Donnerstag, 13. Juli 2017

Den „Würde-Bewahrern“ ein Gesicht geben

Diakonie RWL startet Kampagne für Betreuungsvereine

Düsseldorf/Münster, 13. Juli. Rund 1,3 Millionen Menschen in Deutschland benötigen eine rechtliche Betreuung. Sie können ihr Leben nicht mehr alleine regeln. Die evangelischen Betreuungsvereine stehen ihnen zur Seite, schulen Ehrenamtliche und beraten Angehörige. Auf diese wichtige unterstützende Arbeit macht das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe jetzt mit seiner Kampagne „Würde-Bewahrer“ aufmerksam. Die 50 Vereine zwischen Bielefeld und Saarbrücken informieren auf einer eigenen Webseite und auf Plakaten, mit Flyern und in Veranstaltungen über ihr vielfältiges Betreuungs- und Beratungsangebot.

Ihr Ansprechpartner
Sabine Damaschke
Presse- und Medienarbeit, Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
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„Obwohl die evangelischen Betreuungsvereine eine lange Tradition haben, sind sie in der Öffentlichkeit wenig bekannt“, erklärt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. Dabei übernehmen die bundesweit rund 850 Betreuungsvereine mittlerweile immer mehr rechtliche Betreuungen. Nur noch 55 Prozent liegen in den Händen der eigenen Familie oder von Ehrenamtlichen. Letztere begleiten und beraten die Vereine ebenfalls.

„Die Zahl demenzkranker, behinderter oder psychisch erkrankter Menschen, die auf eine professionelle rechtliche Betreuung angewiesen sind, nimmt zu“, erläutert Heine-Göttelmann. „Die Mitarbeitenden in den Betreuungsvereinen bestimmen nicht einfach über ihren Kopf hinweg. Sie achten auf die Eigenständigkeit, Selbstbestimmung und Würde ihrer Klienten.“ Die Betreuer regeln deren finanziellen Angelegenheiten, helfen beim Umgang mit Behörden, kümmern sich um Versicherungen, Mieten, Renten, Heim- und Klinikaufenthalte.

„Es sind in der Regel die schwierigen Fälle, die bei den Betreuungsvereinen landen“, beobachtet Diakonie RWL-Expertin Waltraud Nagel. Fälle, für die nicht nur eine gute Kenntnis der Rechtslage erforderlich ist, sondern auch sozialpädagogische Kompetenz. „Jeder Betreuungsverein ist gut mit anderen sozialen Hilfen vernetzt. Unsere rund 300 Sozialarbeiter wissen, wie sie auch in schwierigen Situationen unterstützen und motivieren können.“

Um ihre vielfältige Arbeit auch zukünftig leisten zu können, fordern die Vereine schon lange eine angemessene Vergütung. Seit 12 Jahren erhalten die Betreuer von der Justiz die gleichen Stundensätze. Mit dem Ergebnis, dass der Großteil der Betreuungsvereine heute in massiven finanziellen Schwierigkeiten steckt. Zwar hat der Bundestag eine Erhöhung der Vergütung beschlossen, doch der Bundesrat will das Gesetz erst noch prüfen. Die Diakonie RWL fordert die Bundesländer dringend auf, der Anhebung der Vergütung möglichst bald zuzustimmen. Andernfalls bleibt die Existenz der Vereine bedroht. 

Mehr über die Kampagne „Würde-Bewahrer“ gibt es hier: www.wuerde-bewahrer.de und auf der Internetseite der Diakonie RWL: https://www.diakonie-rwl.de/themen/soziale-hilfen/kampagne-betreuungsver...