Mittwoch, 28. Oktober 2020

Gute Beratung nicht aufs Spiel setzen

Diakonie RWL kritisiert Kürzungspläne der NRW-Regierung in der Flüchtlingsberatung

Düsseldorf, 28. Oktober 2020. Nach anhaltender Kritik von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und Flüchtlingsinitiativen an den neuen Förderrichtlinien des Landes NRW für die Flüchtlingsberatung fordert das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) die Landesregierung auf, diese zurückzunehmen. Die deutliche Absenkung der Förderung bei den Personalkosten ist heute auch Thema im Integrationsausschuss des Landtages. Sie gefährdet die bisherige unabhängige und qualitativ hochwertige Soziale Beratungsarbeit für Geflüchtete.

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"Erste diakonische und kirchliche Träger haben ihren Ausstieg aus der Asylverfahrens- sowie Psychosozialen Erstberatung und den Beschwerdestellen in den Landesunterkünften bereits beschlossen, sofern nicht eine andere unmittelbare finanzielle Unterstützung zeitnah und verbindlich zugesagt wird", warnt Diakonie RWL-Vorstand Thomas Oelkers. "Weitere Träger werden folgen, wenn die Landesregierung jetzt nicht gegensteuert."

Dringend notwendig: Berater mit hoher Expertise

Für viele der rund 150.000 Geflüchteten in NRW, über deren Bleibeperspektive noch entschieden werden müsse, sei das fatal, ergänzt Manfred Hoffmann, Migrations- und Flüchtlingsexperte der Diakonie RWL. "Diese Menschen, von denen etwa 40 Prozent als traumatisiert gelten, brauchen Fachleute mit Expertise, die sie bei ihren Asylanträgen beraten und auch psycho-sozial unterstützen." Das entlaste die Behörden und ebne den Weg zu einer gelingenden Integration.

Doch bei den neuen Fördervorgaben legt das Land das Gehalt von Berufseinsteigern zugrunde und entzieht der qualifizierten Beratungsarbeit damit die Grundlage. "Die örtlichen Träger der freien Wohlfahrt wissen nicht, wie sie die Gehälter ihrer erfahrenen Fachleute auf tariflicher Grundlage weiter finanzieren können", erklärt Oelkers.

Stellen künftig nur zu 80 Prozent finanziert

NRW-Flüchtlingsminister Joachim Stamp will die Regeln des Förderprogramms "Soziale Beratung von Geflüchteten" ändern. Bisher hat das Land 99 Prozent der tatsächlichen Personalkosten bei der Flüchtlingsberatung in Landesunterkünften refinanziert. Ab Januar 2021 bekommen die Wohlfahrtsverbände nur noch maximal 80 Prozent der Personalkosten erstattet. Betroffen sind insgesamt 134 Stellen: 81 in der Asylverfahrensberatung, 38 Beschwerdestellen (Teilzeit), 26 Stellen in der Psychosozialen Erstberatung und fast 30 in der Ausreise- und Perspektivberatung.

Die Diakonie RWL würde es begrüßen, wenn die Mitglieder des Integrationsausschusses nun ihre fachpolitische Expertise wirkungsvoll in den Diskurs mit der Landesregierung einbringen.

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der Diakonie RWL: www.diakonie-rwl.de/soziale-fluechtlingsberatung