Dienstag, 21. Januar 2020

Familienplanung darf keine Sache des Geldes sein

Diakonie RWL fordert kostenfreie Verhütungsmittel für Frauen mit geringem Einkommen

Düsseldorf, 21. Januar 2020. Familienplanung ist ein Menschenrecht. Doch viele Frauen in Deutschland können sich Pille oder Spirale nicht leisten. In ihrer Not wenden sie sich regelmäßig an die rund 50 Schwangerenberatungsstellen im Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL). Diese helfen mit Spendengeldern oder Mitteln aus kommunalen Fonds, die zu Anfang des Jahres in vielen Städten neu aufgelegt werden. 

Ihr Ansprechpartner
Heike Buschmann
Referent/in

Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung

, Geschäftsfeld Familie und junge Menschen
Weitere Informationen
Ein Artikel zum Thema:
Familie Frauen Bildung

"Allerdings sind die Bedingungen, welche Frau wann wie viel Geld daraus erhält, höchst unterschiedlich", erklärt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann. "Die Kostenübernahme ist der reinste Flickenteppich. Wir brauchen endlich eine bundesweit einheitliche, verlässliche Regelung. Sichere Verhütung darf keine Frage des Geldes sein."

Hoher Bedarf an kostenfreien Verhütungsmitteln

Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten verschreibungspflichtige Verhütungsmittel nur bei Frauen bis zum vollendeten 22. Lebensjahr. Danach muss jede Frau die Anti-Baby-Pille oder Spirale selbst bezahlen. Die günstigste Pille kostet auf den Monat gerechnet etwa 12 Euro. Eine Spirale, die drei bis fünf Jahre hält, liegt bei rund 400 Euro. Bis 2004 wurden die Kosten für ärztlich verordnete Mittel noch von den Sozialämtern übernommen. Heute sind sie für Hartz-IV-Bezieherinnen im Regelsatz enthalten. Er liegt bei 17 Euro monatlich für die gesamte Gesundheitspflege. 

"Das ist zu wenig, um sichere Verhütungsmittel zu kaufen", kritisiert Christan Heine-Göttelmann. "Frauen, die Hartz IV erhalten, sind daher auf eine Unterstützung durch kommunale Fonds angewiesen." Wie hoch der Bedarf ist, zeigt das Beispiel der 90.000-Einwohner-Stadt Düren. Hier gibt es seit September 2019 einen Verhütungsmittelfonds mit rund 15.000 Euro. Bereits drei Monate, nachdem er eingerichtet wurde, war das Geld vergeben. 

"Es wäre schön, wenn wir in diesem Jahr mehr Geld zur Verfügung hätten. Aber es ist immerhin ein Anfang", meint Kerstin Carbow von der diakonischen Schwangerenberatungsstelle der Evangelischen Gemeinde zu Düren. "Es ist eine unglaubliche Erleichterung für die Frauen, wenn sie keine Angst mehr vor einer ungewollten Schwangerschaft haben müssen. Dann ist der Kopf wieder frei für andere Themen wie Ausbildung, Job, Erziehung oder Wohnung."

Je ärmer, desto mehr ungewollte Schwangerschaften

Der Zusammenhang zwischen Armut und ungewollten Schwangerschaften ist durch Studien längst bestätigt. So zeigt eine Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, dass die Zahl der ungewollten Schwangerschaften bei Frauen, die Sozialleistungen erhalten, dreimal höher ist als bei Frauen, die gut verdienen. 

Auch das jüngst abgeschlossene bundesweite Modellprojekt "biko" bestätigt, dass Familienplanung vom Geldbeutel abhängt. Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden in sieben Städten die Kosten für verschreibungspflichtige Verhütungsmittel für Frauen mit geringem Einkommen übernommen. Jede zweite Frau gab in der Evaluations-Befragung an, sie würde ohne die finanzielle Unterstützung durch das Projekt entweder gar nicht oder mit einer deutlich unsichereren Methode verhüten.

Weitere Hintergrundinformationen gibt es auf der Website der Diakonie RWL: www.diakonie-rwl.de/kostenlose-verhuetungsmittel