20. Oktober 2017

Wohnungslosenhilfe

20 Jahre "Luthers Waschsalon"

Ein Wäscheservice für Obdachlose und Arme – So startete "Luthers Waschsalon" vor zwanzig Jahren in Hagen. Heute bietet die diakonische Einrichtung zahlreiche Hilfen an. Sie reichen von einer Kleiderkammer, Fußpflege, sozialer Beratung bis hin zu zahnmedizinischer Versorgung. In diesen Tagen feiert die Diakonie Mark-Ruhr das Jubiläum.

Das Team der Ehrenamtlichen von "Luthers Waschsalon"

Der Name war Programm, als "Luthers Waschsalon" im Oktober 1997 mit fünf ehrenamtlichen Helfern in Hagen startete. Wohnungslose, kranke und arme Menschen in Hagen sollten in den Räumen der Lutherkirchengemeinde frühstücken, duschen und ihre Wäsche waschen können. Denn Sauberkeit hat auch mit Würde zu tun. Und die wollte man den Menschen durch einen kostenlosen Waschsalon geben.

Heute hat das Projekt der Diakonie Mark-Ruhr rund 30 ehrenamtliche Helfer, die ein ganzes Netz an Unterstützung – von der Notfallversorgung über Beratung bis hin zu einer zahnmedizinischen Versorgung – bieten. In dieser Form ist es in Deutschland vermutlich einzigartig. Seit zwei Jahrzehnten ist die Diakonie somit bemüht, dass Menschen mit ganz vielschichtigen und besonderen sozialen Schwierigkeiten den Anschluss an die Gesellschaft nicht vollends verlieren.

Ganzheitliches Angebot für Körper und Seele

An den zwei Öffnungstagen in der Woche suchen bis zu 150 Gäste "Luthers Waschsalon" auf. Seit sieben Jahren ist er nicht mehr in der Luthergemeinde zu finden, sondern in einem eigenen Gebäude in Bahnhofsnähe. Im Erdgeschoß können die Gäste frühstücken, duschen und ihre Kleidung im Waschsalon abgeben. Im ersten Stock sind die medizinische und zahnmedizinische Ambulanz untergebracht. An das Wartezimmer grenzt eine Kleiderkammer und ein Friseurstübchen. 

Gruppenbild

Sie behandeln die Gäste von "Luthers Waschsalon" kostenlos:  Ärzteteam der  medizinischen Ambulanz

Im Büro von Leiterin Ilona Ladwig-Henning finden Beratungen statt. Meist geht es dabei um Probleme mit den Behörden, um die Suche nach einer Wohnung, Schulden oder Süchte. Denn "Luthers Waschsalon" versteht sich als ganzheitliches Angebot für Körper und Seele.

Inzwischen gibt es sogar eine Freizeitgruppe, einen Chor und eine Frauengruppe. "Die Nachfrage ist nach wie vor sehr hoch, deshalb benötigen wir dringend weitere ehrenamtliche Unterstützung, gerade auch im medizinischen Bereich", sagt Ilona Ladwig-Henning.

Medizinische Hilfe ohne Ansehen der Person

Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen sind aufgrund ihrer Lebensumstände in besonderer Weise gesundheitlichen Risiken ausgesetzt. Ihre persönliche Situation, ein oftmals verloren gegangenes Krankheitsbewusstsein sowie unterschiedlichste Zugangsbarrieren verhindern häufig die medizinische Versorgung im Regelsystem. "Deshalb bietet Luthers Waschsalon seit 1999 medizinische Hilfe an – auch getragen von ehrenamtlichem Engagement", freut sich der Geschäftsführer der Diakonie Mark-Ruhr, Pfarrer Martin Wehn, über den Einsatz der Mediziner. 

Zahnarzt Hans Ritzenhoff mit einem Studenten der Universität Witten/Herdecke

Einer von ihnen ist der pensionierte Zahnarzt Hans Ritzenhoff, der die Patienten gemeinsam mit erfahrenen Medizinern und Studierenden der Zahn- und Allgemeinmedizin der Universität Witten/ Herdecke ehrenamtlich betreut.

"Wir helfen Menschen, die auf der Schattenseite der Gesellschaft stehen", sagt er. "Ohne Ansehen der Person, der Herkunft und des Geldbeutels." Das Land Nordrhein-Westfalen hat die Kooperation mit der Hochschule im Herbst 2015 als "Ort des Fortschrittes" ausgezeichnet.

Benachteiligten eine Stimme geben

Für Zahnmedizinstudierende ist die Teilnahme an dem Projekt obligatorisch. "Viele kommen aber freiwillig öfter, als sie müssen, da sie die Arbeit auch persönlich weiter bringt", berichtet Studentin Helen Leupers. Dank vieler Sach- und Geldspenden verfügt die Einrichtung mittlerweile über ein grundlegendes zahnärztliches Repertoire an Instrumenten und Geräten. Seit Dezember 2010 steht mit einem Arztmobil ein zusätzlicher niedrigschwelliger Baustein der medizinischen Versorgung zur Verfügung.

Portrait

Heidrun Schulz-Rabenschlag sieht mit Sorge, dass die Zahl der armen Menschen in Deutschland zunimmt

"Vor 20 Jahren hat sicherlich niemand mit der Entwicklung der Angebote in dieser Weise von Auf- und Ausbau sowie der heutigen Ausdifferenzierung gedacht", zieht Heidrun Schulz-Rabenschlag, Leiterin der Sozialen Dienste bei der Diakonie Mark-Ruhr, Bilanz.

Dies sei auf die traurige Tatsache zurückzuführen, dass eine zunehmende Zahl von Menschen nicht an den positiven Wohlstandsentwicklungen in Deutschland beteiligt ist. So hätten die unteren 40 Prozent der Beschäftigten im Jahr 2015 real weniger verdient als Mitte der Neunziger Jahre.

"Solche Entwicklungen hängen einen großen Teil der Gesellschaft nicht nur finanziell ab, sondern verhindern auch andere wesentliche Teilhabe", betont Heidrun Schulz-Rabenschlag. "Daher ist es unsere diakonische Aufgabe, mit und für die Menschen einzutreten, die mit ihrer Stimme nicht gehört werden, oder nicht mehr die Kraft haben, sich für ihre Interessen einzusetzen."

Text und Fotos: Fabian Tigges/Sabine Damaschke

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