Montag, 23. September 2019

Bahnhofsmission unterstützen

Diakonie RWL fordert bessere Finanzierung

Düsseldorf/Münster, 23. September. 5 gespendete Cent pro verkauftem Bahnticket an die Bahnhofsmission – mit dieser Idee setzt sich das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) für eine verlässliche Finanzierung der Bahnhofsmissionen ein. Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Hilfsorganisation macht Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann auf die prekäre finanzielle Lage der Einrichtungen aufmerksam. 

Ihr Ansprechpartner
Karen Sommer-Loeffen
Referent/in

Bahnhofsmission, Ehrenamt, Hospizarbeit

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Ehrenamt

"Die Belastung der Träger ist immens", betont Heine-Göttelmann. Viele gerieten in Schieflage. Eine freiwillige Möglichkeit zur Spende bei jedem Ticketkauf könnte die Bahnhofsmissionen entlasten. Wenn jeder Bahnfahrer freiwillig pro gekauftem Ticket 5 Cent spenden würde, könnten bei rund 156 Millionen verkauften Fahrscheinen jährlich, 75.000 Euro an jede der 104 Bahnhofsmissionen ausgezahlt werden.

"Die sozialen Hilfen am Bahnhof sind unverzichtbar", begründet Heine-Göttelmann den Aufruf zur Einrichtung eines Spenden-Feldes beim Fahrkartenkauf. "In den Städten gibt es eine Vielzahl sozialer Hilfen, die aber eine zunehmende Zahl von Menschen offensichtlich nicht erreicht".

Bahnhofsmission als letztes Sicherheitsnetz

"Die Bahnhofsmissionen sind ein letztes Sicherheitsnetz für alle, die nicht, noch nicht oder nicht mehr durch andere Angebote erreicht werden", bestätigt Karen Sommer-Loeffen vom Fachverband der Evangelischen Bahnhofsmissionen in der Diakonie RWL. Im Schnitt suchten jährlich 1,7 Millionen Menschen den Kontakt zu den Bahnhofsmissionen in Rheinland-Westfalen-Lippe. Armutserfahrungen und psychische Erkrankungen würden bei den Gästen merklich zunehmen.

Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, investierten die Träger mehr Geld in die Schulung der Ehrenamtlichen sowie in zusätzliche Stellen für Sozialarbeiter. "Das Geld dafür stammt aus Eigenmitteln und Spenden", sagt Sommer-Loeffen. Eine verlässliche Planung der Angebote und Schulungen sei dadurch kaum möglich.

Ehrenamt braucht Hauptamt

Die Personalkosten machten das Gros der Kosten aus: Eine Bahnhofsmission benötige im Schnitt 60.000 Euro pro Jahr. Bundesweit engagierten sich 2.000 Ehrenamtliche und 380 Hauptamtliche. "Ehrenamt braucht aber Hauptamt", betont Sommer-Loeffen. Bei der Vielzahl an unterschiedlichen sozialen Fragen sei es wichtig, die Ehrenamtlichen nicht alleine zu lassen und ihnen mit hauptamtlichen Sozialarbeitern kompetente Ansprechpartner zur Seite zu stellen.

"Bahnhofsmissionen fallen häufig durchs Raster", kritisiert Heine-Göttelmann. Dadurch, dass sich die sozialen Hilfen am Bahnhof grundsätzlich an alle Menschen richten, kämen viele Fördertöpfe nicht in Frage. Spendeten Bahnfahrer pro gekauftem Ticket eine bestimmte Summe – zum Beispiel 5 Cent – an die Bahnhofsmissionen, könnte das Missionen in Schieflage vor der Schließung bewahren. "Wir brauchen neue kreative Ideen, um diese traditionsreiche Hilfsorganisation auf feste Füße zu stellen", argumentiert der Diakonie RWL-Vorstand. "Ich sehe hier auch die Politik in der Verantwortung."

Weitere Hintergrundinformationen gibt es in einem Interview mit Karen Sommer-Loeffen vom Fachverband der Evangelischen Bahnhofsmissionen in der Diakonie RWL. Das Interview ist der Auftakt zur Diakonie RWL-Serie „125 Jahre Bahnhofsmission“: https://www.diakonie-rwl.de/themen/ehrenamt/125-jahre-bahnhofsmission

Bahnhofsmissionen im Gebiet der Diakonie RWL
Im Gebiet des Sozialverbands zwischen Bielefeld und Saarbrücken sind 24 Bahnhofsmissionen mit knapp 500 ehrenamtlichen Helfern aktiv. Neben wohnungslosen Menschen betreuen sie vor allem Flüchtlinge und Arbeitsmigranten aus Süd- und Osteuropa. Mittlerweile hat fast jeder vierte Gast der Bahnhofsmission einen Migrationshintergrund.