25. Januar 2019

Familienbildung

"Väter wollen Erziehung mitgestalten"

Die Zeiten, in denen sich Männer vorrangig als "Familienernährer" definierten, sind vorbei. Viele wollen aktive Väter sein. Doch wie kann das gelingen? Anregungen bieten die Vater-Kind-Angebote der evangelischen Kitas in der Diakonie RWL. Dafür werden immer wieder Trainer gesucht. Am Wochenende beginnt eine neue Fortbildungsreihe, die Jürgen Haas von der Männerarbeit der westfälischen Kirche leitet. Ein Gespräch über "neue Väter", Rollenkonflikte und kreative Wochenenden ganz in Männerhänden.

Portrait

Erfahrener Trainer für Vater-Kind-Angebote: Jürgen Haas von der Männerarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen (Foto: Julia Haas)

Seit Jahren ist die Rede von den "neuen Vätern", die ganz anders sind als ihre Großväter, die Elternzeit nehmen und sich für Erziehung, Wickeltisch und Waschmaschine zuständig fühlen. Sind da Vater-Kind-Gruppen überhaupt noch nötig?

Seit über zwanzig Jahren organisiere und leite ich Vater-Kind-Seminare. Tatsächlich hat sich in dieser Zeit viel verändert. Männer wollen heute eine wichtige Bezugsperson im alltäglichen Leben ihrer Kinder sein. Die Rolle des "Wochenend-Papas" reicht den meisten nicht. Rund 80 Prozent wünschen sich mehr Zeit für ihre Kinder. Rund ein Viertel will laut NRW- Familienbericht dafür sogar die Arbeitszeit reduzieren. Letztlich machen es aber nur wenige Väter. Die Angst vor Einkommensverlusten und beruflichen Nachteilen hält sie davon ab. Insofern geht es in unseren Vater-Kind-Wochenenden mehr denn je darum, wie die Vaterrolle unter diesen Rahmenbedingungen aktiv gelebt werden kann.

Was erwarten Väter von diesen Seminaren?

In erster Linie geht es ihnen darum, eine gute und intensive Zeit mit den eigenen Kindern zu erleben. Doch auch der Austausch mit anderen Vätern ist für viele interessant, denn das kommt im Alltag häufig zu kurz. An den Wochenenden geht es darum, gemeinsam kreativ zu sein, zu spielen, zu singen und sich selbst, aber auch die eigenen Kinder dabei anders und neu zu erleben. Es werden Ideen ausgetauscht, wie gemeinsame Zeit gestaltet werden kann. Für manche Väter ist es auch neu, alleine verantwortlich für die Kinder zu sein und selbst Erziehungsentscheidungen zu treffen.

Wie wichtig sind die Mütter in diesem Kontext?

Ich erlebe es immer wieder, dass sie die Väter und Kinder zu den Wochenenden anmelden. Manche Mütter geben ihren Partnern auch genaue Anweisungen, was die Kinder, die meistens im Alter zwischen drei und 10 Jahren sind, essen, trinken und anziehen sollen. Wir ermutigen die Väter selbst zu entscheiden, was sie erlauben wollen. Bei der Kleiderordnung zum Beispiel sind sie meist großzügiger. Die Kinder genießen das und ziehen sich oft richtig bunt an. Für ihre Entwicklung ist es enorm wichtig, dass Väter Zugang zu ihren Kindern finden und ihnen damit andere, neue Horizonte eröffnen.

Vater mit Sohn auf dem Arm

Väter sollen ihren Kindern neue Horizonte eröffnen, meint Jürgen Haas. Das Bild stammt von einem Fotowettbewerb der Männerarbeit der westfälischen Kirche. Ein Vater hat es unter dem Titel "Weitblick" eingereicht.

Nach den Seminaren erzählen mir Teilnehmer häufiger, dass ihre Kinder ungeduldig danach fragen, wann sie von der Arbeit nach Hause kommen. Darauf sind die Väter stolz. Es motiviert sie, Wege zu finden, wie sie im Alltag mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen können. Manche organisieren ihre Arbeit jetzt so, dass Sitzungen nicht per se bis in den Abend dauern.

Am Sonntag beginnt eine neue Ausbildung zum Trainer von Vater-Kind-Angeboten in sieben Modulen mit 120 Unterrichtseinheiten. Warum hat die Männerarbeit der westfälischen und rheinischen Kirche gemeinsam mit der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe auf Grundlage der Evangelischen Familienbildung eine so umfangreiche Fortbildung konzipiert?

Für diese speziellen Angebote brauchen wir Trainer, die sich intensiv mit ihrer eigenen Vaterrolle auseinandergesetzt haben, die geschlechtersensibel sind und ein Grundwissen über die Soziologie und Psychologie von Vätern mitbringen. Das spielt neben pädagogischen Methoden der Gruppenarbeit und Gesprächsführung sowie Gestaltung religiöser Rituale in der Fortbildung eine große Rolle. Unsere Kooperationspartner für die Vater-Kind-Seminare sind neben den Familienbildungsstätten und Kirchengemeinden vor allem evangelische Kitas. Daher sind es überwiegend Erzieher und Gemeindepädagogen, die sich zum Trainer ausbilden lassen. Aber wir hatten auch schon einen Journalisten, Werbegrafiker und Arzt dabei.

Sie möchten das Spektrum der Vater-Kind-Angebote gerne erweitern und bieten deshalb in diesem Jahr zum ersten Mal ein Großvater-Kind-Wochenende an. Wie ist das Interesse daran?

Wir haben über einen Internetfragebogen ermittelt, ob ein solches Seminar überhaupt nachgefragt wird. Die rund 200 Rückmeldungen, die wir bekommen haben, waren durchweg positiv. Viele Eltern haben Interesse daran, dass ihre Kinder eine gute, intensive Beziehung zu den Großvätern entwickeln. Doch dafür gibt es wenig positive Rollenbilder. In Märchen kommen sie häufig alt und gebrechlich daher. Heute sind Großväter oft fit und aufgeschlossen für Neues, etwa für Internet und Neue Medien. Im Leben ihrer Enkelkinder können sie ein stabiler Faktor sein, wenn Eltern sich trennen und neue Partner finden. Ich rechne deshalb damit, dass es nicht bei unserem ersten Großvater-Kind-Wochenende vom 20. bis 22. September bleiben, sondern weitere Angebote geben wird.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Miriam Boger
Referent/in

Familienbildung und Familienpolitik

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