Donnerstag, 8. April 2021

Praxisleitfaden Wohnraum planen

Eigentum nutzen, Wohnungsnot verringern

Nicht nur günstigen Wohnraum fordern, sondern ihn auch selbst schaffen: Dazu will ein neuer Praxisleitfaden für Kirche und Diakonie ermutigen. Denn kirchliche und diakonische Träger besitzen nicht selten zentral gelegene unbebaute Grundstücke und Bestandsimmobilien wie Gemeindehäuser oder Anstaltsdiakonien, die sie für die Entstehung von sozialem, nachhaltigem und barrierefreiem Wohnraum nutzen könnten.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Heike Moerland

Armut- u. Existenzsicherung, Straffälligenhilfe

 

 

Das Titelbild des Praxisleitfadens zeigt einen Neubau der Aufbaugemeinschaft Espelkamp, in dem Flüchtlinge wohnen. (Foto: Aufbaugemeinschaft Espelkamp)

Das Titelbild des Praxisleitfadens zeigt einen Neubau der Aufbaugemeinschaft Espelkamp, in dem Flüchtlinge wohnen.

Unter dem Titel "Weil alle ein Zuhause brauchen. Wohnraum planen – sozial und nachhaltig" gibt die Broschüre Tipps, wie mit einem guten Konzept, sorgfältiger Planung und kreativen Finanzierungsmodellen neue faire Wohnformen entstehen können. Dabei nimmt der Praxisleitfaden auch Kooperationen mit überörtlichen diakonischen Trägern, anderen Sozial- und Wohlfahrtsverbänden sowie regionalen oder kommunalen Wohnbaugesellschaften oder Wohnungsgenossenschaften in den Blick.

Nicht immer müssen Kirche und Diakonie dabei selbst die Bauherrin sein. Ein gelungenes Kooperations-Projekt zeigt, wie es auch anders geht. Die "Aufbaugemeinschaft Espelkamp", eine kirchlich und diakonisch mitgetragene Wohnungsbaugesellschaft, realisiert gerade ein Bauprojekt für 3,5 Millionen Euro. Eine örtliche Kirchengemeinde stellt das Grundstück als Erbbaurecht, die Aufbaugemeinschaft baut das Haus und eine diakonische Stiftung mietet die Wohnungen für Jugendliche, die sozialpädagogisch betreut werden.

Gute Beispiele aus Diakonie und Kirche

Da Köln die Stadt in Nordrhein-Westfalen ist, die am stärksten von Altersarmut betroffen ist, bemüht sich die Diakonie Michaelshoven um mehr bezahlbaren Wohnraum für einkommensarme Seniorinnen und Senioren. Sie hat mit der Gemeinnützigen Wohnungs-Genossenschaft Köln-Sülz ein Haus mit 24 kleinen, barrierefreien Appartements gebaut. Die dort lebenden älteren Menschen werden von zwei Studierenden unterstützt, die dafür eine deutlich geringere Miete zahlen. Eine Art Wohngemeinschaft statt Altersheim und Studentenbude.

Die rheinische Kirche nimmt neben älteren Menschen auch junge Familien in den Blick, die es auf dem angespannten Wohnungsmarkt in Düsseldorf besonders schwer haben. Auf dem Gelände ihres ehemaligen des Funk-, Film- und Fernsehzentrums errichtet sie Gebäude mit einer Tagespflegeeinrichtung für Senioren, preisgünstigen Wohnungen für ältere Menschen und betreutes Wohnen sowie Wohnungen für junge Familien. Rund 25 Millionen Euro investiert sie in das Projekt.

"Es gibt viele gute Beispiele, wie Kirche und Diakonie daran mitwirken, fairen und barrierefreien Wohnraum zu schaffen", sagt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. "Wir wünschen uns, dass es noch mehr werden. Dazu soll unsere Handreichung beitragen."