Diakonischer Zwischenruf 05

Diakonische Wohnungslosenhilfe für Frauen

Aufgrund der dramatischen Situation auf dem Wohnungsmarkt sind immer mehr Frauen von Wohnungslosigkeit betroffen. Allein in Nordrhein-Westfalen sind Ende 2018 rund 10.000 Frauen wohnungslos gewesen. Das waren 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Seit gut dreißig Jahren gibt es in der Diakonie RWL eine frauenspezifische Wohnungslosenhilfe. Doch die Angebote sollten weiterentwickelt und ausgebaut werden. Dafür plädiert der Diakonische Zwischenruf "Diakonische Wohnungslosenhilfe für Frauen".

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Vor gut drei Jahrzehnten gerieten wohnungslose Frauen verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit, angeregt durch die betroffenen Frauen und die Mitarbeitenden in der Wohnungslosenhilfe. In den damals fast ausschließlich gemischtgeschlechtlichen Einrichtungen fiel auf, dass die Mehrzahl der Frauen, die ohne Wohnung oder von Wohnungslosigkeit bedroht waren, gemischtgeschlechtliche Beratungsstellen selten aufsuchten und sich in männerdominierten Einrichtungen unwohl fühlten. Das war der Beginn der frauenspezifischen Wohnungslosenhilfe.

Seitdem wurden zahlreiche differenzierte Hilfeangebote für Frauen konzipiert und weiterentwickelt. Angesichts der gestiegenen Zahl wohnungsloser Frauen reichen sie aber längst nicht aus. 27 Prozent aller wohnungslosen Erwachsenen sind weiblich. Das sind bundesweit etwa 100.000 Frauen. Doch die Dunkelziffer liegt weit höher. Allein in Nordrhein-Westfalen waren Ende 2018 rund 10.000 Frauen wohnungslos, 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Umfrage in diakonischen Einrichtungen

"Wir brauchen dringend mehr Notübernachtungsstellen, Wohnhilfen und Beratungsangebote in NRW, die sich gezielt an Frauen richten", fordert Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der Diakonie RWL. Dies bestätigt eine Studie, die der Evangelische Fachverband Wohnungslosenhilfe Rheinland-Westfalen-Lippe der Diakonie RWL bei der Hochschule Düsseldorf in Auftrag gegeben hat. Unter der Leitung von Wissenschaftler Kai Hauprich wurden erstmals wohnungslose Frauen und Mitarbeiterinnen der rund 260 Einrichtungen in der Wohnungslosenhilfe des Landesverbandes befragt.

Danach rund 42 Prozent der wohnungslosen Frauen Gewalt und sexuellen Missbrauch erfahren. Sie möchten deshalb in der Regel getrennt von Männern untergebracht, betreut und beraten werden. 90 Prozent der befragten Mitarbeiterinnen bestätigen, dass vor allem im ländlichen Raum und kleineren Städten frauenspezifische Angebote fehlen. Besonders die Wintermonate sind für wohnungslose Frauen kritisch. Jede Dritte kritisiert, dass Einrichtungen an Wochenenden häufig geschlossen und zwischen 18 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht zugänglich sind.

Aus den Ergebnissen der Untersuchungen ergeben sich konkrete Forderungen an die Ausgestaltung und Weiterentwicklung der Hilfen für wohnungslose Frauen. Der diakonische Zwischenruf "Diakonische Wohnungslosenhilfe für Frauen" schildert nicht nur die Problematik, sondern benennt auch konkrete Anforderungen an das Hilfesystem.