25. März 2021

Impfungen in Kitas

Die Sorge vor der dritten Welle

Erzieherinnen und Erzieher aus Kitas und der Kindertagespflege werden seit dem 8. März in NRW geimpft. Letzte Woche kam der Paukenschlag: der kurzfristige Impfstopp von AstraZeneca. Für die Beschäftigten ist die Impfung neben der Testung aber weiterhin wichtigstes Mittel, um den Kitabetrieb aufrechtzuerhalten. Das meint Sabine Prott, Kita-Geschäftsfeldleiterin der Diakonie RWL, in unserer Reihe #Ärmelhoch.  

  • Sabine Prott, Geschäftsfeldleitung Tageseinrichtungen für Kinder

Bund und Länder haben letzte Woche die Impfungen mit AstraZeneca kurzfristig ausgesetzt. In den 1700 evangelischen Kitas in NRW im Zuständigkeitsbereich der Diakonie RWL arbeiten etwa 20.000 pädagogische Kräfte. Wie haben die das aufgenommen?

Die Aussetzung des Impfstoffs AstraZeneca hat in den Kitas für große Unsicherheit gesorgt, aber die Impfbereitschaft ist weiterhin hoch. Die meisten Beschäftigten waren sehr froh und dankbar über den vorgezogenen Impfstart Anfang März. Glücklicherweise hat die Europäische Arzneimittelagentur nun die Sicherheit und Effektivität des Impfstoffs bestätigt, so dass die Impfungen wieder angelaufen sind. 

Die Beschäftigten sind froh, dass die Impfungen weitergehen – und ich bin es auch, denn das RKI weist darauf hin, dass es in der dritten Welle auch unter den Kita-Kindern vermehrt zu Corona-Infektionen kommt. Will man die Kitas und Schulen offenhalten, dann ist eine Impfung eine wesentliche Voraussetzung. Wir haben es daher sehr begrüßt, dass das Kita-Personal in der Priorisierung von drei nach zwei vorgerückt ist. 

Die Kita-Kinder müssen schon seit einem Jahr mit Einschränkungen in den Kitas leben. Foto: shutterstock

Wie geht es den Beschäftigten, den Eltern und Kindern seit der Öffnung der Kitas? 

In NRW waren die Kitas zu keinem Zeitpunkt komplett geschlossen. Aber viele Eltern sind dem Appell des Familienministers gefolgt und haben ihre Kinder zuhause betreut. Für die Kinder ist es ein großer Gewinn, wieder in die Kita gehen zu dürfen. Sie haben nun ein ganzes Jahr erlebt, das anders war: Ein Jahr, indem sie sich über Wochen und Monate nicht frei in der Kita bewegen und mit Freunden austauschen konnten. Sie erleben die Kita in der Pandemie als einen Ort mit viel mehr Einschränkungen und Reglementierung. Die für die frühkindliche Entwicklung so wichtigen Freiräume und Möglichkeiten der Mitgestaltung müssen leider sehr reduziert werden. Wir machen uns auch Gedanken, wie sich diese Erfahrungen auf die kindliche Entwicklung auswirken werden. 

Die meisten Eltern sind froh, dass ihre Kinder wieder in die Kita gehen können, trotz der verminderten Betreuungszeit von zehn Stunden. Für Eltern mit einem Ganztagsplatz ist es weiterhin eine Herausforderung, Beruf und Familie zu stemmen. Zugleich ist es für sie ein Spagat zwischen der sozialen Entwicklung ihres Kindes und der Sorge um eine mögliche Infektion. Manche bringen ihr Kind daher noch immer nicht in die Kita, weil sie Angst haben, dass es sich anstecken könnte. 

Die Mitarbeitenden wollen für die Kinder da sein. Sie wollen den Kindern ein gutes Angebot bieten – auch wenn dies unter den notwendigen Corona-Maßnahmen erschwert wird. 

Steigen die Infektionszahlen deutlich, wird es vermutlich wieder zu stärkeren Einschränkungen im Betrieb kommen. Foto: pixabay

Wie sieht die Zukunft aus: Können die Kitas offengehalten werden? 

Fest steht: Familien und Beschäftige der Kitas sind teilweise am Rande der Belastbarkeit angekommen. Viele sind von den stetigen Neuregelungen erschöpft und in Sorge um eine mögliche Infektion mit dem Virus. Die Beschäftigten machen sich zusätzlich Gedanken, dass sie nicht die Verbindung zu allen Kindern und Familien während deren Abwesenheit verlieren. 

Aktuell dürfen alle Kinder zwar kommen, aber sie müssen in getrennten Gruppen verbleiben. Dadurch ist die Kontaktketten-Verfolgung von Infektionen besser nachzuvollziehen. Weiterhin gibt es die Alltagshelfer, die das Kita-Personal bei der Einhaltung der Hygienemaßnahmen unterstützen. Und Ende April sollen voraussichtlich die Erst-Impfungen für das Kita-Personal abgeschlossen sein, sofern dieses Ziel nach der Impfaussetzung noch erreicht werden kann. 

Steigen aber die Infektionszahlen deutlich an, dann ist abzuwägen, wann man die Angebote der Kitas wieder reduziert oder diese gar schließt. Derzeit können sich die Beschäftigten zweimal in der Woche kostenlos testen lassen. Zertifizierte Selbsttests könnten gegebenenfalls helfen, noch mehr Sicherheit zu haben. Es wäre daher sehr zu begrüßen, wenn Selbsttests für die Kitas in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen würden. 

Das Interview führte Christoph Bürgener. Fotos: Ev. Kita Finefrau (Bochum), Ev. Familienzentrum Dreifaltigkeit (Herne), shutterstock, pixabay

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