24. März 2017

Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag

Diakonie mit eigenem Messestand

Wie können wir unsere Gesellschaft gemeinsam gerecht gestalten? Damit befasst sich vom 28. bis 30. März der 16. Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag in Düsseldorf. Die Diakonie RWL lädt zur Begegnung am Messestand "Diakonische Dorfmitte" ein. Jugendhilfeexpertin Tanja Buck von der Diakonie RWL erläutert, was die Besucher dort erwartet.

Bild: Tanja Buck

Tanja Buck

Warum beteiligt sich die Diakonie am Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag in Düsseldorf?

Der Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag ist der größte Kinder- und Jugendhilfekongress in Europa. Diesmal steht er unter dem Motto "22 Millionen junge Chancen". Damit spielt er auf die 22 Millionen jungen Menschen zwischen 0 und 27 Jahren in Deutschland an, die wir dazu befähigen möchten, unsere Gesellschaft aktiv mitzugestalten. In den Düsseldorfer Messehallen finden über 350 Veranstaltungen statt. Knapp 400 Ausstellerinnen und Aussteller zeigen an rund 250 Messeständen, was sie für Kinder und Jugendliche in Deutschland und Europa tun. Rund 5.000 Besucher werden erwartet. Das ist für uns eine gute Gelegenheit, unsere Hilfen und Projekte zu präsentieren. Wir tun das übrigens zum ersten Mal gemeinsam mit der Diakonie Deutschland und dem Evangelische Erziehungsverband (EREV).

Was präsentieren Sie am Messestand der Diakonie?

Unser Stand steht unter dem Motto "Diakonische Dorfmitte". Er bildet mit weiteren Ständen diakonischer Träger eine Gemeinschaft in der Messehalle. Wir möchten damit vermitteln: Die Diakonie ist da, wo Menschen leben. Sie ist mitten in der Gemeinde, im Dorf und im Stadtteil präsent. Das zeigen wir exemplarisch an drei Projekten, etwa an "NeuStart", einem stationären Betreuungsangebot der EVIM Jugendhilfe in Wiesbaden für Kinder von null bis drei Jahren, die von ihren Eltern getrennt werden müssen. Das diakonische Projekt unterstützt die Rückkehr der Kinder in den elterlichen Haushalt. Die Eltern verbringen den Tag bei "NeuStart" und kümmern sich mit Unterstützung und Kontrolle der Pädagoginnen um ihr Kind.

Vorgestellt wird ebenfalls ein Projekt der Diakonie Deutschland, das gute Angebote für junge unbegleitete Flüchtlinge weiterentwickelt und dabei lokale Ressourcen nutzt. Informieren kann man sich auch über die pädagogische Fachstelle Rechtsextremismus "Rote Linie" aus Hessen. Durch aufsuchende Beratungs- und Unterstützungsangebote versucht man in diesem Projekt, den Einstieg rechtsaffiner junger Menschen in den Rechtsextremismus zu vermeiden.

Mitte Mai wird in Nordrhein-Westfalen gewählt. Was fordert die diakonische Kinder- und Jugendhilfe von der Politik?

Wir beobachten eine wachsende Verarmung und zunehmend ungleiche Lebensbedingungen für junge Menschen und deren Familien. In manchen Quartieren unserer Städte, insbesondere in Ballungszentren, wächst mittlerweile ein großer Teil der Kinder in Armut auf. In NRW lebt jedes fünfte Kleinkind in einer Familie, die Hartz IV bezieht. Hier müssen wir dringend gegensteuern. Junge Menschen sind Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft. Ihre Förderung sollte deshalb in den Mittelpunkt politischen Handelns gestellt werden.

Kreidetafel mit Aufschrift "OGS darf keine Glückssache sein"

Die Kampagne der Freien Wohlfahrtspflege wirbt für bessere Offene Ganztagsschulen in NRW

Wie kann das konkret aussehen?

Wir müssen stärker in den Ausbau der Kitas und Ganztagschulen investieren. Viele Untersuchungen bestätigen, dass im deutschen Schulsystem immer noch die soziale Herkunft die Bildungschancen bestimmt. Es ist daher sinnvoll und richtig, die Angebote der Wohlfahrtsverbände - von der Erziehungsberatung bis zur Sprach- und Kompetenzförderung – mit den Familienzentren in den Kitas und den Grundschulen zu verzahnen. In NRW passiert das in den Offenen Ganztagsschulen. Doch die Nachmittagsbetreuung, die zu 80 Prozent von Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege gestaltet wird, ist seit Jahren unterfinanziert. Gemeinsam mit der Freien Wohlfahrtspflege NRW hat die Diakonie daher eine Kampagne gestartet. Wir fordern die Landesregierung auf, mehr Geld in die OGS zu geben und einheitliche Standards festzulegen.

In Nordrhein-Westfalen ist die Diakonie RWL mit 140 Einrichtungen und knapp 6.700 Plätzen der größte Anbieter von Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit der Politik in diesem Bereich?

Hier macht uns vor allem Sorgen, dass Jugendliche mit 18 Jahren aus der Erziehungshilfe entlassen werden und an der plötzlichen Eigenverantwortung scheitern. Dabei besteht bis zum Alter von 27 Jahren durchaus ein Recht auf Unterstützung im Rahmen der Jugendhilfe. Um Kosten zu sparen, übergeben die Jugendämter ihre Zuständigkeit an die Jobcenter. Die jungen Erwachsenen brauchen aber eine pädagogische Begleitung, damit sie nicht an Prüfungen in Schule und Ausbildung, an persönlichen Krisen oder dem eigenständigen Wohnen scheitern. Wir brauchen dringend eine andere Organisation der Hilfestruktur.

Das Gespräch führte Sabine Portmann.

Teaserfoto: Hofschläger/pixelio.de

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Tanja Buck
Erziehungshilfe
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