Mittwoch, 16. August 2017

Flüchtlinge im Freiwilligendienst – ein unbekanntes Erfolgsmodell

Diakonie RWL und Diakonie Deutschland fordern Fortsetzung des „Bundesfreiwilligendienstes mit Flüchtlingsbezug“

Düsseldorf/Münster, 16. August. Seit Dezember 2015 fördert die Bundesregierung den Einsatz von Flüchtlingen im Freiwilligendienst. Obwohl der "Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug" ein erfolgreiches Integrationsmodell ist, soll es 2018 auslaufen. Bislang haben bundesweit über 3000 Flüchtlinge daran teilgenommen. Die Diakonie RWL, einer der größten Träger des Freiwilligendienstes in Deutschland, setzt sich gemeinsam mit dem Präsidenten der Diakonie Deutschland dafür ein, dass Flüchtlinge weiterhin im Freiwilligendienst eine Chance zur Integration erhalten. 

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Christian Carls

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Freiwilligendienste

Bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Kaiserswerther Diakonie am 16. August in Düsseldorf berichteten Flüchtlinge im Beisein von NRW-Integrationsstaatssekretärin Serap Güler, wie ihnen der Freiwilligendienst geholfen hat, einen Einblick in die Arbeitswelt zu bekommen. Sie konnten ihr Deutsch verbessern und berufliche Zukunftspläne entwickeln. So wie Tarek al Kousa, der als syrischer Flüchtling einen Freiwilligendienst im Krankenhaus der Kaiserswerther Diakonie erfolgreich absolviert hat und jetzt eine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen möchte. Oder Sabah Hasan, die in ihrer Heimat in Somalia nie eine Schule besucht hat und in ihrem Freiwilligendienst in einem Altenheim ihre Fähigkeiten zeigt. Sie gestaltet bereits eigene Freizeitangebote für die alten Menschen und möchte Betreuungskraft in der Altenhilfe werden.

Forderungen

"Das Förderprogramm 'BFD mit Flüchtlingsbezug' sollte über 2018 hinaus fortgesetzt werden", forderte der Vorstand der Diakonie RWL, Thomas Oelkers, auf der Veranstaltung in Düsseldorf. Zugleich sprach sich Oelkers dafür aus, das begleitende Bildungsprogramm für Flüchtlinge im Freiwilligendienst zu verstärken, um die Teilnehmenden besser auf eine anschließende Ausbildung oder Tätigkeit im sozialen Bereich vorzubereiten. "Gerade für Menschen über 25 Jahren fehlen Qualifizierungsprogramme für den Arbeitsmarkt", so Oelkers. Der Bundesfreiwilligendienst kann von Menschen in jedem Alter geleistet werden.

Ulrich Lilie, Präsident der Diakonie Deutschland, setzte sich für den Ausbau des Programms für Flüchtlinge im Freiwilligendienst ein. Dafür müssten spätestens im Herbst von der neuen Bundesregierung die Weichen gestellt werden. Er verwies auf den Bericht des Bundestagsausschusses "Bürgerschaftliches Engagement", in dem im Juni mit Zustimmung der Mitglieder aus allen Parteien mehr Möglichkeiten für Flüchtlinge gefordert wurden, sich selber zu engagieren.

Klaus Riesenbeck, Vorstand der Kaiserswerther Diakonie, verwies in seinem Statement auf den Stellenwert des Freiwilligendienstes insgesamt. Der Freiwilligendienst sei ein Lern- und Orientierungsjahr, das Zugänge zu sozialen Arbeitsfeldern schafft. "Alle, die danach in einen sozialen Beruf gehen, haben für sich selber ausprobiert und herausgefunden, dass ihnen diese Art von Arbeit liegt."

Serap Güler, Integrationsstaatssekretärin des Landes Nordrhein-Westfalen, würdigte auf der Veranstaltung das hohe Engagement, das Flüchtlinge in ihrem Freiwilligendienst zeigen. "Die Integration von Geflüchteten ist eine wichtige Aufgabe der Landesregierung. Am Beispiel des Freiwilligendienstes sieht man, wie dieser Schritt gelingen kann. Ich finde es toll, dass Geflüchtete hier vom Hilfeempfänger selbst zum Helfer werden. Viele Menschen, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind, bringen großes Potential mit nach Nordrhein-Westfalen. Die Freie Wohlfahrtspflege ist für uns ein zentraler Partner, wenn es um das Thema Integration geht."

Blick auf die Bundestagswahlen

Der Besuch von Ulrich Lilie war eine Etappe seiner Sommerreise zu unterschiedlichen Projekten aus der sozialen Arbeit der Diakonie. Lilie stellt dabei auch den Sozial-O-Mat der Diakonie Deutschland vor, ein Wahl-O-Mat für soziale Fragen (www.sozial-o-mat.de): „Beim Sozial-O-Mat geht es um wichtige soziale Themen unserer Zeit. Er soll Wählerinnen und Wähler bei ihrer Wahlentscheidung unterstützen und verdeutlichen, welche Auswirkungen ihre Wahl für das Leben von Menschen, wie zum Beispiel Geflüchtete, in unserem Land hat.“

Pressefotos und weitere Informationen zum Thema: www.diakonie-rwl.de/flüchtlinge-im-freiwilligendienst