Dienstag, 14. Februar 2023

Nicht auf dem Rücken von Patient*innen und Personal!

Diakonie und Caritas warnen vor Folgen der geplanten Krankenhausreform

Die prognostizierten Auswirkungen der geplanten Krankenhaus-Reform lösen bei den freigemeinnützigen Krankenhäusern von Diakonie und Caritas große Sorge aus. "Wir rechnen mit ernsten und unliebsamen Folgen nicht nur für die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten", sagt Esther van Bebber, Vorstandsvorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes Paderborn in der Caritas in NRW. "Die Reform darf nicht die Trägervielfalt gefährden", fordert Christian Heine-Göttelmann, Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe e.V. – Diakonie RWL.

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Axel Bremecke
Geschäftsfeld Krankenhaus und Gesundheit
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Krankenhaus und Gesundheit

Nach den Plänen der von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach beauftragten Regierungskommission sollen deutsche Kliniken in fünf verschiedene Stufen eingeteilt werden: Diese Stufen entscheiden künftig über die Finanzierung der Kliniken und darüber, welche Leistungen sie erbringen dürfen.

Weite Wege für Patient*innen

Mehr als 90 Prozent der rund 200 konfessionellen Krankenhäuser in NRW landen demnach in den untersten beiden Stufen. "Diese Kliniken dürften dann zukünftig nur noch eine Basisbehandlung und vielleicht eine Notfallversorgung erbringen – aber keine Geburten, keine Schlaganfallversorgung, keine Versorgung von Herzinfarktpatienten und keine Unfallchirurgie", sagt Heine-Göttelmann. Für diese Behandlungen müssten die Patient*innen dann teilweise deutlich weitere Wege auf sich nehmen. "Dabei sichern die konfessionellen Krankenhäuser seit Jahrzehnten die flächendeckende Gesundheitsversorgung in NRW", betont Esther van Bebber. "Die Pläne aus Berlin gefährden diese massiv, wenn sie eins zu eins umgesetzt werden", unterstreicht die Caritas-Chefin.

Weniger Ausbildung in der Pflege

Auch die Pflegeausbildung finde dann an den freigemeinnützigen Häuser kaum noch statt – ein herber Rückschlag für die Menschen im ländlichen Raum. Die Reduzierung von Ausbildungsangeboten habe Auswirkungen auf die ambulante und stationäre Altenpflege und konterkariere die erst vor wenigen Jahren eingeführte generalistische Pflegeausbildung. "Solche Pläne sind ein Hohn für Träger, die in den letzten Jahren verstärkt in Ausbildung investiert haben", kritisiert van Bebber.

Viele konfessionelle Krankenhäuser hätten sich in der Vergangenheit zu Verbünden zusammengeschlossen, um die Bevölkerung in der Fläche bedarfsgerecht zu versorgen. Solche Verbundstrukturen dürften nicht zerschlagen werden, warnt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. "Wenn bundesweit mehr als 600 Klinikstandorte schließen, reduziert die Reform die Trägervielfalt, verknappt die Ausbildungsmöglichkeiten, lenkt Patientenströme massiv um und zwingt Pflegepersonal, längere Strecken zu pendeln." Die Krankenhausreform dürfe nicht auf dem Rücken von Patient*innen und Personal durchgesetzt werden.

NRW-Krankenhausplan als Maßstab für Reformen

Caritas in NRW und Diakonie RWL fordern gemeinsam, den aktuellen Krankenhausplan des Landes NRW als Reformmaßstab zu nehmen und den Gestaltungsspielraum des Landes in der Krankenhausplanung zu stärken. Die Umsetzung des Krankenhausplanes wird gerade angegangen und absehbar zu erheblichen Konzentrationen führen, die auch zusätzliche Finanzmittel für Investitionen erfordern.