23. Januar 2018

Grüne Damen und Herren

Mehr als ein paar tröstende Worte

Wer ins Krankenhaus kommt, ist oft aufgeregt und ängstlich. Der Klinikbetrieb nimmt darauf wenig Rücksicht. Die Grünen Damen und Herren füllen hier eine Lücke. Sie haben Zeit, hören zu und machen kleine Besorgungen. Ein Ehrenamt, das anspruchsvoller ist als es zunächst aussieht. Im Diakoniewerk Essen legt man deshalb viel Wert auf professionelle Begleitung und Schulung.

Die Grünen Damen haben Zeit für ein Gespräch im hektischen Krankenhausalltag.

Sie heißen "Grüne Damen und Herren", weil sie während ihres Dienstes im Krankenhaus einen grünen Kittel tragen. In den Senioreneinrichtungen ist das nicht mehr üblich. Vor über 40 Jahren gegründet, sind die Teams der Ehrenamtlichen aus vielen deutschen Kliniken und Senioreneinrichtungen nicht mehr wegzudenken.

Dieser Besuchsdienst, der in der Evangelischen Kranken- und Altenhilfe organisiert ist, nimmt sich Zeit für Gespräche am Krankenbett, geht für Patienten einkaufen, hilft, sich in der Klinik zurechtzufinden oder geht mit Bewohnerinnen und Bewohnern, die in einer Senioreneinrichtung leben, spazieren. Bundesweit gibt es 9.000 ehrenamtliche Grüne Damen und Herren in mehr als 600 Krankenhäusern und Altenhilfe-Einrichtungen.

Claudia Hartmann

Vom Small-Talk bis zum Krisengespräch

"Manchmal führen unsere Grünen Damen und Herren einen kurzen Small Talk", berichtet Claudia Hartmann, Ehrenamts-Koordinatorin im Diakoniewerk Essen. "Es können aber auch längere Krisengespräche sein, zum Beispiel bei schwierigen Diagnosen auf onkologischen Stationen." 

Eine große Bandbreite an Anforderungen also, auf die die Ehrenamtlichen nach Ansicht von Claudia Hartmann gut vorbereitet werden sollten. Sie setzt sich daher für eine Qualifizierung der Grünen Damen und Herren vor Ort ein.

Ein Spaziergang, Krisengespräche oder ein Small-Talk: Die Bandbreite der Aufgaben ist groß.

Gut geschulte Ehrenamtliche

"Bei uns nehmen alle, die sich als Grüne Dame oder Grüner Herr engagieren möchten, an einem dreiteiligen Einführungskurs teil", berichtet die Ehrenamts-Koordinatorin. Was in Essen selbstverständlich ist, gilt längst nicht überall. Doch das soll sich ändern.

Die Evangelische Kranken- und Altenhilfe hat bundesweit einheitliche Qualifizierungs-Standards entwickelt. Dazu gehört, dass die Ehrenamtlichen in ihren Fortbildungen mehr über die steigenden Herausforderungen im Pflegesektor und die besonderen Situationen von Patienten und Bewohnern lernen.

Auch "Grüne Herren" engagieren sich.

Wichtig: Verschwiegenheit

Beim Diakoniewerk Essen werden die angehenden Grünen Damen und Herren – die meisten sind über 60 Jahre – an drei Tagen in Themen wie Gesprächsführung oder Kontaktmöglichkeiten mit demenziell veränderten Menschen eingeführt. Auf dem Programm stehen aber auch Themen wie Verschwiegenheit und seelsorgliche Kurzgespräche.

Besprochen wird ebenfalls, was nicht zum Aufgabenbereich der Grünen Damen und Herren gehört, weil es zum Beispiel gesetzlich nicht erlaubt ist : Essen reichen oder hauswirtschaftliche Hilfen. Wünsche, die immer mal wieder von Patienten oder von Pflegern vorgetragen werden.

Die Grünen Damen stehen für Nächstenliebe in Krankenhaus und Pflegeheim.

Bedarf an Begleitung ist riesig

In Essen sind insgesamt 140 Engagierte in den Kliniken und Altenheimen unterwegs. Sie besuchen die Patienten oder Bewohner einmal in der Woche für drei bis vier Stunden. Knapp vier Prozent sind Grüne Herren.

Claudia Hartmann wünscht sich mehr Ehrenamtliche, denn der Bedarf an Begleitung und Unterstützung sei riesig, meint sie. Wichtig ist für sie, dass die freiwilligen Helfer freundlich, verschwiegen und kooperativ sind. Sie sollten aber auch Einfühlungsvermögen mitbringen.

In einigen Krankenhäusern organisieren die Grünen Damen und Herren eine Buchausleihe.

Verpflichtende Hospitanz

Wer sich als Grüne Dame oder Grüner Herr engagieren möchte, hospitiert in der Regel sechs Wochen in einer Klinik oder einem Altenheim. Eine Zeit, in der die Gelegenheit besteht, die Aufgaben als Grüne Dame oder Grüner Herr und auch das Mitarbeiterteam der Kliniken oder Altenheime kennenzulernen. Teamgespräche unterstützen das ehrenamtliche Engagement.

"Wir freuen uns über jeden, der sich ehrenamtlich engagieren möchte und überlegen miteinander, welche Aufgabe die passende sein könnte", erzählt Claudia Hartmann. Manche Ehrenamtliche suchen beispielsweise eine weniger intensive Aufgabe. Dann wäre es denkbar, sich in der Buchausleihe einer Klinik zu betätigen.

Porträt Karen Sommer-Loeffen

Karen Sommer-Loeffen will gute Projekte durch bessere Vernetzung bekannter machen. 

Ehrenamt braucht Hauptamt

Für die Ehrenamtsexpertin der Diakonie RWL, Karen Sommer-Loeffen, sind klare Absprachen eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Doch ebenso entscheidend ist für sie eine gute Qualifizierung und professionelle Begleitung der Grünen Damen und Herren. "Wer Menschen im Krankenhaus zur Seite steht, braucht gutes Handwerkszeug, das gelernt werden kann. Da reicht nicht einfach aus dem Bauch heraus ein tröstendes Wort."

Beim Diakoniewerk Essen können sich die Ehrenamtlichen in Teamgesprächen miteinander austauschen. Die Zusammenarbeit mit Pflegepersonal und Ärzten oder der Kontakt mit den Patienten oder Bewohnern ist dort beispielsweise ein Thema. Die Grünen Damen und Herren können aber auch Gespräche mit den Krankenhausseelsorgern in Anspruch nehmen, etwa wenn sie mit  schweren Erkrankungen oder Tod konfrontiert sind.

Das Ehrenamt ist eine Chance, auch im Ruhestand noch etwas Neues zu lernen.

Chance, sich weiterzuentwickeln

Viele engagieren sich, weil sie etwas Sinnvolles tun möchten. Zudem sehen sie in ihrem Ehrenamt eine Chance, auch im Ruhestand noch etwas Neues zu lernen und zu reflektieren. "Es ist eine sinnstiftende selbstgewählte Aufgabe und die Möglichkeit sich auch mit mit über 60 Jahren noch weiterzuentwickeln", weiß Claudia Hartmann. Viele schätzen aber auch das gute Klima in den Gruppen. Da entstehen neue Kontakte und auch Freundschaften.

Doch auch für die evangelischen Kliniken sind die Grünen Damen und Herren unverzichtbar, meint Ehrenamtsexpertin Karen Sommer-Loeffen. "Im oft hektischen Klinikalltag stehen sie für christliche Werte und Nächstenliebe. Sie machen das diakonische Profil erlebbar."

Text: Sabine Portmann, Fotos: Diakoniewerk Essen

Ihr/e Ansprechpartner/in
Karen Sommer-Loeffen
Bahnhofsmission, Ehrenamt, Hospizarbeit
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