22. September 2020

Diakonie-Kampagne

Sichtbarer mit der "Menschenskirche"

Ein Junge mit Downsyndrom, der geschminkt wird, ein altes Ehepaar, Mädchengesichter, die sich nah sind – Mit mehr als 20 Plakatmotiven machen Diakonie und Kirche in Dinslaken ab dem 28. September auf sich aufmerksam. Die Kampagne soll das Miteinander stärken – in einer Zeit, in der Kirchengemeinden kleiner und diakonische Aufgaben größer werden.

  • Geschminkter Junge mit Downsyndrom - Menschenskinder-Kampagne der Diakonie Dinslaken (Foto:mimpki / Adobe Stock)
  • Junge mit Gitarre - Menschenskirche-Kampagne der Diakonie Dinslaken (Foto:Bernd Vonau / photocase.de)
  • Mutter mit zwei Kindern - Menschenskirche-Kampagne der Diakonie Dinslaken (Foto: vanda lay / photocase.de)
  • Einsamer Mann am Fenster - Menschenskirche-Kampagne der Diakonie Dinslaken (Foto: Photocase)
  • Verliebte Mädchen - Menschenskirche-Kampagne der Diakonie Dinslaken (Foto: Mego-studio / photocase.de )
  • Altes lachendes Ehepaar - Menschenskirche-Kampagne der Diakonie Dinslaken (Foto:vanda lay / photocase.de )

"Menschenskinder!" Ein Ausruf des Erstaunens. Dieses Erstaunen wollen auch Kirchenkreis, Diakonie  und Evangelische Kinderwelt in Dinslaken wieder wecken, und zwar über die Bandbreite kirchlicher Aufgaben. "Menschenskirche" heißt die Kampagne, die dieses Erstaunen hervorrufen soll. Am 28. September, dem Montag nach der kommunalen Stichwahl in Nordrhein-Westfalen, startet sie. "Wir sind angetreten, sichtbarer zu werden", sagt Raimund Schulz, Geschäftsführer der Kinderwelt, des vor zehn Jahren gegründeten Verbundes evangelischer Kindertagesstätten. Ihm gehören inzwischen 22 Einrichtungen mit rund 1.500 Kindern aus allen acht Gemeinden des Kirchenkreises an.

Die Kampagne geht auf einen Beschluss der Kreissynode vom November 2019 zurück. Vorausgegangen war, so erzählt Superintendent Friedhelm Waldhausen, ein längerer Priorisierungsprozess, der die zentralen Aufgabenfelder einer kleiner werdenden Kirche für die Zukunft fassen sollte. "Als ich 1986 im Kirchenkreis Dinslaken angefangen habe zu arbeiten, gab es hier 90.000 Gemeindeglieder", sagt der Pfarrer. Heute sind es noch gut 50.000. Am Ende des Priorisierungsprozesses stand fest: Die Diakonie mit ihren Handlungsfeldern soll auch künftig ganz oben stehen, ebenso die Kinderwelt und die Seelsorge.

Friedhelm Waldhausen, Superintendent des Kirchenkreises Dinslaken, will Diakonie und Kirche in seiner Region sichtbarer machen. (Foto: Ev. Kirchenkreis Dinslaken)

Friedhelm Waldhausen, Superintendent des Kirchenkreises Dinslaken, will Diakonie und Kirche sichtbarer machen. (Foto: Jasper Benning)

Gemeinsames und klares Auftreten

Mit der Besinnung auf die Kernaufgaben ging auch der Wunsch nach einem gemeinsamen und klareren Auftreten einher. Ein einheitliches Logo für Kirchenkreis, Diakonisches Werk und Kinderwelt gibt es inzwischen schon.

Auch die Gestaltung der Internetauftritte wird vereinheitlicht. Die Seite der Kinderwelt ist schon fertig, Kirchenkreis und Diakonie gehen mit dem Kampagnenstart Ende September online. Und die Gemeinden können sich ebenfalls anschließen, wenn sie Interesse und Bedarf haben.

Aber dabei sollte es nicht bleiben. "Wir verfolgen mit der Kampagne zwei Ziele", sagt Guido Meyer, der zusammen mit Julia Benning Konzeption und Gestaltung verantwortet. "Wir wollen die große Bandbreite der Aufgaben und Tätigkeiten von Diakonischem Werk, Kirchenkreis und Kinderwelt präsent machen, denn viele Menschen erachten das alles als selbstverständlich, ohne zu wissen, wer dafür verantwortlich ist. Und wir wollen damit auch Vorbehalten und Vorurteilen gegenüber der Institution Kirche entgegentreten."

Portraitbild Guido Meyer

Die Kampagne, die Guido Meyer gemeinsam mit Kollegin Julia Benning konzipiert und gestaltet hat, soll Voruteile gegenüber Kirche entkräften. (Foto: privat)

Eindeutiger Wiedererkennungswert

Zentraler Anker ist dabei das Kunstwort Menschenskirche, eine Verschränkung der Begriffe Menschenskinder und Kirche – und der Versuch, das Zentrum des christlichen Glaubens zu treffen in einer Zeit, in der die Verweildauer von Betrachterinnen und Betrachtern oft nur Sekunden beträgt. "Es geht um eine hohe Merkfähigkeit und einen Wiedererkennungswert", sagt Meyer.

Jeder Versuch, die Komplexität der Aufgaben in ihrer ganzen Breite sprachlich zu fassen, sei ohnehin vergeblich. Kombiniert ist der Begriff mit Bildmotiven, die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen zeigen. Auch hier geht es bewusst nicht darum, ganz konkrete kirchliche Betätigungsfelder darzustellen. "Gezeigt werden offene Situationen mit einem eigenen Interpretationsraum", so Meyer. Ein Junge mit Downsyndrom, der geschminkt wird;, ineinander verschränkte Hände in Nahaufnahme, Gesichter, die sich nah sind – mehr als 20 Motive kommen zum Einsatz.

Die Zielgruppen wechseln , die Absender auch: Mal ist es die Diakonie, mal der Kirchenkreis, mal die Kinderwelt. "Die drei großen Spieler sollen als Einheit wahrgenommen werden", erklärt Julia Benning. Das ist nicht nur auf Kirchenkreisebene gewollt: Eine Stärkung des Miteinanders von Kirche und Diakonie war auch Schwerpunktthema der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland 2020 gewesen.

Portraitfoto Julia Benning

Fotos "mit Seele" waren Julia Benning für die Kampagne wichtig. (Foto: privat)

Ziel: Dinslakener Bürger zeigen

Für seine Kampagne kann der Kirchenkreis Dinslaken auf viel Unterstützung aus Kommune und Politik zurückgreifen: Öffentliche Flächen und Wahlkampfständer werden zum Teil kostenlos zur Verfügung gestellt.

Die Ursprungsidee, Fotos gezielt in Auftrag zu geben, wurde in der Corona-Krise wieder aufgegeben. Die Folge war eine sehr lange Suche nach Stockfotos, "die eine Seele haben", so Benning. Aber "Menschenskirche" soll über die Anfangsphase hinaus tragen und sich längerfristig etablieren. Später sei geplant, die Kampagne nach und nach "mit Dinslakener Menschen zu füllen".

Text: Ekkehard Rüger (ekir), Fotos im Slider: Ev. Kirchenkreis Dinslaken (Photocase/AdobeStock)

Ihr/e Ansprechpartner/in
Sabine Damaschke

Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit

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