18. Oktober 2017

Kita-Finanzierung

Träger brauchen Planungssicherheit

Die neue Landesregierung hat mit dem Kita-Rettungspaket 500 Millionen Euro für zwei Jahre zur Verfügung gestellt. Damit können die aktuell größten Löcher in den chronisch unterfinanzierten Kindertagesstätten gestopft werden. In Zukunft braucht es aber eine dauerhafte auskömmliche Finanzierung. Die Diakonie RWL mahnt eine grundsätzliche Reform an. Wie die aussehen sollte, erklärt Kita-Expertin Sabine Prott.

Kita-Expertin Sabine Prott

Die Wut vor Ort in den Kindergärten war groß vor der Landtagswahl. Hat der Geldsegen die Gemüter beruhigt?

Das Geld ist bitter nötig, denn einige Einrichtungen sind finanziell am Anschlag. Eltern und Erzieherinnen werten das Geld als ein Zeichen, dass die Politik die Problematik ernst nimmt. Die 500 Millionen Euro werden im aktuellen Kindergartenjahr ausgezahlt und können noch im kommenden Kindergartenjahr verwendet werden. Wir begrüßen, dass es ein unbürokratisches und schnelles Verfahren ist. Je nach Gruppenform und Betreuungszeit erhalten die Kitas die pauschalierten Zuschüsse. Das mildert die aktuelle Finanznot ab. Natürlich ist man deshalb vor Ort erleichtert. Aber wir brauchen in Zukunft eine langfristige auskömmliche Finanzierung. Die Landesregierung will nun zeitnah in Gespräche über eine neue Finanzierungssystematik einsteigen. Das begrüßen wir.

Sie fordern ein neues Finanzierungssystem, damit die Träger Planungssicherheit haben. Wie sollte das aussehen?

Wir brauchen ein grundsätzlich neues Modell der Finanzierung, das alle Leistungen der frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung in den Kitas abdeckt. Dazu gehören Aufwendungen für Verwaltung, Fachberatung und Fortbildung. Außerdem brauchen wir einen Bürokratieabbau. Die Leitungen verbringen viel zu viel Zeit mit Verwaltungsaufgaben, um Geld für verschiedene Sonderförderungen zu beantragen. Diese Zeit sollte besser in die Kinder investiert werden.

Wer kleine Kinder in der Kita fördert, muss gut ausgebildet sein.
Foto: pixelio / Rainer Sturm

Viele Kitas sind personell unterbesetzt. Wenn nicht gegengesteuert wird, fehlen im Jahr 2025 sogar knapp 330.000 Betreuungskräfte. Woran liegt das?

Die Nachfrage nach Plätzen ist stark gestiegen, und es gibt das Recht auf einen Kitaplatz. Die Betreuungszeiten werden immer länger, die Kinder immer jünger und die ethnische Vielfalt wird immer bunter. Hinzu kommt die Inklusion. Das alles erfordert natürlich mehr Personal. Fachkräfte sind schon heute rar und werden es auch in Zukunft sein. Wenn wir Erzieherinnen und Erzieher gewinnen und motivieren wollen, langfristig in einer evangelischen Kita zu arbeiten, müssen wir sie qualifizieren und gut bezahlen. Neue Finanzierungsmodelle sollten daher die Personal- und Altersstruktur sowie Tariferhöhungen berücksichtigen. Die Personalkosten machen meistens über 80 Prozent des Gesamthaushaltes einer Kita aus.

Was ist Ihnen bei der Aus- und Fortbildung von Erzieherinnen und Erziehern wichtig?

Qualität in Kitas gibt es nur über gut ausgebildetes Personal. Die Elementarpädagogik ist eine eigene pädagogische Fachrichtung. Erzieherinnen sind besonders geschult für die Förderung kleiner Kinder. Wir warnen vor Crash-Kursen oder anderen Schnell-Schüssen. Nicht jeder kann einfach mal so in der Kindertagesstätte eingesetzt werden. Dafür braucht es eine qualifizierte Ausbildung. Damit Träger künftig Ausbildungsplätze in ihren Einrichtungen anbieten können, braucht es eine entsprechende Ausbildungspauschale. Das sollte im Gesetz aufgenommen werden.

Für Kinder ist die Kita auch ein Zuhause.
Foto: pixelio/ Franz Mairinger

Viele Eltern wünschen sich mehr flexible Öffnungszeiten. Welche Möglichkeiten sehen Sie hier, diese auszubauen?

Fehlende Kinderbetreuung ist ein Grund, warum viele Mütter und Väter, insbesondere Alleinerziehende, keinen Job bekommen. Wir können uns vorstellen, Öffnungszeiten noch weiter zu flexibilisieren und auch zu erweitern, zum Beispiel durch die Kooperation mit Tagesmüttern. Zum Teil passiert das auch schon. Aber wir brauchen dafür neue pädagogische Konzepte, die die besonderen Bedarfe der Kinder unterschiedlichen Alters berücksichtigen. Es darf kein reines Betreuungsmodell sein, wo Kinder zu jeder Zeit abgegeben und wieder abgeholt werden. Für Kinder ist die Kita auch ein Zuhause. Wir müssen klären, was  Eltern wirklich brauchen und was Kindern gut tut. Und klar ist, zum Nulltarif wird es das auch nicht geben.

Das Gespräch führte Sabine Portmann.

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