6. Juni 2019

Regionalberater im Portrait: Dortmund

"FSJ geht auch ohne Abitur"

Die Diakonie RWL berät und begleitet Freiwillige in einem großen Verbandsgebiet, das von Ostwestfalen bis Saarbrücken reicht. Das Zentrum Freiwilligendienste hat seine Geschäftsstelle in Düsseldorf. Daneben gibt es für Freiwillige und Einsatzstellen regionale Ansprechpartner in Detmold, Dortmund, Duisburg, Recklinghausen, Siegen und im Saarland. Ansprechpartner in Dortmund ist seit genau 10 Jahren Dirk Schmiedeskamp. Im Portrait wird er genauer vorgestellt.

Etwa 50% der von Dirk Schmiedeskamp betreuten Freiwilligen begleiten Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung in ihrem Schulalltag.

Eigentlich war der Weg vorgegeben. Der Vater betrieb in Exter einen kleinen Maschinenbaubetrieb, in dem Dirk Schmiedeskamp schon als Schüler aushalf. Nach der mittleren Reife folgte die Ausbildung zum Maschinenschlosser und die Mitarbeit im Betrieb. Dann kam der Zivildienst, eine Art FSJ ohne Freiwilligkeit, ein 16-monatiger Ersatzdienst für alle Männer, die nicht zur Bundeswehr wollten. Davor war noch eine "Gewissensprüfung" zu bestehen, die für Dirk Schmiedeskamp mit einer Anerkennung als "Kriegsdienstverweigerer" endete und die Weichen für sein weiteres Berufsleben stellte. 

"Die Scheu vor Menschen verloren"

"Ich war dann Zivi in der Diakoniestation in Vlotho", erzählt Dirk Schmiedeskamp. Die Diakoniestationen standen in der Tradition der Gemeindekrankenpflege, die Pflegeversicherung mit schlecht vergüteten Leistungspaketen gab es damals noch nicht. "Ich habe beim Anziehen geholfen, beim Waschen, das Frühstück vorbereitet". Aber es blieb auch Zeit zum Reden. "Die Scheu vor Menschen, vor Krankheiten und Behinderung und auch vor Kot und Urin hatte ich so schnell verloren", erzählt Schmiedeskamp. Die betreuten Menschen wuchsen ihm ans Herz. "Danach wusste ich zwar: Die Pflege ist nicht das Richtige für mich. Aber ich war mir nun sicher, dass ich mit Menschen arbeiten möchte und mein Weg im sozialen Bereich liegt".

Kirche und Diakonie

Der ging dann weiter mit einer Ausbildung zum Diakon, die damals noch in Witten angeboten wurde. Diakone begleiten zum Beispiel die Arbeit der Pfarrer in Kirchengemeinden und kümmern sich besonders um die sozialen Angebote. "Leider gab es Diakone in zunehmend weniger Gemeinden", bedauert Schmiedeskamp. Ein Rückgang, den Schmiedeskamp in ähnlicher Form dann auch als Referent für kirchliche Jugendarbeit erlebte. "1990 war ich einer von drei Mitarbeitern im damaligen Kirchenkreis Dortmund Süd". Zehn Jahre später war er dort allein. 

Dafür erlebt er an vielen Stellen eine erweiterte Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie. Dirk Schmiedeskamp ist ein Beispiel: Weiter angestellt beim Kirchenkreis, übernimmt er seit 2008 auch Aufgaben für Freiwillige in Kooperation mit der Diakonie RWL, unterstützt die Bildungsarbeit und Begleitung für Freiwillige im Raum Dortmund und berät Einsatzstellen. 

Dritte oder vierte Chance

Dabei bringt der frühere Maschinenschlosser, "Altenpflege-Zivi" und Diakon seine ganze Lebenserfahrung ein. "Mir ist immer wichtig, dass die jungen Menschen auf sich selbst hören, dass sie sich keine Lebens- und Karrierepläne aufdrücken lassen und selbst ausprobieren, was sie können und was sie wollen", erzählt er.

Der Freiwilligendienst mit der Kombination von sozialer Arbeitswelt und guter Begleitung sei dafür ein ideales Lernfeld. Dazu gehört für Schmiedeskamp auch, dass jede und jeder Fehler machen kann. Wenn in der Einsatzstelle zu viel schief läuft und eine Kündigung im Raum steht, setzt er sich dafür ein, "eine dritte oder vierte Chance zu geben". Denn hinter den Schwierigkeiten stecke oft viel Potenzial, "das müssen wir nur suchen und ausschöpfen", erklärt der Diakon.

Portrait, Poster mit Freiwilligen im Hintergrund

Als Berater am Stand der Diakonie RWL auf einer Fachmesse für Fachkräftegewinnung, Ausbildung und Studium in Dortmund.

"Solidarisches Verhalten hängt nicht am Schulabschluss"

Einen besonderen Blick hat Schmiedeskamp für Freiwillige ohne Abitur. "Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Freiwillige mit Hauptschulabschluss haben. Hier fehle es mitunter auch an geeigneten Stellen, die dem individuellen Können eines Freiwilligen gerecht werden. 
„Das FSJ ist auch eine Förderung für Benachteiligte und Schwächere, die oft gar nicht schwach sind, wenn ich sie näher kennenlerne", erzählt Schmiedeskamp. Dabei denkt er an soziale Kompetenzen, Selbständigkeit und solidarisches Verhalten, an den "sozialen Blick" auch in Alltagssituationen: "Wer räumt den Tisch mit ab, hat die anderen im Blick, wenn er etwas besorgt, wer nimmt wahr, wenn jemand Unterstützung braucht? Das alles hängt nicht vom Schulabschluss ab" bilanziert er.

Text und Fotos: Christian Carls

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"Move": Freiwilligendienst mit besonderer Förderung

Im Projekt "Move" der Diakonie RWL können Jugendliche ohne Schulabschluss oder mit Lernschwierigkeiten besonders unterstützt werden:
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