Dienstag, 3. November 2020

Abhängigkeit verhindern, Suchtberatung stärken

Diakonie RWL sieht steigenden Bedarf an Hilfen in Corona-Pandemie

Düsseldorf, 3. November 2020. Die erneuten starken Kontaktbeschränkungen in der Corona-Pandemie könnten wie im Frühjahr wieder zu steigendem Alkoholkonsum und -missbrauch führen. "Umso wichtiger ist jetzt eine gute Beratung, die Menschen mit Suchtproblemen und ihren Angehörigen hilft, mit den sozialen Einschränkungen umzugehen", sagt Thomas Oelkers, Vorstand des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) aus Anlass des bundesweiten Aktionstages Suchtberatung am 4. November.

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Knapp die Hälfte der über 170 Sucht- und Drogenberatungsstellen in Nordrhein-Westfalen werden von der Diakonie getragen. Insgesamt finden dort über 80.000 Betreuungen im Jahr statt. Während der Corona-Pandemie ist der Bedarf an Beratung gestiegen. "Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, aber viele Stellen berichten uns, dass sie mindestens zehn Prozent mehr Anfragen haben", so Oelkers.

Mit Alkohol gegen den Corona-Blues

Laut einer Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim ist der Alkoholkonsum seit Beginn der Corona-Pandemie bei rund einem Drittel der Erwachsenen gestiegen. Besonders während des Lockdowns im März wurde mehr Alkohol konsumiert. Er schwächt das Immunsystem und macht anfälliger für Krankheiten, auch für das Coronavirus.

"Unsere Berater berichten uns von immer mehr Menschen, die ein gefährliches Trinkverhalten entwickeln. Die lange Zeit der Krise mit all ihren Einschränkungen an sozialen Kontakten, die Sorge um Gesundheit und Job führt zu tiefer Verunsicherung und familiären Konflikten und begünstigt den Griff zur Flasche", berichtet Oelkers.

Mehr Suchtberatung, weniger Fachkräfte

Die Beratungsstellen helfen den Menschen dabei, einen Weg aus der Sucht zu finden. Doch ein einheitliches und flächendeckendes Angebot fehlt in NRW schon seit Jahren, wie eine Strukturanalyse des Landes bestätigt. In längst nicht allen Städten und Kreisen steht entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen mindestens eine Fachkraft pro 10.000 Einwohnern zur Verfügung.

Der Grund: die Förderung der Beratungsstellen ist eine freiwillige Leistung der Kommunen. Viele leiden unter finanziellen Engpässen, die sich in der Corona-Pandemie noch verschärft haben. "Wir wünschen uns, dass das Land sich hier stärker einbringt, damit die Suchtberatung zukunftssicher gemacht wird. Gerade jetzt ist sie systemrelevant", betont der Diakonie RWL-Vorstand.

Zum Aktionstag Suchtberatung:

Unter dem Motto "Kommunal wertvoll" hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen erstmals zu dem bundesweiten Aktionstag am 4. November aufgerufen. Er soll auf die Dringlichkeit der Weiterfinanzierung und die Zukunftssicherung der deutschlandweit 1.500 ambulanten Suchtberatungsstellen aufmerksam machen. Der Aktionstag steht unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung.

Wie hilft die ambulante Suchtberatung? Mehr dazu in unserer Reportage.