28. September 2021

Diakonie zur Bundestagswahl

"Kinderarmut endlich effektiv bekämpfen"

Zwei Tage nach der Bundestagswahl ist noch offen, wer Kanzler wird und wie sich die nächste Regierung zusammensetzt. Doch eines ist klar: Keine Koalition kann sich erlauben, wichtige soziale Probleme ungelöst zu lassen. Schon in den Verhandlungen sollten daher zwei Themen eine zentrale Rolle spielen, fordert die Diakonie RWL: Kinderarmut und Pflege. 

  • Geldscheine und Buchstaben "Kindergeld" auf einem Haufen

Mit Nachdruck appelliert die Diakonie RWL an die politischen Entscheiderinnen und Entscheider, die drängendsten sozialen Fragen jetzt mit hoher Priorität zu behandeln. "Für die anstehenden Sondierungen und Koalitionsverhandlungen wünschen wir den Politikerinnen und Politikern in Berlin viel Kraft und einen klaren Blick, der vor allem die sozialen Themen für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft im Fokus hat", sagt Vorstand Christian Heine-Göttelmann. 

Weit oben auf der Agenda steht für die Diakonie das Thema Kinderarmut. Nach wie vor wächst jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut auf. Insgesamt waren das nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem Jahr 2020 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Für zwei Drittel der betroffenen Kinder und Jugendlichen sei dies ein Dauerzustand: Sie lebten mindestens fünf Jahre durchgehend oder wiederkehrend in Armut. "Für eine der reichsten Industrienationen dieses Planeten ist das ein unhaltbarer Zustand, der endlich beendet werden muss", fordert Heine-Göttelmann.

Theologischer Vorstand: Christian Heine-Göttelmann (Foto: Diakonie RWL)

Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann setzt sich für eine Kindergrundsicherung ein.

Breites Bündnis gegen Kinderarmut

Gemeinsam mit anderen Wohlfahrtsverbänden und zivilgesellschaftlichen Akteuren fordert die Diakonie die nächste Bundesregierung daher auf, Kinderarmut endlich effektiv zu bekämpfen und konkrete Maßnahmen im Koalitionsvertrag festzuhalten. In einer heute veröffentlichten Erklärung des Bündnisses "Ratschlag Kinderarmut" spricht sie sich für eine Kindergrundsicherung aus. Statt mehr als 150 einzelner Leistungen im Sozial- und Steuerrecht für Familien mit Kindern sollte es ab der Geburt eines Kindes eine einheitliche Leistung geben, die jeder Familie zustehe, so Heine-Göttelmann. 

Das Bündnis verlangt zudem, Angebote und Leistungen zur Unterstützung armer Kinder, Jugendlicher und Familien so auszugestalten, dass sie niederschwellig zur Verfügung stehen und leicht in Anspruch genommen werden können. Durch die Corona-Pandemie habe sich die schwierige Situation für viele Familien noch einmal verschärft, heißt es. Kinder und Jugendliche benötigten daher über das Corona-Aufbauprogramm hinaus Begleitung in ihrem Kita- und Schulalltag sowie psychosoziale Unterstützung, um die Auswirkungen der Pandemie zu bewältigen.

Die Diakonie RWL werde sich auf Bundesebene und insbesondere in ihrem Verbandsgebiet in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit Nachdruck für die Forderungen des Ratschlags Kinderarmut einsetzen, verspricht der Theologische Vorstand. "In vier Jahren muss sich eine Regierung auch daran messen lassen, was sie mit Blick auf die Bekämpfung von Armut erreicht hat", sagt Heine-Göttelmann.

Pflegekraft hält das Schild hoch "We can do this"

Appell für eine Pflegereform, von der alle profitieren: Pflegekräfte und Pflegebedürftige und ihre Angehörigen.

Bekenntnis zu guter Pflege

Ein zweiter Schwerpunkt, so der RWL-Vorstand, müsse darauf liegen, die Pflege bedürftiger und alter Menschen in Deutschland zu stärken. Für die Attraktivität des Berufs sei entscheidend, ob junge Menschen erfahren, dass sie mit einem Beruf in der Pflege die für sie wichtigen Werte in der Praxis realisieren können. Dafür seien die Arbeitsbedingungen entscheidend. "Ich erwarte von der Politik ein klares Bekenntnis zu einer guten Pflege", betont der Vorstand. Der noch kurz vor der Wahl von Sozialverbänden und Gewerkschaften in einem "Brandbrief" an alle Spitzenpolitiker geforderte Pflegegipfel könne dazu ein Auftakt sein.

"Wenn es uns nicht gelingt, eine qualitativ hochwertige Pflege in Deutschland zu sichern, zu der motiviertes Fachpersonal gerne beiträgt, dann wertet das auch die Lebensleistung der bedürftigen Menschen ab und macht ihnen ein Leben in Würde unmöglich." Das, so Christian Heine-Göttelmann, dürfe nicht passieren.

Text: Franz Werfel, Redaktion: Sabine Damaschke, Fotos: Shutterstock und pixabay

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Die Erklärung "Vier Jahre Zeit, um Kinderarmut endgültig zu beseitigen" des "Ratschlags Kinderarmut" wurde von 61 Verbänden, Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche Organisationen sowie Einzelpersonen unterzeichnet. Die Diakonie RWL beteiligte sich über die Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege NRW an dem Aufruf. Das Bündnis "Ratschlag Kinderarmut" legte auf Initiative der Nationalen Armutskonferenz ihre erste Erklärung zur letzten Bundestagswahl 2017 vor, in der sie forderte: "Keine Ausreden mehr: Armut von Kindern und Jugendlichen endlich bekämpfen!“