1. September 2020

Mikrobiologisches Labor Bethel

Testen gegen das Virus

Corona-Tests geben uns Sicherheit. Die hohe Testaktivität in Deutschland schützt uns, sagt Christiane Scherer vom mikrobiologischen Labor des Evangelischen Klinikums Bethel. Von Massentests rät sie dennoch ab. Stattdessen müsse gezielter getestet werden. Mit ihrem Team analysiert die Ärztin seit Mai täglich rund 300 Covid 19-Proben. 

  • Eine Frau sitzt vor Reagenzgläsern mit Laborproben (Foto: Mario Haase, EvKB)

Am Flughafen wird auf das Corona-Virus getestet, an Bahnhöfen und in Drive-In-Stationen. All diese Tests landen in Laboren, wo sie unter Zeitdruck analysiert werden. In einem Krankenhaus gehört die Laborarbeit längst zum Alltag.  Hier sei sie der Schlüssel, um Menschen zu schützen und zu heilen, beschreibt Christiane Scherer, organisatorische Leitung vom mikrobiologischen Labor des Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) in Bielefeld.

Dr. Christiane Scherer  leitet das mikrobiologische Labor im Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld. (Foto: Bethel)

Dr. Christiane Scherer  leitet das mikrobiologische Labor im Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld.

Täglich hunderte Proben

Seit der Lockerung der Kontaktbeschränkungen werden alle neuen Patienten in Bethel auf Covid-19 getestet. Sei es aus dem EvKB, dem Krankenhaus Mara, dem Betriebsarztzentrum oder aus Ambulanzen und Tageskliniken, die ans Krankenhaus angeschlossen sind. Auch die Mitarbeiternden werden getestet, wenn sie Kontakt zu Covid-19-Patienten hatten. 

Insgesamt sind das seit Mai täglich etwa 300 Proben, die Scherer und ihr 15-köpfiges Laborteam auf das Corona-Virus analysieren. Hinzu kommen die regulären Proben, etwa 600 Stück, von Patienten, die das Laborteam auf Infektionserreger wie Influenza-, Noroviren, aber auch multiresistente bakterielle Erreger untersucht. In den ersten Juliwochen stiegen die Corona-Testungen dann auf  täglich 600 an, da wegen des Covid19-Ausbruch im Schlachthof Tönnies auch noch alle Proben von Mitarbeitenden aus dem Krankenhaus, die im Kreis Gütersloh wohnen, dazukamen.

Im Schnitt sind fünf Personen mit einem Test beschäftigt, bis feststeht, ob jemand das Virus in sich trägt oder nicht. Angefangen bei der Indikation (dem Urteil im Einzelfall), dem Abstrich nehmen, dem Transport der Proben, der Labor-Annahme und der Aufbereitung – hinzukommt das Personal für die Hygieneschulungen aller Involvierten und das Rechnungswesen, erzählt die Laborleiterin. Jeder positive Fall wird dem Gesundheitsamt gemeldet. Am EvKB gehen alle Befunde – positive wie negative – elektronisch ans Robert-Koch-Institut (RKI) und werden in der statistischen Datenerfassung für Deutschland berücksichtigt. 

Eine App soll die Labor-Kommunikation vereinfachen.

Eine App soll die Kommunikation des mikrobiologischen Labors beschleunigen und vereinfachen.

Digitalisierung der Labor-Kommunikation

Nicht nur in der Gesellschaft sorgen die Maßnahmen in der Corona-Pandemie für eine Digitalisierung. Auch in der Laborarbeit vom EvKB und zwar an drei Stellen: In der Anordnung der Corona-Tests innerhalb des Hauses, der Übermittlung der Daten an das Gesundheitsamt und in der Mitteilung der Laborergebnisse in Zusammenhang mit Nachfragen von Mitarbeitern. 

Größtenteils sind die Krankenhaus-Stationen per elektronischer Patientenakte an das Labor angeschlossen. Aber nicht alle: "Wir sind dabei, Einsender vom Haus, die bislang nicht elektronisch Tests anfordern, sondern per Papier, an die elektronische Auftragserfassung anzubinden." Daneben soll auch die externe Übermittlung der Ergebnisse digital erweitert werden. Bisher werden ausschließlich die positiven Corona-Ergebnisse an das Gesundheitsamt per Fax geschickt. Zukünftig sollen alle Ergebnisse – positive wie negative – rein digital übermittelt werden. 

Die Kommunikation der Coronabefunde stellt das Labor vor eine große Herausforderung, betont Scherer, da es zum Teil viele telefonische Nachfragen zum Bearbeitungsstand und Ergebnis von Testungen gibt, so dass die Labormitarbeiter sie nicht mehr bewältigen können. Hilfreich und schneller wäre hier eine digitale Unterstützung."Ideal wäre es, wenn eine App die Laborergebnisse innerhalb des Krankenhauses übermittelt und Nachfragen hier rüber möglich wären. Und genau daran arbeiten wir aktuell."

Eine Laborantin mit Schutzmaske sortiert die Covid 19-Proben. (Foto: Bethel)

Die Kontaktkettenverfolgung und Kennzeichnungen sind die stärksten Instrumente gegen eine mögliche Ausbreitung des Corona-Virus im Krankenhaus.

Auf die Kontaktkettenverfolgung kommt es an

Neben der Digitalisierung der Labor-Kommunikation sei das wichtigste Instrument gegen die Ausbreitung eines Virus im Krankenhaus die "Kontaktkettenverfolgung", sagt Scherer. Wenn jemand positiv auf das Corona-Virus getestet wurde,  wird die Person isoliert und nachvollzogen, wer mit ihr in Kontakt kam. "Wir kontrollieren auch, ob der Infizierte innerhalb des Krankenhauses verlegt wurde. Und mit wem er oder sie zwei Tage vor den ersten Symptomen Kontakt hatte."

Patienten, die auf Station bleiben, erhalten eine Kontaktkennzeichnung in  ihrer elektronischen  Akte. Diese sagt allen Mitarbeitenden, unter welchen Hygienemaßnahmen sie sich dieser Person nähern dürfen. Zudem wird ermittelt, ob zu wem enger pflegerischer Kontakt besteht, beschreibt Scherer. Diese Kontaktlisten werden an das Gesundheitsamt weitergeleitet. 

Die akribische Nachverfolgung ist aufwendig, aber das beste zentrale Mittel, um eine Ausbreitung zu vermeiden, ist die Leiterin überzeugt. "Am Anfang der Pandemie wurden in Norditalien die Infektionsketten zu spät erkannt. Das Virus kam in die Krankenhäuser, breitete sich aus und hat eine sensible Gruppe getroffen. Das führte unter anderem zu einer hohen Zahl von Covid-19-Patienten."

Testung auf Covid 19 in einem Labor des Evangelischen Klinikums Bethel (Foto: Bethel)

Christiane Scherer rechnet nicht mit einer zweiten Corona-Welle, aber mit Corona-Hotspots wie im Fall Tönnies.

Der kommende Herbst wird anders

Dieser Herbst mit der Pandemie werde nicht so laufen wie der letzte, glaubt Scherer. "Mitarbeitende werden vermehrt zuhause bleiben und Schüler weniger zur Schule kommen. Viele Leute sind verunsichert. Sie werden sich im Herbst fragen, ob es eine Grippe oder doch Covid-19 ist." 

Die Krankenhaushygienikerin rechnet nicht mit einer zweiten Corona-Welle, aber mit einem vermehrten Infektionsgeschehen durch Hotspots wie im Tönnies-Fall. "Dies hängt auch davon ab, ob die Menschen die Infektionsmaßnahmen akzeptieren und befolgen. Immerhin fallen langfristig Großevents aus, was zu Protesteten in der Bevölkerung führen könnte. "Diese Auswirkungen kann man nicht absehen." 

"Wichtig ist, dass es nicht zu "Superspreading" kommt", betont die Oberärztin. Also zu Ereignissen, bei denen ein Mensch ganz viele andere ansteckt. 

Text: Christoph Bürgener, epd. Fotos: Mario Haase vom Evangelischen Klinikum Bethel

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NRW-Landtag streitet über Testkurs: Die Opposition aus SPD und Grüne sprechen von einem "Testchaos", weil die Gesundheitsämter unterschiedliche Maßnahmen ergreifen würden. Sie fordern eine landesweite Strategie und flächendeckende Tests. Der Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) betonte hingegen, dass es aktuell 280.000 Tests pro Woche gäbe, im Vergleich zu 80.000 vor den Sommerferien. Damit sei die "Testgrenze" in Bezug auf Material, Personal und Verarbeitung der Daten erreicht. Die Situation in NRW sei "nicht sorglos, aber beherrschbar". Nur 4.030 Personen von 18 Millionen Menschen in NRW seien aktuell infiziert. Ein Infizierter stecke statistisch weniger als eine weitere Person an. 

Labor-Analyse: Die Proben im mikrobiologischen Labor des EvKB werden mit Hilfe der PCR-Methode analyisert. Näheres dazu findet sich im hauseigenen Magazin "Der Ring", August-Ausgabe, Seite 14-15.