27. November 2019

Parlamentarisches Frühstück

Auf ein Brötchen mit den Landespolitikern

Ohne das Engagement und offene Ohr von Freiwilligen sähe es in den Krankenhäusern, Altenheimen und Kindergärten anders aus. Darauf machte heute die Diakonie RWL beim parlamentarischen Frühstück im nordrhein-westfälischen Landtag aufmerksam. Zwischen Brötchen und Kaffee erzählten junge Erwachsene den Abgeordneten von ihren Freiwilligendiensten und erneuerten Forderungen nach einem kostenfreien NRW-Ticket.

  • Diakonie-RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann (links) und Thomas Oelkers (rechts) mit den beiden Freiwilligen Maike Neuhaus und Leonard Kröner.
  • Die Abgeordneten Regina Kopp-Herr (SPD, zweite v. links), Frank Müller (SPD, dritter v. links), Heike Gebhard (SPD, zweite v. links erste Reihe), Lisa-Kristin Kapteinat (SPD, dritte v. links erste Reihe) und die Freiwilligen Rapahel Pereira, Chaima Hamza
  • Der NRW Landtag am frühen Morgen.
  • Carina Gödecke (Vizepräsidentin des Landtags SPD, zweite von links) mit den Freiwilligen Chaima Hamza Chaib (v. links), Leslie Jil Stracke und Dustin Meistus.
  • Der Freiwilligendienst ist eine Chance: Leslie Jil Stracke und Chaima Hamza Chaib tauschten sich während des Frühstücks mit anderen Freiwilligen und Abgeordneten aus.
  • Für den Freiwilligendienst werben: Raphael Pereira hat bei einer Fotoaktion für das FSJ und den BFD mitgemacht.
  • Deutliche Forderungen an die Politik: Dustin Meistus und Chaima Hamza Chaib stehen vor der Tafel mit für sie wichtigen Themen.

Wenn Chaima Hamza Chaib über ihren Freiwilligendienst erzählt, beginnen ihre Augen zu strahlen. Die 21-Jährige hat nach ihrem Abitur zwölf Monate lang vormittags Kinder mit Autismus in einer Grundschule betreut. Nachmittags engagierte sie sich in einem Wohnheim für Kinder mit Traumata. „Ich habe meine Heimatstadt Viersen mit ganz anderen Augen gesehen“, sagt Chaima. „Das, was viele der Kinder erlebt haben, kannte ich vorher nur aus Filmen.“ 
Verantwortung übernehmen, für andere da sein und sich selbst dabei kennenlernen – das sind für viele der 2.000 Freiwilligen in der Diakonie RWL wichtige Erfahrungen während ihres Dienstes. Im Bundesfreiwilligendienst oder im Freiwilligen Sozialen Jahr können sie sich ausprobieren. Chaimas Freiwilligendienst hat sie zu ihrem heutigen Studium gebracht: „Bevor ich den Freiwilligendienst begonnen habe, wollte ich eigentlich Spanisch studieren. Und heute, da studiere ich soziale Arbeit.“ Der Freiwilligendienst sei eine tolle Erfahrung gewesen und sie hätte ihn gerne verlängert, sagt sie.

Bei vollem Magen redet es sich leichter: Am Buffet gab es Rührei, Brötchen und Aufschnitt.

Bei vollem Magen redet es sich leichter: Am Buffet gab es Rührei, Brötchen und Aufschnitt.

Freiwilligendienst als Chance

"Junge Menschen entschließen sich nach der Schule dazu, einen ganz anderen Blick auf das Leben zu nehmen. Und das befördern wir als Diakonie RWL gerne", sagte Diakonie-RWL-Vorstand Thomas Oelkers während der Begrüßungsrede im Landtag. 95 Prozent der Freiwilligen zwischen Ostwestfalen und Saarbrücken sind zwischen 16 und 26 Jahren alt. Knapp fünf Prozent machen ihren Bundesfreiwilligendienst Ü27 mit. Viele der jungen Freiwilligen bleiben auch nach Ende ihres Dienstes im sozialen Bereich. In Zeiten des Fachkräftemangels sei das eine große Chance, betonte Oelkers. 

"Die Diakonie betreibt Lobbyarbeit. Lobbyarbeit im positiven Sinne", betonte die Vizepräsidentin des Landtags, Carina Gödecke von der SPD. Die Diakonie RWL gebe den Menschen eine Stimme, die man sonst nicht so laut und automatisch höre. Außerdem mache sie den Politikerinnen und Politikern hin und wieder ordentlich Dampf.

Politik jünger machen: Leslie Jil Stracke schreibt einen Hashtag auf, der ihre Zeit als Freiwillige in der Kirchengemeinde Wuppertal beschreibt.

Politik jünger machen: Leslie Jil Stracke schreibt einen Hashtag auf, der ihre Zeit als Freiwillige in der Kirchengemeinde Wuppertal beschreibt.

Forderungen an die Abgeordneten

Ein wenig Dampf machten die Freiwilligen auch den 37 Abgeordneten, die zum Parlamentarischen Frühstück gekommen waren. An einer Stellwand trugen sie ihre Wünsche an die Abgeordneten ein. Unter anderem schrieben sie mit Kreide: "Politik jugendfreundlicher machen", "kostenfreie Bahntickets für Freiwillige" und "keine Taschengeldabzüge in Bedarfsgemeinschaften". Aktuell müssen Freiwillige, die noch zu Hause leben, Abzüge hinnehmen, wenn ihre Eltern Hartz-IV empfangen. 

An Stehtischen kamen die acht Freiwilligen und Vertreter der Diakonie RWL bei Kaffee und Brötchen mit den Abgeordneten ins Gespräch. Die jungen Erwachsenen erzählten von ihren Einsatzstellen und ihren Zukunftsplänen. An einem Glücksrad konnten die Abgeordneten 72 Kugeln ziehen – für jede Kugel lernten sie eine gute Begründung, warum sich ein Freiwilligendienst lohnt. "Wir fanden es klasse, dass es heute um unsere Sicht ging", sagten die acht Freiwilligen gegen Ende des Frühstücks. "Unsere Arbeit ist enorm wichtig für unsere Gesellschaft. Da ist es schön, wenn wir gehört werden", ergänzte eine der Freiwilligen. 

Text und Fotos: Ann-Kristin Herbst

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