30. November 2018

60 Jahre "Brot für die Welt"

Hunger nach Gerechtigkeit

Am Anfang war nur eine einmalige Sammelaktion geplant: Unter dem Motto "Brot für die Welt" riefen evangelische Landes- und Freikirchen im Dezember 1959 zu Spenden für Hungernde in Indien auf. Aus der Aktion entstand ein großes Hilfswerk, das am 1. Advent seine 60. Spendenaktion mit einer regionalen Eröffnung in Rheinland und Westfalen in Gelsenkirchen eröffnet.

Unter dem Motto "Brot für die Welt" riefen evangelische Landes- und Freikirchen am 12. Dezember 1959 zu Spenden auf.

"Wenn Du wieder satt geworden bist, gib 5 Pfennig für die Hungernden". Dieser schlichte Spruch prangte auf den Sammeldosen der ersten Spendenaktion, die die evangelischen Landes- und Freikirchen am 12. Dezember in der Berliner Deutschlandhalle für die Menschen in Indien starteten. Das dazu gehörige Bild einer "Hungerhand" des Berliner Künstlers Rudi Wagner wurde zum Symbol. 19 Millionen Mark kamen zusammen, davon stammten fast fünf Millionen Mark aus der DDR.

Ein beachtlicher Betrag, denn vielen Spendern war die eigene Hungerzeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch lebhaft in Erinnerung. Das beeindruckende Spendenergebnis forderte geradezu dazu heraus, diese Aktion zu wiederholen. Schlicht und unaufgeregt verkündete der damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Otto Dibelius daher: "Wir haben einen guten Anfang gemacht."

Die Überwindung von Hunger und Armut gehört bis heute zu den Schwerpunkten von Brot für die Welt.

Gemeinden als Rückgrat der Spendenaktion

Heute arbeitet das evangelische Hilfswerk mit mehr als 1.300 Partnerorganisationen weltweit zusammen und fördert mehr als 1.500 Projekte in 97 Ländern. Seit seiner Gründung hat "Brot für die Welt" rund 2,4 Milliarden Euro an Spenden und Kollekten erhalten. "Die Kirchengemeinden waren und sind das Rückgrat von Brot für die Welt", betont Präsidentin Cornelia Füllkrug-Weitzel. "Mit ihren Kollekten, ihren Spendenaktionen und ihrem oft jahrzehntelangen Einsatz zur Überwindung von Hunger und Armut haben sie Millionen Menschen ermöglicht, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, zu verbessern und in Würde zu führen."

Die Überwindung von Hunger und Armut gehört bis heute zu den Schwerpunkten von "Brot für die Welt". Bildung, Gesundheit, der Einsatz für den Erhalt der Umwelt und die Wahrung der Menschenrechte kamen im Laufe der Jahre hinzu. Hunger zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte von "Brot für die Welt". Am Anfang war es der Hunger nach Brot, heute kommt der Hunger nach Gerechtigkeit dazu.

Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von "Brot für die Welt"

Ohne Gerechtigkeit bleibt der Hunger

"Zusammen mit dem Einsatz für Frieden und den Erhalt der Schöpfung bleibt es eine der Kernaufgaben unserer Zeit, Gerechtigkeit zu schaffen", betont Füllkrug-Weitzel. Ohne Gerechtigkeit werde es für die Hungernden dauerhaft kein Brot geben. Zumal die weltweite Nahrungsmittelproduktion tatsächlich ausreicht, um alle Menschen zu ernähren. "Wir brauchen eine gerechte Verteilung der Ressourcen, eine gerechte Wirtschafts-, Handels- und Klimapolitik", fordert die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks.

Das Grundprinzip der Arbeit von "Brot für die Welt" ist bis heute aktuell: Akute Not lindern, die Ursachen dieser Not beseitigen und partnerschaftliche Hilfe zur Selbsthilfe leisten: Menschen stark machen. Immer wieder war "Brot für die Welt" auch Impulsgeber für einen nachhaltigen und gerechten Lebensstil. Dazu zählen die Weltläden und der Faire Handel oder das Rugmark-Siegel für Teppiche ohne ausbeuterische Kinderarbeit, das "Brot für die Welt" mit dem Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi und anderen Organisationen ins Leben rief.

Konfirmanden haben sich an der Aktion "5000 Brote - Konfis backen für Brot für die Welt" beteiligt und verteilen die Brote auf der Veranstaltung.

Regionale Eröffnung in Gelsenkirchen

Kein Wunder, dass gerade im Jubiläumsjahr der Aspekt der Gerechtigkeit im Vordergrund steht. Unter dem Motto "Hunger nach Gerechtigkeit" findet am Sonntag die regionale Eröffnung der 60. Spendenaktion von "Brot für die Welt" in Rheinland und Westfalen statt. Ehrengast im Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen ist die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus. Auch die rheinische Kirchenrätin Anja Vollendorf, der Superintendent von Gelsenkirchen, Heiner Montanus, und der Vorstand der Diakonie RWL, Christian Heine-Göttelmann, kommen auf der Festveranstaltung zu Wort.

Zu Gast sind ebenfalls der Oberbürgermeister der Stadt Gelsenkirchen, Frank Baranowski, und Projektpartner aus dem Kongo. Mitorganisator Martin Domke, Leiter des "Eine Welt-Zentrums" Herne, war erst vor ein paar Wochen im Kongo und freut sich besonders, dass der Leiter des Ausbildungs-Projektes von "Brot für die Welt", Vital Banywesize Mukuza, jetzt nach Gelsenkirchen kommt und berichtet. "In dem vom Bürgerkrieg zerrissenen Land sehnen sich vor allem junge Menschen nach einer Perspektive für ihr Leben. In dem Projekt können sie eine Ausbildung vom Schreiner bis zum Kapitän machen, damit sie aus der Armut herausfinden und sich im Kongo ein selbstständiges, würdevolles Leben aufbauen können."

Pfarrerin Elga Zachau aus Gelsenkirchen hat mit Konfirmanden "Brot für die Welt"- Brote gebacken, die auf der Veranstaltung verteilt werden. Die Jugendlichen berichten, was sie erlebt und über die Hilfsorganisation gelernt haben.

Text: Sabine Portmann, Fotos: "Brot für die Welt"

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Portmann
Presse- und Medienarbeit
Brot für die Welt
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