15. Oktober 2019

Die Grünen Damen und Herren

Grüne Helfer am Krankenbett

Sie hören zu, spenden Trost, machen kleine Erledigungen und sind für die Patientinnen und Patienten da. Seit 50 Jahren sind die Grünen Damen in Krankenhäusern im Einsatz – seit 40 Jahren drehen auch Grüne Männer ihre Runden. Heute wird das Jubiläum in Bonn-Bad Godesberg gefeiert. Wir nehmen die Feier zum Anlass, um die Arbeit der Ehrenamtlichen im Evangelischen Krankenhaus Mettmann vorzustellen.

  • Im Einsatz für die Patientinnen und Patienten im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann: Christine Heddrich (von links), Ilse Kleine-Doepke, Marlis Meinhard und Luise Kliss.

Ein leises Klopfen, dann öffnet Christine Heddrich die Tür und wirft einen vorsichtigen Blick in das Krankenzimmer. "Guten Morgen", sagt sie freundlich, "ich komme von der Evangelischen Krankenhaushilfe. Kann ich Ihnen etwas Gutes tun?" Auf die Gesichter der beiden älteren Damen, die auf Station 3 im Evangelischen Krankenhaus in Mettmann liegen, schleicht sich ein Lächeln. Sie kennen die großen geflochtenen Körbe und die Damen und Herren in den grünen Kitteln bereits und wissen, wen sie vor sich haben. Schließlich kommen die Grünen Damen im Krankenhaus zweimal in der Woche auf die Zimmer. 

Sie sei gerade operiert worden, aber sie habe genug zu Lesen und auch sonst keine Fragen oder Wünsche, sagt eine der beiden Frauen. Christine Heddrich fragt nach: Ob alles gut gelaufen sei? Wer sie operiert habe? Und dann hebt sie lachend ihre Knie: "Beide neu", sagt sie, "das hat alles hervorragend geklappt."

Kleine Erledigungen für die Patienten

Und schon sind die beiden im Gespräch – über dieses und jenes. Und irgendwann fällt der Dame im Krankenbett ein, dass gestern beim Telefonat mit der Tochter plötzlich die Wertkarte leer gewesen sei. Schon ist Christine Heddrich in ihrem Element. "Ich lade die Karte für Sie auf", sagt sie kurzerhand, lässt sich das entsprechende Geld aushändigen und ist schon unterwegs in die Eingangshalle. "Es sind so kleine Dinge", sagt die Grüne Dame aus Mettmann, während sie die Karte auflädt. "Aber damit können wir Menschen eine große Hilfe sein."

Und genau deswegen ist sie schon vor Jahrzehnten zu dem besonderen Ehrenamt angetreten. Sie will helfen – ganz praktisch und wenn Patienten sich das wünschen auch mit einem ehrlichen Gespräch und geistlicher Ermutigung. "Aber das entscheidet jeder selbst", sagt sie, "wir sind hier nicht, um zu missionieren."

Die Grünen Damen haben Zeit für ein Gespräch im hektischen Krankenhausalltag.

Die Grünen Damen haben Zeit für ein Gespräch im hektischen Krankenhausalltag.

Menschen helfen, die keine Angehörigen haben

Die Grünen Damen im Krankenhaus in Mettmann wollen Patienten bei den Fragen unterstützen, für die das Pflegepersonal keine Zeit mehr hat. Zeitschriften kaufen, Telefonkarten aufladen, sich um das Internet kümmern. "Manchmal machen wir uns auch auf den Weg in die Stadt, weil ein Patient seine Brille verloren hat und nun ein Ersatzmodell braucht", sagt Marlis Meinhard, die ebenfalls als Grüne Dame im Einsatz ist. Vor allem dann, wenn Menschen keine Angehörigen haben, gehen sie häufig auf die Frage  "Kann ich Ihnen etwas Gutes tun?" ein.

Als Christine Heddrich in das Krankenzimmer zurückkehrt, strahlt die Dame. "Toll", sagt sie, "das war eine große Hilfe." Die beiden sprechen nur kurz, dann bricht Christine Heddrich auf – sie hat noch viele Zimmer vor sich. Aber bevor sie die Tür hinter sich schließt, wirft sie noch einen letzten Blick in das Zimmer: "Bleiben Sie behütet." Erst dann geht sie weiter. Und was sie sagt, das meint sie auch. Sie will den Menschen, die Angst vor der Zukunft haben, vor einer Operation stehen oder mit ihrer Krankheit hadern, Mut zusprechen und Gottes Segen.

In einigen Krankenhäusern wie dem Krankenhaus in Mettmann organisieren die Grünen Damen und Herren eine Buchausleihe.

In einigen Krankenhäusern wie dem Krankenhaus in Mettmann organisieren die Grünen Damen und Herren eine Buchausleihe.

Kleine Bücherei dabei

Im nächsten Zimmer liegt ein junger Mann. Nein, mit Kirche, Grünen Damen oder Seelsorge wolle er nichts am Hut haben, sagt er empört und verweist Christine Heddrich laut des Zimmers. Sie erklärt kurz, dass sie nur helfen wolle und ist dann auch schon vor der nächsten Tür. "Das gehört dazu", sagt sie, "nicht jeder will uns bei sich haben." Als persönlich verletzend empfinde sie das nicht mehr. Die meisten Patienten sind an diesem Vormittag aber sehr höflich und freuen sich über den Besuch. Viele empfangen die Grüne Dame bereits mit den Worten "Ich brauche nichts." Andere werfen einen Blick in den großen Korb und lassen sich die Liste der kleinen Bücherei geben, die die Grünen Damen pflegen.

Mehr als zwei Stunden ist sie an diesem Vormittag unterwegs – erst auf Station 3 und dann auf der Intensivstation. Währenddessen haben ihre drei Kolleginnen die anderen Stationen unter sich aufgeteilt – immer in Absprache mit dem Pflegepersonal. Insgesamt 17 Grüne Damen und ein Grüner Herr gehören zu der Gruppe der Ehrenamtlichen, die im Krankenhaus in Mettmann im Einsatz ist – mit ihnen lassen sich die drei Einsätze pro Woche bisher gut besetzen.

Rund 620 der 7650 Grünen Damen und Herren sind Männer.

Rund 620 der 7650 Grünen Damen und Herren sind Männer.

Scheu der Männer ist oft größer

"Wir werben sehr für den Einsatz der Männer", sagt Reinhard Fluß – der einzige Grüne Herr in Mettmann. Aber vielleicht sei die Scheu bei Männern oft größer, sich der sensiblen Aufgabe zu stellen. Dabei habe er selbst gute Erfahrungen gemacht – vor allem auch im Gespräch mit männlichen Patienten. Ins kalte Wasser geworfen wird in Mettmann keiner der Ehrenamtlichen. Jeder könne so lange die erfahrenen Grünen Damen und den Grünen Herr begleiten, bis er sich traue, auch alleine eine Runde zu übernehmen. Was man als Ehrenamtlicher mitbringen solle, um Grüne Dame oder Grüner Herr zu werden? "Einfühlungsvermögen und viel Zeit", sagt Fluß, "wir sollten nicht unter Zeitdruck stehen, wenn wir zu den Patienten gehen."

Denn die Grünen Damen lassen kein Zimmer aus, sie verteilen die Zeitschrift "Sonntagsgruß" dort, wo sie willkommen ist. Sie hinterlassen gute Wünsche für Operationen. Sie nehmen sich Zeit. "Es ist uns wichtig, den Menschen zu signalisieren: Da ist einer, der hat Zeit für dich und lässt sich auf ein Gespräch ein", sagt Marlis Meinhard. Ruhe und Gelassenheit sei wichtig für diese Aufgabe, denn man wisse nie, welcher Mensch mit welcher Geschichte hinter der Tür warte.

Text und Foto: ekir.de/Theresa Demski

Ihr/e Ansprechpartner/in
Karen Sommer-Loeffen
Referent/in

Bahnhofsmission, Ehrenamt, Hospizarbeit

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Die Grünen Damen und Herren
Die Ehrenamtlichen-Organisation der Grünen Damen und Herren wird 50 Jahre alt. Die Evangelische Kranken- und Alten-Hilfe (eKH) mit Sitz in Bonn feiert das Jubiläum am 15. und 16. Oktober mit einer Bundestagung. Brigitte Schröder gründete 1969 nach dem Vorbild des US-amerikanischen "Volunteer Service" die Evangelische Krankenhaushilfe. Deren ehrenamtlich Mitarbeitende wurden wegen ihrer grünen Kittel von den Patienten dann "Grüne Damen" genannt. Längst gehören auch Männer zu den Teams in den Krankenhäusern, sie machen bundesweit 619 von 7646 Freiwilligen aus. Grüne Damen und Herren sind derzeit in 396 Krankenhäusern und 133 Altenhilfeeinrichtungen aktiv.