Freitag, 5. März 2021

Frauen leben länger, aber wovon?

Diakonie RWL warnt vor zunehmendem Armutsrisiko durch Pandemie

Düsseldorf, 4. März 2021. Zum Internationalen Weltfrauentag am 8. März macht das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) in einer digitalen Veranstaltung auf das zunehmende Armutsrisiko von Frauen durch die Pandemie aufmerksam. "Ob Wohnungslosenhilfe, Bahnhofsmissionen, Schuldner- oder Familienberatung: Überall treffen wir auf Frauen in Existenznöten, die uns um Unterstützung bitten", erklärt Diakonie RWL-Armutsexpertin Heike Moerland.

Ihr Ansprechpartner
Heike Moerland

Armut- u. Existenzsicherung, Straffälligenhilfe

 

 

, Geschäftsfeld Berufliche und soziale Integration
Weitere Informationen
Ein Artikel zum Thema:
Familie Frauen Bildung

Auf dem Fachtag suchen rund 100 Expertinnen aus Diakonie und Kirche nach Wegen, wie Sozialarbeit helfen kann, Frauenarmut zu überwinden und diskutieren über dringende politische Reformen, um Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen.

Krisen verstärken Ungleichheiten

"Krisen verstärken soziale Ungleichheiten, und Frauen werden auch 2021 noch benachteiligt", so Heike Moerland weiter. "Frauen arbeiten dreimal häufiger als Männer in Teilzeit. Während ihres Lebens sind sie fast doppelt so lang ohne bezahlte Arbeit und ihre Rentenansprüche fallen entsprechend gering aus. Sie haben ein höheres Armutsrisiko." Moerland verweist auf eine aktuelle Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, nach der 24 Prozent der Mütter im Lockdown ihre Arbeitszeit reduzierten, um Job, Homeschooling und Haushalt unter einen Hut zu bekommen.

Die Care-Arbeit laste in der deutschen Gesellschaft zu 80 Prozent auf den Schultern der Frauen, kritisiert Birgit Reiche, Pfarrerin und Einrichtungsleiterin bei der Evangelischen Frauenhilfe Westfalen in ihrem Gastvortrag. Diese Care-Arbeit sei entweder unbezahlt oder häufig unterbezahlt.

Care-Arbeit besser absichern

"Wenn wir Frauenarmut verhindern wollen, muss soziale Arbeit vernünftig honoriert werden – auch in den unteren Gehaltsgruppen." Doch das wird von den Kostenträgern nicht refinanziert, weiß die Theologin. Sie arbeitet bei einem Mitgliedsverband mit 45.000 Frauen, der auch Träger von Einrichtungen in der Altenpflegeausbildung, Alten- und Behindertenhilfe sowie Anti-Gewalt-Arbeit ist.

In die Beratung von Opfern von Menschenhandel und Prostituierten habe ihr Verband in den letzten zwei Jahrzehnten mindestens eine Million Euro an Eigenmitteln, Spenden, Kollekten und kirchliche Zuschüsse gesteckt, erzählt sie. Ihr Fazit: "Man muss viel Geld mitbringen, wenn man Frauen helfen will. Das muss sich ändern!"

Frauenrechte in der Pandemie nicht vergessen

Um eine Gleichstellung zu erreichen und Frauenarmut zu verhindern, müsse an vielen Stellschrauben gedreht werden, betont Heike Moerland. Sie reichten von einer Verbesserung der Einkommenschancen für Frauen, einem Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung, mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten bis hin zu einer familien- und frauenfreundlicheren Steuer- und Rentenreform. "Es liegen schon viele gute Vorschläge auf dem Tisch der Politiker und Arbeitgeber. Der Weltfrauentag mahnt uns, dass wir sie in der Pandemie nicht vergessen, sondern uns jetzt umso mehr für die Rechte von Frauen einsetzen."

Bei Interesse können Sie das aktualisierte Programm abrufen. Für Anmeldungen und Interviews steht Heike Moerland gerne zur Verfügung: h.moerland@diakonie-rwl.de; Tel.: 0211 6398-330