Montag, 3. Juni 2019

Albtraum Miete

Diakonie RWL warnt vor zunehmender Überschuldung durch steigende Mieten

Düsseldorf/Münster, 3. Juni. In den Schuldnerberatungsstellen des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe suchen immer mehr Menschen Rat und Hilfe, weil sie ihre Mieten nicht mehr zahlen können und keine neue preiswertere Wohnung finden. "Teilweise ist der Druck der Gläubiger so groß, dass Ratenzahlungen geleistet werden und für die Miete zu wenig Geld übrig bleibt", erklärt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann aus Anlass der Aktionswoche Schuldnerberatung, die an diesem Montag startet.

Ihr Ansprechpartner
Petra Köpping

Schuldner- und Insolvenzberatung

, Geschäftsfeld Berufliche und soziale Integration
Weitere Informationen

Sie steht diesmal unter dem Motto "Albtraum Miete" und stellt das Grundrecht auf bezahlbaren Wohnraum in den Mittelpunkt.

Eine neue Wohnung zu finden, ist für überschuldete Menschen fast unmöglich, da die meisten Vermieter eine Schufa-Auskunft verlangen. "Dabei sagt sie in der Regel nichts darüber, ob in der Vergangenheit Mietzahlungen regelmäßig erfolgt sind", so Heine-Göttelmann weiter. Ein niedriger Scorewert resultiere aus Zahlungsschwierigkeiten, die in ganz anderen Bereichen liegen könnten. Auch ein Insolvenzverfahren führe zu einer schlechteren Benotung, dabei unternehme der Mieter damit alles, um Zahlungsstörungen zu vermeiden. "Diese Stigmatisierung muss aufhören. Die Schufa-Auskunft gegenüber Vermietern sollte sich auf Miet- und ähnliche Schulden beschränken."

Auch den zunehmend unseriösen Geschäftspraktiken von Inkassounternehmen müsse dringend Einhalt geboten werden, fordert die Diakonie RWL. Viele der knapp sieben Millionen überschuldeten Menschen in Deutschland seien Opfer dieser Abzocke rund um offene Rechnungen und  Mahnungen geworden. "Wir hören immer wieder von Fällen, in denen sich Zahlungsrückstände innerhalb weniger Wochen verdoppeln und verdreifachen", berichtet Petra Köpping, zuständige Referentin für die rund 80 Schuldnerberatungsstellen, die die Diakonie RWL vertritt. "Wir begrüßen, dass das Bundesjustizministerium jetzt endlich einen Gesetzentwurf zur Änderung der inkassorechtlichen Vorschriften vorlegen will."

Viele überschuldete Menschen haben ein sehr niedriges oder kein Einkommen. Damit sie ihre Miete zahlen können, brauchen sie mehr finanzielle Hilfen. So sollte das Wohngeld dynamisch gestaltet sein und die Energie- und Heizkosten angemessen berücksichtigen. Für Hartz IV-Empfänger müssten die Kosten der Unterkunft an die realistischen ortsüblichen Vergleichsmieten angepasst werden. "Es gibt viele Stellschrauben, an denen Politik, Bau- und Wohnungswirtschaft drehen können, um Wohnen wieder bezahlbar zu machen und die zunehmende Überschuldung durch zu hohe Mieten zu stoppen", betont Heine-Göttelmann. "Die Aktionswoche fordert dazu auf, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und aktiv zu werden."

Hintergrund:

Die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung wird von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) veranstaltet. Bundesweit gibt es rund 1.400 soziale Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen, die jährlich knapp 700.000 Menschen Unterstützung anbieten. Unter dem Dach der Diakonie RWL arbeiten zwischen Bielefeld und Saarbrücken rund 80 Schuldnerberatungsstellen, die im vergangenen Jahr über 53.000 Menschen beraten haben.