21. Juni 2019

Diakonie RWL-Stand auf dem Kirchentag

Wohnen im Puppenhaus

Ein Haus, sieben Parteien, sieben Schicksale – Am Stand der Diakonie RWL zeigt ein Puppenhaus, warum das Thema Wohnen die neue soziale Frage unserer Zeit ist. Auf kleinstem Raum können Besucher entdecken, was es bedeutet, wenn bezahlbare Wohnungen fehlen. Unter einem Dach leben der wohlhabende Single, das gut verdienende Ehepaar, die Flüchtlingsfamilie und der Rollstuhlfahrer.

Die Oma sitzt mit dem Baby in der Ecke, ein Mädchen schaut aus dem Stockbett auf den Küchentisch, um den sich Opa, Vater, Mutter und der große Bruder versammelt haben. Die gesamte Flüchtlingsfamilie lebt in einem Zimmer. In den anderen Wohnungen des Puppenhauses ist nicht ganz so eng, aber Probleme gibt es dort auch.

Eine alleinerziehende Mutter wird beim Aufräumen des Kinderzimmers gezeigt, während der Sohn auf dem Bett herumtobt. Eine Pflegerin versorgt den Mann im Rollstuhl, die alte Dame hat gerade ihre Fernbedienung für den Fernsehapparat verloren und bückt sich verzweifelt danach. Und ganz unten in der Ecke neben dem Puppenhaus liegt ein Obdachloser in seinem fleckigen Schlafsack.

Grafikerin Beate Sonneborn vor dem Puppenhaus, das sie für die Diakonie RWL gestaltet hat.

Mit Puppen Geschichten erzählen

"Mit diesem Puppenhaus wollen wir Geschichten erzählen, die ins Herz gehen und nachdenklich machen", sagt Beate Sonneborn. Die Wuppertaler Grafikerin hat das Puppenhaus für den Kirchentagsstand der Diakonie RWL mit Liebe zum Detail gestaltet. Die Besucherinnen und Besucher sollen schließlich viel zu entdecken haben und über das Thema Wohnen miteinander ins Gespräch kommen.

Die erste Reaktion, so hofft Beate Sonneborn, wird ein "Ach wie schön" sein, denn Puppenhäuser wecken Kindheitserinnerungen. Doch bei genauem Hinschauen zeigt sich, dass Wohnen in Deutschland alles andere als fair ist. In den Großstädten sind die Mieten explodiert. Mieten und Nebenkosten umfassen bei vielen Menschen mit wenig Geld mittlerweile mehr als 40 Prozent des Haushaltseinkommens.

Portrait

Beim Stand der Diakonie RWL in Messehalle 6 sollen Besucher ihre Meinung zum Thema Wohnen aufschreiben. Kommunikationschef Reinhard van Spankeren will darüber mit ihnen ins Gespräch kommen.

Aktiv im "Bündnis Fairer Wohnraum"

Es fehlt bezahlbarer Wohnraum. Jährlich müssten rund 400.000 neue Wohnungen gebaut werden. Ein Großteil davon muss öffentlich gefördert werden, um faire Mieten anbieten zu können. Dafür setzt sich die Diakonie RWL im Bündnis Fairer Wohnraum ein. Gemeinsam mit kirchlichen und diakonischen vor Partnern nimmt sie vor allem die Menschen in den Blick, die sozial benachteiligt sind und kaum noch Chancen auf eine günstige Wohnung haben.

Es will innovative Ideen entwickeln, damit mehr bezahlbarer Wohnraum entsteht – etwa mit genossenschaftlichen und generationsübergreifenden Bauprojekten und neuen Wohnprojekten.

Portrait

Wenn es darum geht, fairen Wohnraum zu schafften, sieht Heike Moerland auch Diakonie und Kirche in der Pflicht.

Zeichen setzen beim Thema Wohnen

"Wir müssen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten engagieren, um Zeichen zu setzen", betont Heike Moerland, die als Leiterin des Geschäftsfeldes Soziale Hilfen bei der Diakonie RWL für das Thema Wohnen zuständig ist.

Auf dem Kirchentag bringt sie am Samstag eine Resolution zum Thema "Bezahlbarer Wohnraum für alle" ein. Am Stand der Diakonie RWL liegt sie auch für die Puppenhausliebhaber aus.

Text und Fotos: Sabine Damaschke; Video: Christoph Bürgener

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Diakonie auf dem Kirchentag

Unter dem Motto "Was für ein Vertrauen" präsentiert die Diakonie auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni ihre vielfältige soziale Arbeit. Unter Federführung der Diakonie RWL bringen über 30 Aussteller - Träger, Einrichtungen, Initiativen und Projekte – und rund 360 Mitwirkende zahlreiche diakonische Impulse und Initiativen ein. Eine Bildergalerie dazu gibt es auf unserer Kirchentagsseite.