13. September 2018

Offene Ganztagsschulen

Onlinepetition für ein Rettungspaket

Unter dem Motto "Wir bleiben dran!" hat die Freie Wohlfahrtspflege NRW eine Onlinepetition für die Offene Ganztagsschule (OGS) gestartet. Kurz vor den Haushaltsberatungen der Landesregierung setzt sie ihre Kampagne für eine bessere Finanzierung und verbindliche Standards fort. Helga Siemens-Weibring, sozialpolitische Beauftragte der Diakonie RWL, fordert ein Gesetz.

Portrait

Helga Siemens-Weibring im Kampagnen-T-Shirt

Unter dem Motto "Gute OGS darf keine Glückssache sein" haben Sie im letzten Jahr federführend für die Freie Wohlfahrtspflege NRW eine Kampagne organisiert. Es gab viele lokale Aktionen und eine große Kundgebung vor dem Landtag. Sie wollten eine bessere Finanzierung und verbindliche Standards für die Betreuung der Grundschulkinder im offenen Ganztag. Hat sich da gar nichts getan?

Wir werten die Kampagne alleine deshalb als Erfolg, weil sie sowohl bei den Eltern als auch in der Politik das Bewusstsein dafür gestärkt hat, dass es nicht nur um mehr Plätze, sondern auch um die Qualität der Betreuung geht. Es reicht uns nicht, wenn die Kommunen an den Grundschulen mehr Plätze anbieten, diese aber in Kellerräumen mit Heizungsrohren, in Containern oder Klassenräumen liegen – und die Kinder noch nicht einmal von einer pädagogischen Fachkraft bereut werden. Wir brauchen mehr Plätze, aber auch landesweit verbindliche Standards für die Offenen Ganztagsgrundschulen. Da hat sich leider trotz aller Proteste nicht allzu viel getan.

Das Land hat Geld für den Ausbau der OGS gegeben und die Zahl der Plätze in diesem Schuljahr auf knapp 320.000 erhöht. Macht sich das vor Ort nicht bemerkbar?

Nach wie vor ist die Situation vor Ort sehr unterschiedlich. Während der Bedarf in Bonn nahezu gedeckt ist, stehen in Dortmund mehr als 250 Kinder auf der Warteliste. In Düsseldorf können rund 70 Prozent der Grundschüler versorgt werden. Es ist also immer noch Glückssache, ob Eltern in ihrer Stadt einen Platz bekommen oder nicht. Und natürlich auch, wie gut die Betreuung vor Ort ist. Dort, wo Kommunen und Träger gemeinsam an einem Strang ziehen und mehr Geld als ihren Pflichtanteil geben, sind mehr Plätze und erste Qualitätsstandards für die OGS entstanden. Aber viele Städte befinden sich in der Haushaltssicherung. Daher richtet sich unser Appell vor allem an die Landesregierung.

Appell für eine gute OGS: Die Kampagnen-T-Shirts haben 2017 die Geschäftsstelle der Diakonie RWL geschmückt.

Jetzt machen Sie vor den Haushaltsberatungen, die am kommenden Mittwoch im Landtag beginnen, noch einmal mit einer Onlinepetition Druck. Wie stehen die Chancen, dass das Land für den Ausbau der OGS weitere Mittel zur Verfügung stellt?

Wir lassen jedenfalls nicht locker! Bislang haben wir knapp 1.000 Unterschriften gesammelt, aber es werden täglich mehr. Die Offene Ganztagsschule in NRW fällt unter die Bildungsgrundsätze des Landes und darin ist festgelegt, dass es in der Nachmittagsbetreuung nicht nur um eine Verwahrung der Kinder geht, sondern um den Dreiklang Bildung, Erziehung und Betreuung. Zwar gibt das Land aktuell rund 1.100 Euro pro Kind und Schuljahr – immerhin 100 Euro mehr als vor unserer Kampagne –, und die Kommunen zahlen einen Pflichtbeitrag von 475 Euro. Aber gebraucht würden nach den Berechnungen der Freien Wohlfahrtspflege NRW für eine qualitätsvolle Arbeit 3.250 Euro.

Sie fordern ein Gesetz für den Offenen Ganztag. Was würde sich damit ändern?

Nur mit einem Gesetz können wir verbindliche Standards für alle Offenen Ganztagsgrundschulen in Nordrhein-Westfalen festschreiben. Dazu gehört zum Beispiel, dass für eine Gruppe von 25 Kindern mindestens 1,5 pädagogische Fachkräfte zuständig sind und bestimmte Räumlichkeiten vorgehalten werden müssen. Es wäre ebenfalls sinnvoll, Rahmenbedingungen für die Hausaufgabenbetreuung und Freizeitangebote festzulegen. Wir möchten, dass ein solches Gesetz entsteht statt wie bisher mit "Verordnungen" zu arbeiten, die nicht verpflichtend sind. Das Land wartet aber offenbar darauf, dass der Bund aktiv wird. Dort gibt es Überlegungen, ähnlich wie bei den Kitas, einen Rechtsanspruch auf den Offenen Ganztag einzuführen. Dann wäre auch der Bund finanziell in der Pflicht, und es müsste ein Landesgesetz geben. Das alles kann aber noch sehr lange dauern.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke.

Hier geht's zur Onlinepetition.

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Unter dem Motto "Wir bleiben dran! Wir fordern ein Rettungspaket für den Offenen Ganztag" hat die Freie Wohlfahrtspflege NRW eine Onlinepetition gestartet. Hier können Sie unterschreiben. Die Petition endet am 31. Oktober. Die Wohlfahrtsverbände stellen rund 80 Prozent der Offenen Ganztagsgrundschulen in NRW. In den über 2.000 OGS werden rund 200.000 Kinder betreut.