katholischen Pfarreien, ziehen die katholischen und evangelischen Sammlerinnen und Sammler in der Regel getrennt los. Anders ist das in Pulheim-Stommeln. Hier gehen die Sammlerinnen und Sammler beider Konfessionen in echter praktischer Ökumene gemeinsam von Haus zu Haus und teilen die Spenden nach einem bewährten Ökumene-Schlüssel auf.

Daher gab es bereits am vergangenen Freitag einen ökumenischen Gottesdienst in der St. Martinus-Kirche in Stommeln. Unterstützt wurden die örtlichen Pfarrer Volker Meiling und Chrstoph Hittmeyer von Pfarrer Ulrich Christenn, der bei der Diakonie RWL als Fundraiser für die Diakoniesammlungen zuständig ist. Für Pfarrer Volker Meiling setzen die Sammlerinnen und Sammler ein Zeichen für eine andere Welt. Jesus habe sich auf den Weg gemacht und mit Zeichen und Wundern denen geholfen, die im Abseits stehen, betonte er in seiner Predigt. Den Sammlerinnen und Sammlern dankte er dafür, dass sie sich auf den Weg machen, um Zeichen der Hilfe zu setzen.

Text: Reinhard van Spankeren

Fotos: Christoph Bürgener, Tobias Schneider (Diakonie Ruhr-Hellweg)

Ihr/e Ansprechpartner/in
Pfarrer Ulrich T. Christenn

Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten, Hoffnung für Osteuropa

Weitere Informationen
Bewerten Sie diesen Artikel
Durchschnittliche Bewertung: 5 (3 Stimmen)

Die Advents- und Sommersammlungen von Diakonie und Caritas gibt es bereits seit über 75 Jahren. Insgesamt bekommen 300.000 Haushalte in Rheinland, Westfalen und Lippe Besuch von einer evangelischen Sammlerin oder einem Sammler. In den letzten Jahren sind dabei rund 1,5 Millionen für Menschen in Not zusammen gekommen. Diese Gelder tragen dazu bei, diakonische Projekte zu unterstützen, die nicht regelhaft finanziert werden. 60 Prozent der Summe bleiben vor Ort, mit 40 Prozent unterstützt der Landesverband überregionale gemeindediakonische Hilfen.