27. November 2020

Unterstützung für Familien

Kinder betreuen, Eltern entlasten

Für Eltern ist die Versorgung eines Kindes mit Behinderung meist ein Full-Time-Job. Viele Familien wünschen sich Entlastung im Alltag und eine gute Betreuung für ihre Kinder. Und zwar ohne großen bürokratischen Aufwand. Die Ehrenamtlichen des FamilienUnterstützenden Dienstes der Diakonie Ruhr machen das auch in der Corona-Pandemie möglich.

  • Leonie vom Familienunterstützenden Dienst der Diakonie Ruhr schiebt Alis Rollstuhl (Foto: Diakonie Ruhr)

Eigentlich mag Ali seinen "Rolli" nicht. Er würde lieber auf den eigenen Beinen laufen. Doch das ist für den elfjährigen Bochumer eine ungeheure Anstrengung, weil das Schicksal es nicht gut mit ihm gemeint hat. Wenn der Schüler mit Leonie zusammen ist, gibt es trotzdem einen Grund für Ali zu lachen – auch bei der Fahrt im Rollstuhl.

Die beiden verstehen sich einfach. Die junge Studentin aus Witten trifft sich einmal pro Woche mit Ali, der vor fünf Jahren mit seiner Familie aus Tschetschenien nach Deutschland gekommen ist. "FamilienUnterstützerin" nennt sich ihre Aufgabe – und das ist Programm. Leonie ist für den elfjährigen Jungen da und entlastet so seine Familie. Dabei zählen besonders Alis Interessen: Er malt für sein Leben gern und liebt die Ausflüge mit "seiner" Leonie.

Julia Zolinski vom FamilienUnterstützenden Dienst der Diakonie Ruhr (Foto: Diakonie Ruhr)

Julia Zolinski organisiert die Unterstützung für die Familien. 

Abwechslung für Ali und seine Familie

"Mich entlastet diese Unterstützung sehr", sagt Alis Mutter. Ihr Sohn hat seit seiner Geburt verschiedene körperliche Einschränkungen. Eine schwere Nervenerkrankung sorgt dafür, dass er sich nicht richtig bewegen kann. "Er bekommt auch immer wieder epileptische Anfälle, besonders Stress ist ein Auslöser", berichtet sie. Probleme mit Rücken, Hüfte und Beinen machen das Gehen und Sitzen zeitweise zur Qual. Und an den Augen steht bald die nächste schwere OP an.

Für Ali sind die Besuche von Leonie ein echtes Geschenk, denn sie bringen Ablenkung und Abwechslung in sein Leben. Zusammengebracht hat Ali und Leonie der FamilienUnterstützende Dienst (FUD) der Diakonie Ruhr. Seit 2012 sorgt er dafür, dass jährlich rund 80 Familien regelmäßig von etwa 100 Ehrenamtlichen begleitet werden. Sie spielen mit den Kindern, gehen mit ihnen spazieren, ins Kino oder Schwimmbad und erledigen auch mal kleine Einkäufe für die Familien.

Ein Erwachsener und ein Kind reichen sich die Hand (Foto: pixabay.de)

Mehr als ein Händedruck: Im Lockdown war und ist die regelmäßige Begleitung der Familien besonders gefragt. (Foto: pixabay.de)

Im Lockdown für Familien da

Manche Ehrenamtliche gehen jede Woche regelmäßig in die Familien. Andere Familien nutzen die Unterstützung nur ab und zu. Die Begleitung ist individuell und orientiert sich an den Wünschen und Bedürfnissen der Eltern und ihrer Kinder. "Als Kitas, Schulen und Werkstätten während des Lockdowns in der Corona-Krise geschlossen waren, haben viele unseren Dienst öfter in Anspruch genommen", sagt Julia Zolinski.

Die Heilpädagogin organisiert mit zwei weiteren Mitarbeiterinnen die Unterstützung in den Familien. "Alle waren froh, dass es uns gibt." Auf Gruppenveranstaltungen dagegen musste verzichtet werden. In den Sommerferien konnte der FUD dann wieder – unter allen einzuhaltenden Hygieneauflagen - eine Ferienbetreuung anbieten. Vor November, als aufgrund der stark gestiegenen Infektionszahlen erneut ein Teil-Lockdown eingeführt wurde, fanden die verschiedenen Gruppenaktivitäten wie AdventureKids, eine Ausflugsgruppe für Kinder und Jugendliche, oder das "Schöne Wochenende", wieder statt.

Im FUD werden aber nicht nur Kinder und Jugendliche betreut. Die Begleitung in den Familien erfolgt für Menschen aller Altersklassen. Der Bedarf an Unterstützung ist groß. "Viele Eltern sind in ihrem Alltag auf sich alleine gestellt, denn Verwandte oder Freunde trauen es sich häufig nicht zu, einen Menschen mit Behinderung zu betreuen", erklärt Julia Zolinski.

Leonie vom FamilienUnterstützenden Dienst der Diakonie Ruhr malt mit Ali (Foto: Diakonie Ruhr)

Früher ohne, jetzt mit Maske - Leonie und Ali malen oder spielen nach einem Spaziergang oft noch zusammen. 

Enge Begleitung der Ehrenamtlichen

Bevor die Ehrenamtlichen in den Familien eingesetzt werden, bietet ihnen die Diakonie Ruhr Fortbildungen zu fachlichen, inhaltlichen oder aktuellen Themen an. Bei Fragen und Problemen können sie sich jederzeit an die FUD-Mitarbeiterinnen wenden. Zudem finden regelmäßige Gespräche mit ihnen und den Familien statt. Der Großteil der rund 100 Ehrenamtlichen sind junge Leute, die studieren – wie Leonie. Sie sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, Ali zu beschäftigen und damit die Familie zu entlasten. Ihr geht es auch darum, sein Selbstvertrauen und seine Persönlichkeit zu stärken.

Als das Duo nach einer kurzen Runde im Stadtteil nach Hause kommt, spricht sie ihn auf sein T-Shirt an, das er unter der Winterjacke trägt. Darauf ist sein Lieblingsverein Borussia Dortmund zu sehen. "Du warst doch mal Einlaufkind, mit wem bist du nochmal ins Stadion gegangen?", fragt Leonie. "Marco Reus", antwortet Ali und seine Augen leuchten vor Stolz.

Text: Diakonie Ruhr/Sabine Damaschke, Fotos: Diakonie Ruhr

Ihr/e Ansprechpartner/in
Tim Rietzke

Jugend und Schulen

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