27. März 2020

Nachbarschaftshilfen in der Corona-Krise

Denn gemeinsam sind wir viele

Das Corona-Virus hat die Welt fest im Griff: Unsere Bewegungsfreiheit hat sich drastisch verändert und Hilfestellungen im häuslichen Umfeld drohen wegzubrechen. Gerade für alte Menschen ist das ein Problem. Wer ein erhöhtes Infektionsrisiko hat und nicht auf sein eigenes soziales Netz zurückgreifen kann, dem drohen existenzielle Nöte. Es braucht die Unterstützung von Menschen der direkten Nachbarschaft. Die Diakonie RWL gibt Tipps zur Vernetzung vor Ort. 

  • Denen helfen, die Zuhause bleiben müssen: Freiwillige können Risikogruppen unterstützen.

In Zeiten der Corona-Pandemie benötigen zunehmend mehr Menschen zu Hause Unterstützung. Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko, alte Menschen und Menschen in häuslicher Isolation können sich selber nicht mehr mit dem Nötigsten versorgen. Damit stehen sie vor ganz elementaren Problemen der Versorgung, Betreuung, Assistenz und sozialer Isolation. Ob es das Einkaufen gehen ist, das Abholen eines Medikamentes, das Ausführen des Haustieres oder aber ein Telefongespräch, eine Online Unterhaltung und vieles mehr. Alles was an Kontakten und Zuwendung ohne persönlichen Kontakt möglich ist, erleichtert Menschen die Einsamkeit, Ängste und Sorgen in der Zeit der Quarantäne und viele, existenzielle Nöte. 

In dieser Ausnahmesituation wollen wiele Menschen helfen und sind in der Lage unterschiedliche Unterstützungsangebote zu machen. Da wo professionelle Dienste in der derzeitigen Situation überlastet sind, wo Leistungen zum Schutz der eigenen Mitarbeitenden eingeschränkt oder eingestellt werden müssen, ist es sinnvoll kreativ zu werden, alternative Unterstützungen abzustimmen, zu organisieren und zu koordinieren.

Grünes Telefon mit Notizblock

Miteinander in Kontakt kommen: "Greifen Sie zum Telefonhörer und vernetzen Sie sich mit den Vereinen und Initiativen vor Ort", rät Diakonie RWL-Referentin Elisabeth Selter-Chow.

Nachbarschaftshilfen vor Ort organisieren

Hier können Diakonische Werke und Einrichtungen, Kirchenkreise und Gemeinden mit vielen Kooperationspartnern vor Ort hilfreiche Netzwerke auf ganz kurzem Weg knüpfen und Nachbarschaftshilfen in einzelnen Quartieren verlässlich organisieren. Dazu gibt Elisabeth Selter-Chow, Referentin für Sozialraum- und Quartiersentwicklung in der Diakonie RWL, einige nützliche Tipps mit auf den Weg:

Vorhandene Strukturen vor Ort nutzen und Verbindungen herstellen: 
 
  • Gibt es ein Seniorenzentrum oder ein Begegnungszentrum vor Ort, das die Menschen kennt, die nicht versorgt sind? Stimmen Sie eine Koordination der Hilfeleistungen ab.
  • Gibt es ein Jugendzentrum oder eine gemeindliche Kinder- und Jugendarbeit, deren Mitarbeitende Kontakte zu Jugendlichen haben und/oder sie zu Unterstützungsleistungen mobilisieren können? Nehmen Sie Kontakt auf.
  • Starten Sie Aufrufe in der Öffentlichkeit. Vielleicht gibt es Lehrer, Studierende, ältere Jugendliche die Sie vor Ort unterstützen wollen.
  • Stimmen Sie sich mit den Tafeln vor Ort ab, denn die Tafeln bringen an vielen Standorten bereits finanziell bedürftigen Menschen Lebensmitteltaschen nach Hause.
  • Vernetzen Sei sich mit den Hilfen für Wohnungslose und mit dem betreuten Wohnen für Menschen mit Einschränkungen, denn dort kommen Hilfeanfragen an.
  • Fragen Sie bei Bürgervereinen, Sportvereinen um Unterstützung an.

Digitale Kommunikation nutzen

  • Bringen Sie sich selbst mit Ihren Kontakten in jetzt schon vorhandene Unterstützungsnetzwerke ein. Informationen finden Sie über die Homepages der Städte und Gemeinden.
  • Machen Sie ihre Nachbarschaftshilfe auf den Homepages der Städte und Gemeinden bekannt.

Richten Sie eine Online-Plattform ein, auf der sich zum einen Freiwillige melden und ihre Unterstützungsangebote anbieten und zum anderen Menschen eine Hilfeanfrage starten können. Hier kann der Hilfesuchende sofort ein Angebot abrufen und einen direkten Kontakt herstellen – Weisen Sie explizit auf datenschutzrechtliche Bestimmungen zur Freigabe personenbezogener Daten hin. Stellen Sie Haftungsausschlüsse sicher.
Richten Sie eine telefonische Hotline Nummer ein und stellen Sie eine Erreichbarkeit für definierte Zeiten sicher. Hierüber können Hilfesuchende und Hilfeanbietende in Verbindung gebracht werden. Achten Sie auch hier auf die datenschutzrechtlichen Bestimmungen zur Freigabe von personenbezogenen Daten. Stellen Sie Haftungsausschlüsse sicher.

Schutz der Freiwilligen

  • Stellen Sie kontaktlose Übergaben sicher und weisen auf die Vorsorgerichtlinien hin.
  • Fragen Sie bei Psychologen um Unterstützung für die Helfenden an. Denn gerade bei schwierigen Situationen und im Umgang mit verzweifelten Menschen kann es leicht zu Überforderungssituationen kommen. 

Adressen für den Aufbau der Nachbarschaftshilfe

Die folgenden Adressen können Sie beim Aufbau der Nachbarschaftshilfe unterstützen:

  • Ein digitales „schwarzes Brett“ liefert die Nebenan Stiftung unter nebenan.de 

Die Website bietet Informationen und Materialien für Ihre Nachbarschaftshilfe vor Ort, insbesondere zur aktuellen Situation. Sie können sich dort mit Ihrem Angebot registrieren lassen

  • Finanzielle Soforthilfe zur Sicherstellung von Assistenzleistung und Begleitung, sowie Lebensmittelversorgung für bedürftige Menschen, Menschen in Notlagen und Menschen mit Einschränkungen wird durch die Aktion Mensch zur Verfügung gestellt. Gefördert werden freie und gemeinnützige Einrichtungen mit Sitz in Deutschland.

  • Die Friedrich-Ebert-Stiftung  hat Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement in der Corona-Krise übersichtlich zusammengefasst. Hier gibt es Informationen und Links zu "Wo" und "Wie" man sich nachbarschaftlich engagieren kann, gute Beispiele und neue Formate des nachbarschaftlichen Engagements und Tipps zu digitalen Kulturangeboten. 

Text: Elisabeth Selter-Chow, Fotos: Pixabay

Ihr/e Ansprechpartner/in
Elisabeth Selter-Chow
Referent/in

Quartiersentwicklung

Weitere Informationen
Bewerten Sie diesen Artikel
Durchschnittliche Bewertung: 4.8 (4 Stimmen)