30. Januar 2018

Schulsozialarbeit

“Endlich eine gesetzliche Regelung schaffen"

Schüler, Lehrer,  Eltern und auch Politiker stellen der Schulsozialarbeit beste Noten aus. NRW-Sozialminister Karl-Josef Laumann hält sie für einen "unverzichtbarer Bestandteil" der Schullandschaft. Dennoch sind weder die Stellen noch die Finanzierung sicher. Die sozialpolitische Beauftragte der Diakonie RWL, Helga Siemens-Weibring, kritisiert das. 

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Helga Siemens-Weibring, Beauftragte für Sozialpolitik der Diakonie RWL 

"Wir brauchen endlich eine gesetzliche Regelung für die Sicherstellung einer flächendeckenden Schulsozialarbeit in Nordrhein-Westfalen", fordert Helga Siemens-Weibring im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Derzeit bestehe ein "Flickenteppich" mit Blick auf die rund 3.000 Stellen, die von rund 4.000 Sozialarbeitern besetzt sind, betont die sozialpolitische Beauftragte. Für all diese Stellen müsse eine einheitliche gesetzliche Regelung und dauerhafte Finanzierung gefunden werden. Auch sei ein bedarfsgerechter Ausbau erforderlich.

Der Sozialausschuss des Landtags befasst sich am Mittwoch, 31. Januar, mit dem Thema. "Schulsozialarbeit ist von sehr hoher Bedeutung", betonte die Diakonie-Beauftragte für Sozialpolitik. Und sie werde angesichts von erzieherischen und sozialen Herausforderungen für Familien immer wichtiger. Schule sei nicht nur zum Lernen da, sondern für Erziehung und Bildung.

Etwa zwei Drittel aller Schulsozialarbeiterstellen werden über das nordrhein-westfälische Schulministerium und die Kommunen finanziert, wie Siemens-Weibring erläutert. Unter dem Stichwort "Kapitalisierung von Lehrerstellen" könnten Schulträger wählen, ob sie Geld in eine Lehrer- oder in eine Sozialarbeiterstelle investieren. Doch statt die Schulträger vor eine solche Wahl zu stellen, sollte eine gesetzliche Regelung mit gesicherter Finanzierung der Schulsozialarbeit geschaffen werden, forderte sie.

Diakonie-Expertin Siemens-Weibring spricht sich für eine Verortung der gesamten Schulsozialarbeit im Sozialgesetzbuch VIII der Kinder- und Jugendhilfe aus. Dies sollte auch für die rund 1.000 Stellen gelten, die ursprünglich aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) geschaffen wurden und von der Landesregierung derzeit befristet weiterfinanziert werden. Der Landtags-Sozialausschuss befasst sich am Mittwoch mit einem Vorschlag, diese Mittel als Regelleistung im SGB II zur Grundsicherung für Arbeitssuchende zu verankern.

Siemens-Weibring sprach sich stattdessen dafür aus, auch diese "BuT"-Stellen in das Sozialgesetzbuch VIII zu überführen. Erst dann könnten Mindeststandards für die Arbeit und die Ausgestaltung von multiprofessionellen Teams erarbeitet werden, die fest an Schulen verankert seien. Derzeit seien etwa 4.000 Sozialarbeiter in NRW für fast 6.000 Schulen mit 2,5 Millionen Schülern zuständig. Ein optimaler Stellenschlüssel von einem Schulsozialarbeiter pro 150 Mädchen und Jungen sei also noch lange nicht erreicht.

Text: Gabriele Fritz (epd) 

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