Donnerstag, 30. Juli 2020

Corona-Krise stärkt sozialen Freiwilligendienst

Bei Diakonie RWL starten mehr Jugendliche in FSJ und BFD

Düsseldorf, 30. Juli 2020. Die Corona-Krise hat das Interesse junger Menschen an sozialen Berufen gestärkt. In den Freiwilligendiensten des Diakonischen Werkes Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) starten im August rund 20 Prozent mehr Jugendliche in ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst als im vergangenen Jahr.

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Mathias Schmitten

FSJ/BFD

, Zentrum Freiwilligendienste

"Wir führen gerade viele Bewerbungsgespräche und rechnen daher damit, dass dieser Trend auch für den September und den Rest des Jahres anhält", sagt Diakonie RWL-Vorstand Thomas Oelkers. "Gerade in den unsicheren Zeiten der Pandemie nutzen mehr junge Leute unseren Freiwilligendienst, um sich in den sozialen Berufen auszuprobieren, weil sie sich für eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich interessieren."

Bessere Chance auf eine Ausbildung

Neben der stärkeren gesellschaftlichen Wertschätzung für die Pflege oder Kindertagesbetreuung führt aber auch die schwierige Situation auf dem Ausbildungsmarkt mehr Jugendliche in einen Freiwilligendienst. Allein in Nordrhein-Westfalen stehen laut Bundesarbeitsagentur etwa 13.000 Lehrstellen weniger zur Verfügung als 2019. Vor allem Jugendliche mit schlechteren Schulabschlüssen haben nun noch weniger Chancen auf einen Ausbildungsplatz.

Die Diakonie RWL bietet ihnen mit dem Programm MOVE die Möglichkeit, sich in einem sozialen oder pflegerischen Beruf auszuprobieren. Mit Erfolg. Mindestens drei Viertel der Freiwilligen, die meist zwischen 16 und 23 Jahre alt sind, beginnen danach eine Ausbildung in diesem Bereich. Rund ein Viertel wird direkt von den Einsatzstellen – meistens sind es Einrichtungen der Altenhilfe – als Azubi übernommen. Vor vier Jahren startete die Diakonie RWL mit einer Gruppe von rund 30 Jugendlichen. In diesem Jahr gibt es bereits vier MOVE-Gruppen.

Mehr Vorteile für Freiwillige schaffen

"Wenn wir durch die Freiwilligendienste Menschen für Ausbildung oder Studium in den sozialen und pflegerischen Berufen gewinnen, kann das eine Antwort auf den Fachkräftemangel sein", sagt Oelkers. "Doch dafür brauchen FSJ und BFD eine Aufwertung." Die Kompetenzen, die Freiwillige in ihrem Dienst für andere Menschen erwerben, sollten daher stärker gewürdigt werden, etwa durch einen erleichterten Zugang zum Studium oder in die Berufsausbildung.

Als besonders ärgerlich empfinden die Freiwilligendienste der Diakonie RWL, dass ihre jahrelange Forderung nach kostenlosen Nahverkehrstickets bisher ungehört blieb. "Es kann doch nicht sein, dass Freiwillige in der Bundeswehr selbstverständlich kostenlos fahren dürfen, alle anderen Freiwilligen aber nicht", kritisiert der Diakonie RWL-Vorstand.

Hintergrund:

Mit rund 2.000 Freiwilligen ist die Diakonie RWL bundesweit der größte evangelische Anbieter eines Freiwilligen Sozialen Jahres oder eines Bundesfreiwilligendienstes. 95 Prozent der Freiwilligen sind junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren. Rund 40 Prozent der jugendlichen Teilnehmenden entscheiden sich nach dem Freiwilligendienst für eine Ausbildung oder ein Studium im sozialen Bereich. Drei Viertel beginnen ihren Dienst im August oder September, aber Bewerbungen sind das ganze Jahr über möglich und willkommen.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Freiwilligendienste ausgewirkt? Antworten dazu in einem Interview: www.diakonie-rwl.de/themen/freiwilligendienste/fsj-und-bfd-0