13. Oktober 2017

Hospiz- und Palliativtage

Begleitung auf dem letzten Stück Leben

Todkranke Menschen haben auf dem letzten Stück ihres Lebensweges Anspruch auf besondere medizinische Hilfe. Dass sie aber auch emotionale Unterstützung und Sterbebegleitung bekommen können, wissen viele Betroffene nicht. Auf dieses Angebot wollen die Hospiz- und Palliativtage in Nordrhein-Westfalen vom 13. bis 15. Oktober aufmerksam machen. Mit dabei sind auch Einrichtungen der Diakonie.

Hände

Berührung bedeutet Sterbenden viel (Foto: Albrecht E. Arnold/pixelio.de)

Die alte Dame war nicht mehr ansprechbar, als Hospizhelferin Gudrun Bischoff ihr Zimmer in einem Bonner Seniorenheim betrat. Die Sterbende war sehr unruhig und es waren keine Verwandten da, um ihr in ihren letzten Stunden beizustehen. Deshalb hatte das Heim die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizvereins Beuel angefordert. Doch wie lässt sich in einem solchen Fall noch helfen? Gudrun Bischoff weiß aus fünfjähriger Erfahrung: "Man muss jedes Mal bereit sein, völlig intuitiv zu handeln."

Im Fall der alten Dame setzte sich Gudrun Bischof an deren Bett und legte ihr die Hand auf die Schulter. Dann sprach sie sehr lange mit ihr, schaute einfach aus dem Fenster und erzählte, was sie sah. "Die alte Dame wurde ruhiger und wenige Stunden, nachdem ich gegangen war, ist sie friedlich gestorben."

Portrait

Hospizhelferin Gudrun Bischoff begleitet seit fünf Jahren sterbende Menschen (Foto: Claudia Rometsch)

Hospizarbeit kennenlernen

Gudrun Bischoff ist eine von etwa 2.000 Ehrenamtlichen in den rund 80 Hospizvereinen, die vom Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe betreut werden. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es mehr als 306 ambulante Hospizdiente und 71 stationäre Hospize. Rund 9.500 Ehrenamtliche engagieren sich laut NRW-Gesundheitsministerium in der Sterbebegleitung. "Viele Menschen kennen nur den Pflegedienst, wissen aber gar nicht, dass es auch emotionale Begleitung gibt", sagt Karen Sommer-Loeffen, Referentin für Hospizarbeit und Ehrenamt beim Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe.

Um die Angebote der Hospizvereine bekannter zu machen, veranstaltet das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium nun vom 13. bis 15. Oktober erstmals die Hospiz- und Palliativtage mit zahlreichen Infoveranstaltungen. Mit dabei sind auch viele Einrichtungen der Diakonie. So organisiert der Hospizverein Beuel in Bonn zum Beispiel einen "Letzte Hilfe Kurs" für den Umgang mit Sterbenden. Der Ambulante Hospizdienst Wittgenstein führt ein Theaterstück über das Sterben auf. Und die Mutterhauskirche der Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf lädt zu einem Gottesdienst unter dem Motto "Jeder Moment ist Leben".

Gruppenfoto

Das Team des Beueler Hospizvereins (Foto: Beuler Hospizverein)

Attraktives Ehrenamt

Entstanden sind die ersten Hospizvereine durch bürgerschaftliches Engagement in den 80er Jahren. Heute gibt es rund 1.500 Initiativen in ganz Deutschland. Immer noch leben die Vereine vom ehrenamtlichen Engagement. Obwohl Tod für viele Menschen ein Tabu-Thema ist, gelinge es den Hospizvereinen unter dem Dach der Diakonie in der Regel, genügend ehrenamtliche Mitarbeiter zu finden, sagt Sommer-Loeffen. Der Grund: "Es ist ein attraktives Ehrenamt. Die Helfer werden sehr gut geschult und begleitet."

Gudrun Bischoff kann das bestätigen. "Wir werden unglaublich gut betreut und haben ein Fach-Team im Hintergrund, das immer ansprechbar ist, wenn Probleme auftreten." Die 65-Jährige hat in den fünf Jahren, die sie für den Hospizverein tätig ist, mehrere Sterbende im Jahr begleitet. Neben Kurzeinsätzen wie bei der alten Dame, besucht Bischoff einige Menschen auch über Monate. 

Bronzehand mit Kinderkopf

Geborgenheit, Friede, Licht - Gudrun Bischoff sucht mit Sterbenden nach positiven Vorstellungen des Jenseits (Foto: Grace Winter/pixelio.de)

Das letzte Stück Leben begleiten

Besonders nah ging ihr die Begleitung einer jungen, zweifachen Mutter, mit der sie ein halbes Jahr lang intensive Gespräche führte. Wichtig sei ihr, dass sie nicht in den Tod begleite, sondern in das letzte Stück Leben, betont Bischoff. "Ich schaue, was kann ich tun, damit sich der Mensch wohler fühlt und wie ich ihm helfen kann, vielleicht noch Dinge zu regeln, die ihm wichtig sind."

Im Fall der jungen Frau war es zum Beispiel ein Gespräch über den Tod, mit dem Bischoff ein wenig Licht ins Dunkel bringen konnte. Die junge Frau stellte sich den Tod als schwarzes Loch vor. Bischoff regte an, da ja keiner wisse, wie der Tod wirklich sei, könne man sich ihn ja auch wie in einem angenehmen Traum mit hellem Licht vorstellen.

Auch wenn ihr Ehrenamt sie mit traurigen Schicksalen konfrontiere, bereue sie es nicht, sich darauf eingelassen zu haben, sagt Bischoff. Im Gegenteil: "Es strahlt positiv auf mein Leben aus. Es ist etwas, was mich kolossal erdet." Viele Hospizhelfer berichteten, dass ihr Leben durch das Ehrenamt eine ganz neue Intensität gewonnen habe, weiß auch Sommer-Loeffen. "Das sind goldene Schätze, die man da mitbekommt."

Stuhlkreis

Schulung für Hospizhelfer (Foto: Beueler Hospizverein)

Gute Schulung für Ehrenamtliche

Fachkenntnisse in der Pflege müssten ehrenamtliche Hospizhelfer nicht mitbringen, sagt Sommer-Loeffen. Gudrun Bischoff zum Beispiel kam beruflich aus dem Bereich Marketing, bevor sie Hospizhelferin wurde. Wichtig seien jedoch Empathie, sowie die Fähigkeit zuhören und sich selbst reflektieren zu können, betont Sommer-Loeffen. Alles andere lerne man in der Schulung.

Und die ist sehr gründlich. In rund 100 Stunden wurde Gudrun Bischoff vom Beueler Hospizverein auf ihr Amt vorbereitet. Neben Themen wie Schmerztherapie oder Gesprächsführung geht es dabei für die Teilnehmer auch darum, ein Gespür für die eigenen Grenzen der Belastbarkeit zu entwickeln. Man müsse auch lernen, die abgeschlossenen Fälle loszulassen, um wieder für neue Klienten bereit zu sein, sagt Bischoff. Für sich selbst hat sie einen Weg gefunden, ihre Erinnerungen festzuhalten. In einem Buch notiert sie kurze Gedanken oder Begebenheiten aus der Begegnung mit den Menschen, die sie begleitet hat.

Text: Claudia Rometsch

Ihr/e Ansprechpartner/in
Karen Sommer-Loeffen
Bahnhofsmission, Ehrenamt, Hospizarbeit
Weitere Informationen
Bewerten Sie diesen Artikel
Durchschnittliche Bewertung: 5 (9 Stimmen)