Montag, 25. Mai 2020

Kinder haften nicht für ihre Eltern

Diakonie RWL warnt vor Überschuldung in Familien

Düsseldorf, 25. Mai 2020. Wer in der Corona-Krise seinen Job verliert oder in Kurzarbeit geht, kann schnell in die Schuldenfalle geraten. Das gilt vor allem für Familien. Die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung, die heute beginnt, richtet daher den Blick auf die Kinder. "Sie leiden besonders darunter, wenn die Eltern angespannt und gereizt sind, weil Gläubiger Druck machen und ständig gespart werden muss", betont der Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL), Christian Heine-Göttelmann.

Ihr Ansprechpartner
Petra Köpping

Schuldner- und Insolvenzberatung

, Geschäftsfeld Berufliche und soziale Integration

Mit ihren 80 Schuldnerberatungsstellen zwischen Paderborn und Bielefeld beteiligt sich die Diakonie RWL an der Aktionswoche vom 25. bis 29. Mai 2020, die diesmal überwiegend digital stattfindet.

Das Thema Schulden gehört in die Schule

Die Beraterinnen und Berater der Diakonie erlebten häufig verzweifelte alleinerziehende und einkommensschwache Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machten, so Heine-Göttelmann weiter. Für viele Kinder sei es schwierig, erfolgreich für die Schule zu lernen, unbeschwert zu spielen und sich gut zu entwickeln. Wenn sie älter seien, gerieten sie oft selbst in die Überschuldung, weil sie den richtigen Umgang mit Geld nicht gelernt hätten. "Das Thema Schulden gehört auch in die Schulen. Wir brauchen einen flächendeckenden Unterricht in finanzieller Bildung."

Überschuldung betrifft schließlich viele Lebensbereiche. So können Familien im Hartz-IV-Bezug Schulden beim Jobcenter ansammeln. Wenn die Kinder solcher Familien volljährig werden, verlangt die Behörde das Geld oftmals auch von den Jugendlichen zurück. Darauf macht Petra Köpping aufmerksam, die bei der Diakonie RWL für die Schuldnerberatungsstellen zuständig ist. "Dabei ist es ein Grundrecht, schuldenfrei in die Volljährigkeit zu starten. Das hat das Bundesverfassungsgericht bereits vor über 30 Jahren entschieden."

Forderung einer Kindergrundsicherung

Die Diakonie RWL setzt sich gemeinsam mit den Schuldnerberatungen anderer Sozial- und Wohlfahrtsverbände für weitere sozial- und familienpolitische Reformen ein, damit Kinder aus überschuldeten Familien eine bessere Zukunft haben. Neben der Erhöhung des Mindestunterhalts für Kinder Alleinerziehender sowie des Hartz-IV-Regelsatzes für Kinder und Jugendliche in Grundsicherung und Sozialhilfe spricht sie sich für eine eigenständige Kindergrundsicherung aus.

Um ein gutes Aufwachsen von Kindern trotz Überschuldung der Eltern unterstützen zu können, sei eine gute Beratung notwendig, betont Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. "Derzeit profitieren nur rund 15 Prozent der fast sieben Millionen überschuldeten Menschen in Deutschland von der kostenfreien, sozialen Schuldnerberatung", sagt Christian Heine-Göttelmann. "Die Corona-Krise zeigt uns, dass ein Ausbau dringender denn je ist."

Hintergrund:

Die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung wird von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) veranstaltet. Bundesweit gibt es rund 1.450 soziale Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen, die jährlich knapp 700.000 Menschen Unterstützung anbieten. Unter dem Dach der Diakonie RWL arbeiten zwischen Bielefeld und Saarbrücken rund 80 Schuldnerberatungsstellen, die im vergangenen Jahr etwa 48.000 Menschen beraten haben.

Ein Interview mit Petra Köpping zur diesjährigen Aktionswoche gibt es auf unserer Webseite: www.diakonie-rwl.de/schuldnerberatung-kinder

Foto von Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann: www.diakonie-rwl.de/sites/default/files/hjb-7941.jpg