Mittwoch, 24. Juli 2019

Gutes tun mit weniger Geld

Trotz Kürzungen baut Diakonie RWL Freiwilligendienste aus

Düsseldorf/Münster, 24. Juli 2019. Im August und September starten wieder rund 1.500 junge Menschen ihren Freiwilligendienst in den Einrichtungen des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL). Während bei vielen Sozialverbänden in diesem Jahr die Bewerbungen für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst zurückgegangen sind, ist die Zahl bei der Diakonie RWL konstant hoch geblieben. "Das ist eine echte Bestätigung für uns", sagt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. Die Freiwilligen arbeiten in Schulen, Kitas, Krankenhäusern oder Altenheimen und werden dafür mit rund 400 Euro pro Monat unterstützt. Das sind rund 100 Euro mehr als bei anderen Sozialverbänden.

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Freiwilligendienste

Keine freie Fahrt für Freiwillige

"Gerne hätten wir ihnen in diesem Jahr mehr Taschengeld, vor allem aber einen höheren Fahrtkostenzuschuss bezahlt", so Heine-Göttelmann weiter. "Das ist angesichts der bundesweiten Kürzungen an Fördergeldern aber nicht möglich." Anfang des Jahres hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey angekündigt, die Freiwilligendienste ausbauen und finanziell attraktiver machen zu wollen. Dafür sollte es 65 Millionen Euro zusätzlich geben. Doch die Schuldenbremse durchkreuzte die Pläne: Übrig geblieben sind 25 Millionen Euro für 2019. Ab Mitte 2020 wird sogar gekürzt.

"Der Einsatz von jungen Menschen muss stärker gewürdigt werden", fordert Heine-Göttelmann. Schon lange kämpft die Diakonie RWL für ein kostenfreies, zumindest aber deutlich vergünstigtes Nahverkehrsticket für Freiwillige. "Immerhin gibt es jetzt in Nordrhein-Westfalen das Azubi-Ticket für 82 Euro, das auch für Freiwillige gelten soll", ergänzt Jürgen Thor, Leiter der Freiwilligendienste bei der Diakonie RWL. "Aber das ist trotzdem noch eine Menge Geld für unsere Freiwilligen."

Alle Bildungsschichten erreichen

Da das Interesse an FSJ und BFD insgesamt zurückgehe, sei es umso wichtiger, mehr Taschengeld zu zahlen und besondere Programme auszubauen, damit es für eine größere Zahl von Menschen interessant werde. "Wir wollen mit dem Freiwilligendienst alle Bildungsschichten erreichen", betont Thor. 60 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber sind Abiturienten. Um sozial benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene bis 27 Jahre gezielt zu fördern, hat die Diakonie RWL ihre Plätze im MOVE-Programm verdoppelt. Die 40 Freiwilligen werden intensiv in kleineren Seminargruppen betreut und so auf einen möglichen Ausbildungsplatz vorbereitet.

Mehr Plätze für Flüchtlinge

Die Diakonie RWL erhöht auch die Zahl ihrer Plätze im Freiwilligendienst für Flüchtlinge, obwohl die Bundesmittel für dieses Programm gestrichen wurden. "Diese Kürzungen halten wir für fatal. Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge, die bei uns einen Bundesfreiwilligendienst machen, beginnen danach ihre Pflegeausbildung in der Altenhilfe oder im Krankenhaus", berichtet Thor. Ab diesem Jahr gibt es den Bundesfreiwilligendienst in Teilzeit. "Das hilft vielen Geflüchteten, die mehr Zeit für Deutschkurse brauchen, aber auch Alleinerziehenden und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen", sagt Jürgen Thor.

Hintergrund:

Mit rund 2.000 Freiwilligen ist die Diakonie RWL bundesweit der größte evangelische Anbieter eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder eines Bundesfreiwilligendienstes. 95 Prozent der Freiwilligen sind junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren. Knapp fünf Prozent machen im Bundesfreiwilligendienst Ü27 für Ältere mit. Rund 40 Prozent der jugendlichen Teilnehmenden entscheidet sich nach dem Freiwilligendienst für eine Ausbildung oder ein Studium im sozialen Bereich. Drei Viertel beginnen ihren Dienst im August oder September, aber Bewerbungen sind das ganze Jahr über möglich und willkommen.

Hier finden Sie ein Interview mit Jürgen Thor über die aktuellen Angebote der Freiwilligendienste in der Diakonie RWL: www.diakonie-rwl.de/freiwilligendienste/geld