Freitag, 10. September 2021

Wohnungslose Frauen mit Kindern besser schützen

Umfrage der Diakonie RWL zeigt: NRW braucht mehr kindgerechte Notunterkünfte

Düsseldorf, 10. September 2021. Wenn Frauen mit Kindern vor häuslicher Gewalt fliehen, muss es oft schnell gehen. Doch nur 69 Prozent der befragten Kreise und Kommunen haben an sieben Tagen in der Woche einen 24-stündigen Zugang zu Notunterkünften für alleinerziehende Frauen. Das hat eine Umfrage des Diakonischen Werks Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) anlässlich des morgigen Tags der Wohnungslosen ergeben. "Da ist noch deutlich Luft nach oben", sagt Heike Moerland, Leiterin des Geschäftsfelds "Berufliche und soziale Integration" der Diakonie RWL. "Wir brauchen in wirklich jedem Kreis und in jeder kreisfreien Stadt 24/7 Angebote für wohnungslose Frauen mit Kindern."

Ihr Ansprechpartner
Jan Orlt
Geschäftsfeld Berufliche und soziale Integration

Zu viele Frauen blieben bei gewalttätigen Partnern oder in anderen prekären Wohnsituationen, wenn es keine Aussicht auf eine Unterbringung mit ihren Kindern gebe. "Es kommt dann zu Eskalationen, die hätten vermieden werden können. Das ist vor allem für die Kinder katastrophal", sagt Jan Orlt, Referent für Wohnungslosenhilfe. Alle Kommunen und Kreise in Nordrhein-Westfalen müssten kindgerechte Notunterkünfte rund um die Uhr vorhalten. Und auch die Vernetzung zwischen Wohnungslosenhilfe und Jugendhilfe müsse zum Schutz der Kinder gestärkt werden.

Wohnungslose Familien stärken

An der Umfrage der Diakonie RWL beteiligten sich 34 Einrichtungen und Dienste der Wohnungslosenhilfe in den Regionen Rheinland, Westfalen und Lippe. "Die Umfrage ist damit nicht repräsentativ, aber wir decken rund 43,4 Prozent aller Kreise und kreisfreien Städte in NRW ab", erläutert Orlt.

Die Erhebung zeige deutlich, dass die Hürden zu Angeboten der Wohnungslosen- und der Jugendhilfe noch immer zu hoch seien. "Wir müssen Berührungsängste abbauen, damit wir den Familien frühzeitig helfen können." Vor allem Mütter müssten stärker berücksichtigt werden, denn 88 Prozent der Wohnungslosen, die ihre Kinder alleine erziehen, sind Frauen.

Rund 11.000 Kinder sind wohnungslos

"Wir beobachten, dass sich viele Frauen keine Unterstützung suchen, weil sie Angst haben, ihre Kinder zu verlieren", sagt Heike Moerland. Dabei sei ganz klar, dass wohnungslose Mütter mit ihren Kindern zusammen bleiben müssen. "Die Jugendhilfe wird schnell mit möglichen Inobhutnahmen in Verbindung gebracht", beobachtet Orlt. "Es muss deshalb gemeinsame Angebote der Wohnungs- und Jugendhilfe geben, die diese Furcht aus dem Weg räumen."

Bei rund 11.000 wohnungslosen Kindern in NRW sei es wichtig, dass gut vernetzte Strukturen entstehen. "Wir müssen die Rechte der Kinder und Jugendlichen schützen und stärken. Das geht nur durch Austausch und Kooperation", so Orlt. Das Hauptziel der Unterstützungsangebote müsse immer ein neues dauerhaftes Zuhause für die Familien sein. In NRW haben rund 50.000 Menschen keine Wohnung. In jedem vierten wohnungslosen Haushalt leben Kinder oder Jugendliche.

Hintergrund:
Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) repräsentiert rund 5.000 evangelische Sozialeinrichtungen. Davon sind 267 Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. Die Umfrage wurde von der Fachkonferenz "Frauen" des evangelischen Fachverbands Wohnungslosenhilfe der Diakonie RWL im August 2021 erhoben. Ziel war es, Einblicke in die Zugänge und Standards der Notunterkünfte in den Kreisen und Kommunen zu erlangen.