2. April 2019

25 Jahre Völkermord in Ruanda

Versöhnung fördern, Frieden schaffen

800.000 Tote, 200.000 Gefangene, Hunderttausende vergewaltigte Frauen: 25 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda leiden die Menschen immer noch unter den traumatischen Folgen. Die Evangelische Kirche im Rheinland, "Brot für die Welt", die Vereinte Evangelische Mission und die Kindernothilfe setzten sich mit einem Spendenaufruf für Versöhnung in Ruanda ein. Ulrich Christenn ist bei der Diakonie RWL zuständig für "Brot für die Welt" und berichtet, welche Projekte geplant sind.

Portrait

Ulrich Christenn leitet bei der Diakonie RWL das Zentrum Drittmittel und Fundraising.

Wie ist es zu der gemeinsamen Initiative für Frieden und Versöhnung der verschiedenen evangelischen Hilfsorganisationen im Rheinland gekommen?

Anlässlich des Gedenkens an den Beginn des Völkermordes vor 25 Jahren gehen "Brot für die Welt", die Vereinte Evangelische Mission (VEM), die Kindernothilfe und die Evangelische Kirche im Rheinland gemeinsam auf Friedensmission. Die rheinische Kirche hat für diese Aktion die in ihren Gemeinden verwurzelten Hilfswerke zusammengebracht, denn alle drei Werke leisten in Ruanda seit Jahren Friedensarbeit. Gemeinsam rufen die drei Werke und die Landeskirche zu Spenden auf. Jedes Projekt, das sich für die Versöhnung  der verfeindeten Volksgruppen einsetzt, erhält ein Drittel jeder Spende.

Die Auswirkungen des Völkermordes in Ruanda sind heute noch zu spüren. Worunter leiden die Menschen am meisten?

Nach dem Genozid 1994 leben viele Menschen mit traumatischen Erinnerungen an das Töten und Sterben, an Flucht, Gefangenschaft und Vergewaltigung und leiden unter Depressionen. Auch Familienangehörige von Opfern und Tätern brauchen Unterstützung. Das unsagbare Leid der brutalen Gewalt verfeindeter Volksgruppen wirkt bis heute nach. Nach Untersuchungen von ruandischen Psychiatern zeigen zum Beispiel Frauen doppelt so oft wie Männer Anzeichen einer Trauma-Erkrankung. Doch das Problem der Traumatisierung hat in Ruanda keinen hohen Stellenwert innerhalb der staatlichen und nichtstaatlichen Gesundheitsfürsorge. Das Angebot an ausgebildeten Therapeutinnen und Therapeuten ist völlig unzureichend.

Hand mit Saatgut

Ohne Frieden hilft auch kein Saatgut, um die Lebenssituation der Menschen zu verbessern.
(Foto: Brot für die Welt)

Was tun die drei evangelischen Hilfsorganisationen?

"Brot für die Welt" unterstützt die protestantischen Kirchen Ruandas, die Therapeutinnen und Therapeuten ausbilden, um Traumatisierten zu helfen. Die Kindernothilfe engagiert sich in Projekten, die Frauen in Selbsthilfegruppen stark machen, um aus der Armut herauszufinden.

Die VEM wiederum hilft Jugendlichen mit einem Theater-Projekt, in dem sie auf die Bühne bringen, was sie an Gewalt erlebt haben.

Versöhnungsarbeit und psychologische Hilfe ist ein wenig bekannter Schwerpunkt von "Brot für die Welt".

"Brot für die Welt" steht für Hilfe zur Selbsthilfe. Aber diese Eigeninitiative vor Ort kann nur gestärkt und unterstützt werden, wenn in einer Gesellschaft Frieden herrscht. Ohne Frieden hilft auch kein Saatgut, um die Lebenssituation der Menschen zu verbessern. Deshalb haben die protestantischen Kirchen Ruandas mit der Unterstützung von "Brot für die Welt" drei Kompetenzzentren für Trauma-Beratung eröffnet, in denen bis Ende 2016 fast 300 Betroffene behandelt wurden. Die Menschen finden dadurch wieder Lebenssinn und Orientierung für ihr Leben.

Auch sollen die bereits vorhandenen therapeutischen Gruppen in Schulen und Gemeinden fortgebildet werden. Zusätzlich strahlen die Kirchen mit der Unterstützung von Brot für die Welt Radiosendungen aus, um Informationsarbeit im Bereich der Behandlung, Genesung und des Umgangs mit traumatischen Erkrankungen zu leisten. In den Sendungen werden die Zuhörer ermutigt, sich den traumatisierten Menschen offen anzunehmen und das Thema nicht zu tabuisieren.

Banner des Kirchentags

Auf dem Kirchentag beschäftigt sich eine englischsprachige Podiumsdiskussion mit Ruanda. (Foto: Stephan Schütze)

Auch auf dem Kirchentag in Dortmund wird Ruanda ein Thema sein. Was ist geplant?

Im "International Peace Center" gibt es am Freitag, 21. Juni, eine englischsprachige Podiumsdiskussion unter dem Titel "After Genocide and War. Promoting Peace in the African Great Lake Region". Mit dabei ist der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. 

Wer den Spendenaufruf der Evangelischen Kirche im Rheinland und der drei Hilfsorganisationen unterstützen möchte, kann auf das gemeinsame Konto spenden und Projekte in Ruanda unterstützen.

Das Gespräch führte Sabine Portmann.

Spendenkonto bei der KD-Bank:

IBAN: DE43 3506 0190 1010 9720 31
Empfängerin: Aktion Ruanda
Stichwort: Versöhnung

Online spenden:

www.kd-onlinespende.de/projekt/ruandas-zukunft-braucht-versoehnung/displ...
Mehr Informationen unter: www.story.ekir.de/ruanda

Ihr/e Ansprechpartner/in
Pfarrer Ulrich T. Christenn

Brot für die Welt, Katastrophenhilfe, Sammlungen, Kollekten

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