6. August 2021

Freizeit für Kinder aus Flutgebieten

Schatzsuche statt Schlammschippen

Kein Geheul von Sirenen und Hubschraubern, kein Staub und Schlamm mehr – Kinder aus den stark betroffenen Hochwassergebieten kommen in der Ferienfreizeit der Diakonie RWL-Freiwilligendienste zur Ruhe. Sie dürfen draußen spielen, auf Schatzsuche gehen, Freundschaften schließen. Und wenn sie über ihre Erlebnisse und Sorgen sprechen möchten, sind Pädagogen und Freiwillige für sie da.

  • Fünf Jungen auf der Freizeit für Kinder aus Hochwassergebieten der Diakonie RWL
  • Fussballteam auf der Freizeit für Kinder aus Hochwassergebieten der Diakonie RWL
  • Ausruhen auf der Freizeit für Kinder aus Hochwassergebieten der Diakonie RWL
  • Hüpfburg auf der Freizeit für Kinder aus Hochwassergebieten der Diakonie RWL
  • FSJler mit Kind auf der Freizeit für Kinder aus Hochwassergebieten der Diakonie RWL

Jeden Morgen begrüßen sich die "Coolen Socken" mit einem Schlachtruf. Sie haben sich Geheimverstecke ausgedacht und ein eigenes Wappen für ihre Gruppe entworfen. "Es ist echt toll hier", sagt der elfjährige Malte über die Ferienfreizeit der Diakonie RWL. "Alles ist grün und ruhig. Es ist nicht so staubig und laut wie bei uns mit all den Aufräumarbeiten."

Gemeinsam mit seinen vier Freunden aus Heimersheim im vom Hochwasser stark beschädigten Kreis Ahrweiler verbringt Malte eine Woche in der Jugendherberge "Haus Friede" im Ruhrort Hattingen. Sie haben sich zur Gruppe der "Coolen Socken" zusammengeschlossen. Auch die anderen zwanzig Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen acht und 16 Jahren durften "Geheimgruppen" gründen. Sie spielen Fußball und Kicker, klettern auf dem Spielplatz und gehen alle zusammen auf Schnitzeljagd, Schatzsuche oder tanzen auf ihrem "Bergfest".

Freizeiten für Kinder aus Flutgebieten

In engem Kontakt mit den Eltern 

Jeden Abend, so berichtet der zwölfjährige Julius, telefoniert er mit seiner Mutter. Ähnlich machen es auch seine Freunde. "Sie freut sich, dass es mir hier so gut geht", erzählt er. "Und gestern war sie selbst ganz froh, weil wir jetzt zuhause auch wieder Strom haben." Etwas Sorgen macht er sich um seine Schule, die "vielleicht ganz abgerissen wird". Dann müsse er wahrscheinlich nach Remagen. "Aber jetzt sind erstmal Ferien und da will ich gar nicht an die Schule denken", schiebt er hinterher.

Abschalten, Spaß haben, zur Ruhe kommen – in der Ferienfreizeit soll das Kindern und Jugendlichen aus den Hochwassergebieten möglich gemacht werden. Fünf Bildungsreferentinnen und -referenten sowie zwei Freiwillige gestalten das erlebnispädagogische Programm.

Diakonie RWL-Bildungsreferentin Saskia Koll

Saskia Koll ist Bildungsreferentin in den Freiwilligendiensten, hat aber auch schon viele Freizeiten für Kinder begleitet.

Unbeschwerte Ferientage

"Den Kindern soll es hier gut gehen", betont Saskia Koll, Bildungsreferentin der Diakonie RWL. "Sie kommen aus Regionen, in denen sie miterleben mussten, wie die Wassermassen Häuser zerstört und das Leben von Freunden und Nachbarn gefährdet haben. Wir wollen ihnen ein paar unbeschwerte Ferientage geben." Dafür sorge ein abwechslungsreiches Programm, das aber auch genug Freiraum für eigene Spielideen und Ruhephasen lasse.

Die Erlebnisse in und nach den Stunden der Überflutung werden bewusst nicht zum Thema gemacht. "Aber wenn die Kinder und Jugendlichen darüber reden möchten, sind wir natürlich da und hören zu", erklärt die 30-jährige Sozialarbeiterin. Sollte das Team den Eindruck haben, dass mehr als ein Gespräch nötig ist, steht auch eine Traumatherapeutin aus der Diakonie RWL zur Verfügung. 

FSJler Siavash Azimi mit seiner Drohne und Paul auf der Freizeit für Kinder aus Hochwassergebieten der Diakonie RWL

FSJler Siavash Azimi hat eine Drohne mitgebracht. Paul hilft ihm gerne dabei, sie starten zu lassen.

Freiwillige setzen eigene Akzente

"Wir sind hier gut aufgestellt", sagt Markus Krings, der die Freizeiten als Kaufmännischer Teamleiter der Freiwilligendienste organisiert. "Unsere Mitarbeitenden bringen viel pädagogische Erfahrung mit und die Freiwilligen, die dabei sind, haben in ihren Einsatzstellen ebenfalls mit Kindern gearbeitet und setzen eigene, wertvolle Akzente."

Einer von ihnen ist Siavash Azimi. Er macht gerade ein FSJ in einer Evangelischen Förderschule in Dortmund. Der 19-Jährige, der im Alter von elf Jahren mit seiner Familie aus dem Iran nach Deutschland geflohen ist, begeistert die Kinder mit einer Drohne. "Ich mag Technik und alles, was sich bewegt", erklärt er. Nachdem er erzählt hat, dass er sich gerade auf eine Ausbildungsstelle zum Lokführer bewirbt, waren vor allem die Jungs fasziniert. "Ich hätte nicht gedacht, dass die Kinder so interessiert, aufgeschlossen und fröhlich sind", sagt er." Ich glaube, die Freizeit tut ihnen einfach gut."

Stapel von selbstgebastelten Schatzkisten auf der Freizeit für Kinder aus Hochwassergebieten der Diakonie RWL

Jedes Kind hat eine Schatzkiste für wertvolle Sachen gebastelt, die es mit nach Hause nehmen darf.

Freude auf das Abschiedsgeschenk

Heimweh habe es bisher nur einmal gegeben, berichtet Saskia Koll. Doch das sei nach Gesprächen mit den Eltern schnell verflogen. Schließlich wünschen auch sie sich, dass ihre Kinder rauskommen und eine gute Zeit haben. Aber eine Woche Ferienfreizeit reiche ihm, meint der zwölfjährige Moritz. Dann möchte er wieder zuhause bei seinen Eltern sein. 

Auf die Rückfahrt im Reisebus, der ihn und die anderen Kinder und Jugendlichen wieder nach Bad Neuenahr und Rheinbach bringt, freut er sich. Denn mit im Gepäck wird er diesmal nicht nur eine selbst gebastelte Schatzkiste haben, sondern auch einen Fuß- oder Volleyball, den es als Abschiedsgeschenk für jeden Teilnehmenden der Freizeit gibt. "Es ist echt cool, wie viele Leute für uns gespendet haben", freut er sich. 

Text: Sabine Damaschke, Video und Fotos: Christian Carls

Ihr/e Ansprechpartner/in
Markus Krings

FSJ/BFD

, Zentrum Freiwilligendienste
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Das kostenlose Freizeitangebot richtet sich an Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren und beinhaltet die Betreuung von montags bis freitags mit Übernachtung und Verpflegung in Tagungshäusern in Hattingen und Mönchengladbach. Außerdem gibt es für alle teilnehmenden Kinder ein Taschengeld. Die An- und Abreise organisiert das Zentrum Freiwilligendienste gemeinsam mit den Einrichtungen vor Ort.

Weitere Infos zur Anmeldung und für Rückfragen gibt es hier.