Mittwoch, 22. November 2017

Kein Zimmer frei

Platznot in Frauenhäusern der Diakonie RWL spitzt sich zu

Düsseldorf/Münster, 22. November. Aus Anlass des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November macht das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe auf die dramatische Situation in vielen nordrhein-westfälischen Frauenhäusern aufmerksam. "In den meisten Häusern herrscht praktisch einen Aufnahmestopp", sagt die sozialpolitische Beauftragte der Diakonie RWL, Helga Siemens-Weibring. "Dabei sollte jede von Gewalt bedrohte und betroffene Frau schnell Schutz und Hilfe in unseren Einrichtungen bekommen."

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Schon seit zwei Jahren ist die Nachfrage nach Plätzen deutlich höher als die Kapazitäten der Einrichtungen. Insgesamt gibt es in NRW 62 landesgeförderte Frauenhäuser, die 2015 knapp 3.000 Frauen aufgenommen haben und über 6.600 Anfragen ablehnen mussten. Seitdem hat sich die Situation weiter zugespitzt.

Sieben Frauenhäuser befinden sich in Trägerschaft diakonischer Einrichtungen, darunter das Frauenhaus Duisburg. Die 1978 gegründete Einrichtung des Evangelischen Christophoruswerkes ist Deutschlands erstes und ältestes evangelisches Frauenhaus. Es nahm im vergangenen Jahr 70 Frauen und 88 Kinder auf. Die Nachfrage nach einem Platz war mehr als doppelt so hoch. In diesem Jahr musste Leiterin Karin Bartl schon über 300 Frauen absagen.

"Alle, die sich bei uns melden, befinden sich in einer akuten Notsituation", betont die Sozialarbeiterin, "aber wir können sie nicht aufnehmen. Das gibt es in keinem deutschen Krankenhaus." Als einen Grund für die stark gestiegene Nachfrage an Plätzen nennt Karin Bartl den schwierigen Wohnungsmarkt in deutschen Großstädten. Die Frauen bleiben länger in den Schutzeinrichtungen, weil sie kaum noch günstigen Wohnraum finden. Außerdem suchen mehr Migrantinnen und geflüchtete Frauen Schutz in Frauenhäusern. Ihnen fehlen oft die sozialen Netzwerke vor Ort, auf die deutsche Frauen zurückgreifen können.

"Wir brauchen mehr Plätze und mehr Personal für die Frauenhäuser", fordert Helga Siemens-Weibring. Schon lange reicht die Finanzierung der Einrichtungen durch Land und Kommunen bei weitem nicht aus. In Duisburg decken die Landeszuschüsse nur 54 Prozent der Personalkosten. Für Miete und Nebenkosten müssen die Frauen einen Tagessatz zahlen, der gegebenenfalls vom Jobcenter und Sozialamt übernommen wird. Ein Großteil der restlichen Kosten wird in Duisburg seit Jahren von einem Großspender übernommen. Sollte sich dieser zurückziehen, müsste das Frauenhaus schließen.

"Es kann nicht sein, dass die Existenz der Frauenhäuser in diesem Land an Spenden hängt", betont die sozialpolitische Beauftragte der Diakonie RWL. "Der Schutz vor Gewalt ist ein Menschenrecht und damit eine Aufgabe, die unser Staat ernst nehmen muss."

Mehr über das Frauenhaus Duisburg finden Sie hier: https://www.diakonie-rwl.de/themen/familie-frauen-bildung/frauenhaeuser