3. Juli 2018

Reform des Kinderbildungsgesetzes NRW

Einschätzungen aus evangelischer Sicht

Die NRW-Landesregierung hat jetzt die schon lange geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes für das Kindergartenjahr 2020/21 angekündigt. Die Qualität der Kindertagesbetreuung soll grundlegend verbessert werden. Dazu gehören mehr Personal, flexible Öffnungszeiten und Sprachtests bei Kindern ab vier Jahren. Das Finanzierungssystem soll nachgebessert werden, damit alle Kita-Träger verlässlich planen können. Einschätzungen hierzu von Sabine Prott, Kita-Expertin der Diakonie RWL.

Kita-Expertin Sabine Prott

Was plant Minister Stamp für die Kitas in NRW?

Es soll in den Kitas in NRW mit der Reform des Kinderbildungsgesetzes mehr Personal, bessere Personalschlüssel und flexiblere Öffnungszeiten geben, insbesondere in Randzeiten. So sollen die Qualität in den Kitas verbessert werden und für berufstätige Eltern mehr und bedarfsgerechte Angebote entstehen. Und Joachim Stamp hat uns zugesagt, dass es dafür kurz- und langfristig ausreichend Geld geben wird. Angekündigt wurde eine dauerhaft solide Finanzierung des Kita-Systems. Wir begrüßen das. Allerdings kennen wir noch keine Einzelheiten. Ein erster Gesetzentwurf soll Anfang 2019 vorliegen. 

Wie will Stamp den chronisch unterfinanzierten Kitas helfen?

Die Landesregierung hat den Kitas bereits mit 500 Millionen Euro unter die Arme gegriffen. Die Finanzierung aus dem sogenannten „Rettungspaket“ endet mit dem Kindergartenjahr 2018/2019. Minister Stamp hat gestern eine solche Brückenfinanzierung auch für das Kindergartenjahr 2019/20 bei einem Werkstattgespräch im Landtag mit Kita-Experten und Erzieherinnen angekündigt. Die Landesregierung hat sich allerdings noch nicht dazu geäußert, wie viel Geld die Kitas in diesem Überbrückungsjahr kurzfristig  bekommen werden.

Für die Kitas in NRW soll mit der Reform des Kinderbildungsgesetzes ein neues und vor allem kostendeckendes Finanzierungssystem entstehen. Wie sieht das aus?

Die Kitas leiden unter den Kindpauschalen, mit denen die tatsächlichen Kosten in der Kita nicht zu finanzieren sind. Dieses pauschalierte Finanzierungssystem soll nachgebessert werden, unter Mitwirkung aller Beteiligten. Zwar möchte der NRW-Familienminister an den Pauschalen festhalten, aber er verspricht, dass zukünftige Pauschalen die Personal- und Sachkosten sowie Kosten für fachliche Beratung auch wirklich abdecken. Sie sollen eine verlässliche und transparente Planungsgrundlage sein. 

Könnten die evangelischen Kitas damit leben?

Die evangelischen Kitas haben sich für eine Finanzierung der realen Personalkosten plus Sachkostenpauschale ausgesprochen. Wenn es bei einem pauschalierten Finanzierungssystem bleiben sollte, ist für uns auch eine Basisfinanzierung denkbar, wenn dabei die unterschiedlichen Kostenstrukturen von Trägern und Einrichtungen berücksichtigt werden. Weitere Angebote für berufstätige Eltern begrüßen wir. Flexiblere Öffnungszeiten auch an Randzeiten bieten wir bereits an. Wenn hier die Personalausstattung stimmt und gute pädagogische Konzepte finanziert werden, können die Öffnungszeiten in den Kitas noch weiter ausgebaut werden. Da nehmen wir die Wünsche der Eltern ernst und haben aber auch das Wohl der Kinder im Blick. Besonders freuen wir uns über den von NRW-Minister Stamp angekündigten Bürokratieabbau. Das entlastet die Kita-Leitungen und es bleibt mehr Zeit für die pädagogische Arbeit mit den Kindern.

Die neue Landesregierung möchte wieder die sprachliche Entwicklung von Kindern in der Kita messen. Es soll etwas „Besseres“ als der alte Delfin 4-Test sein. Wie stehen Sie dazu?

Sprach-Tests sehen wir eher skeptisch. Sprache muss im Alltag kindgerecht gelernt werden. Wir setzen deshalb auf das Konzept der alltagsintegrierten Sprachförderung. Tests bei Kindern bringen nicht viel. Das ist unsere Erfahrung. Die Erzieherinnen haben einen guten Blick, wo Kinder noch Sprach-Defizite haben und fördern sie entsprechend. Allerdings ist auch hier eine auskömmliche Personalausstattung erforderlich.

Gibt es überhaupt ausreichend Fachkräfte für das, was geplant ist?

Wir müssen die Attraktivität des Erzieher-Berufes steigern. Junge Leute, die Lust haben Erzieher oder Erzieherin zu werden, brauchen wir dringend. Evangelische Träger bilden gerne aus. Das ist das gut ausgebildete Personal der Zukunft. Dafür muss es in Kitas eine Ausbildungspauschale geben. Denn Ausbildung kostet Zeit und Geld. 

Das Gespräch führte Sabine Portmann.

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