8. Juni 2017

Wer macht was bei RWL?

Sabine Prott – Geschäftsfeld Tageseinrichtungen für Kinder

Sabine Prott ist Kind des Ruhrgebiets. Als junger Mensch wollte sie da weg. Dann aber ist sie ihrer Heimatregion doch treu geblieben – genauso wie ihrem beruflichen Lebensthema. "Von der Pike auf" hat sie Erzieherin gelernt. Jetzt leitet sie das Geschäftsfeld Tageseinrichtungen für Kinder. In unserer Reihe "Wer macht was bei RWL?" stellen wir die Kita-Expertin vor. 

Portrait

Sabine Prott

Als Kind, so berichtet die 54-Jährige, die in Essen geboren wurde, wollte sie nur weg aus dem Ruhrgebiet, denn "die Luft war oft schmutzig". Sie ist in Wattenscheid aufgewachsen, hat viele Jahre in Wanne-Eickel gewohnt und lebt jetzt schon lange in Bochum, nur wenige Minuten von der Ruhr entfernt. Die Lebensqualität im Revier hat sich gut entwickelt – so ihre heutige Sicht. Bevor sie am 1. April 2002 zum Landesverband kam, hatte Sabine Prott zwölf Jahre lang eine Evangelische Kindertageseinrichtung in Bochum geleitet.

"Ich habe die komplette kirchliche Sozialisation durchlaufen", so fasst sie die Jahre ihrer Berufsausbildung zusammen. Später studierte sie berufsbegleitend Sozialpädagogik an der heutigen Evangelischen Hochschule Bochum. In ihrem ersten Berufsjahr wurde sie durch ihre Arbeit in einer Kita in einem sozialen Brennpunkt geprägt.

Stark für Kinderrechte

Ein Jahr lang arbeitete Sabine Prott für den Deutschen Kinderschutzbund. Wenn das Jugendamt nicht mehr weiterkam, durfte sie mit ihren Kolleginnen ran. Die aufsuchende Familienarbeit bildete einen Schwerpunkt der Kinderschutzarbeit, hinzukam auch etwa der Aufbau von Mutter-Kind-Gruppen oder die praktische Hilfe im Kleiderladen. Wichtig war auch der Einsatz für Kinderrechte durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit.

Innovative Arbeit der Kitas

Aus heutiger Perspektive muss man die Kindertageseinrichtung, für die sie nach zwei Jahren die Leitung übernahm, als überaus innovativ einschätzen. Bereits 1991 gab es eine Öffnungszeit von 7.00 Uhr bis 17.00 Uhr, zwei männliche Erzieher gehörten zum Team, und es wurden auch Kinder unter drei Jahren aufgenommen. Die Unterstützung des U-3-Ausbaus und der Aufbau von Familienzentren wurden dann wichtige Arbeitsschwerpunkte von Sabine Prott als Referentin beim damaligen Diakonischen Werk Westfalen. 

Ab 2006 zeichnete sich ab, dass das alte Gesetz für die Kindertageseinrichtungen durch das neue Kinderbildungsgesetz "KiBiz" abgelöst werden würde, das dann 2008 in Kraft trat. Hier war viel Lobbyarbeit gefragt, um qualifizierte Bildung und Erziehung für Kinder im Vorschulalter möglich zu machen. 

Qualität mit dem Gütesiegel BETA

Ein wichtiger beruflicher Schwerpunkt für die Fachreferentin Sabine Prott war dann die Entwicklungsarbeit am Bundesrahmenhandbuch "Leitfaden für den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems in Tageseinrichtungen für Kinder – Diakonie-Siegel KiTa / Evangelisches Gütesiegel BETA". Hier engagierte sie sich über die Region Westfalen-Lippe hinaus auf Bundesebene. 

Die Orientierung an guten fachlichen Standards für die frühkindliche Bildung sowie die evangelische Perspektive sind das zentrale Moment dieses Zertifizierungsverfahrens. Von den etwa 1.600 Kitas im Verbandsgebiet der Region Diakonie RWL sind bis jetzt ca. 780 an Qualitätsentwicklungsprozessen des Evangelischen Gütesiegels beteiligt – und es werden immer mehr. 

Kinder, Kirche, Diakonie

Zur evangelischen Qualität einer evangelischen Kindertageseinrichtung gehört naturgemäß die religiöse Bildung. In den Familien wird die Grundbildung in Glaubensfragen immer weniger eingeübt. Das hat die jüngste, fünfte EKD-Mitgliedschaftsstudie herausgearbeitet. Daraus ergeben sich erhöhte Anforderungen an die Kindertageseinrichtungen. Stärker und intensiver als die meisten anderen Handlungsfelder beim Diakonischen Werk Rheinland-Westfalen-Lippe sind die Kindertagesstätten mit der verfassten Kirche verknüpft. 

"Viele Träger der evangelischen Kindertageseinrichtungen stehen mit dem Rücken zur Wand", so charakterisiert Sabine Prott die Situation in ihrem Handlungsfeld. "Das System ist absolut unterfinanziert." Mit den beiden Fachverbänden und den Landeskirchen setzt sie sich für eine sichere Finanzierungs- und damit Handlungsgrundlage ein. 

Inklusion, Integration und Kunst

Das große gesellschaftspolitische Thema der Inklusion und der Integration im weitesten Sinne ist eine weitere Hauptaufgabe in ihrem Geschäftsfeld. Und auch die nur scheinbar eher kleineren Themen der fachlichen Weiterentwicklung hat Sabine Prott fest im Blick, etwa die religiöse Profilbildung und die Fortbildung der Erzieherinnen und Erzieher. 

Von Bochum aus fährt sie mit Zug und Rad zur Dienststelle. Um den Kopf auch mal frei zu kriegen, bringt sie in ihrem Garten die Blumen zum Blühen. Und sie arbeitet künstlerisch. Malen mit Acryl ist ihre bevorzugte Technik. Mit ihrer Ateliergruppe hat sie zum Beispiel jüngst programmatische Musik, die von den Bochumer Symphonikern gespielt wurde, in Formen und Farben umgewandelt. 

Im November 2016 wurde Sabine Prott zur Leiterin des Geschäftsfeldes Tageseinrichtungen für Kinder berufen. Zum Team gehören neben ihr (Stand Juni 2017) Axel Heuckmann, Rainer Paddenberg, Hansjoachim Maier, ab 1. Juli Aylin Höper, Jörg Walther, Dr. Hanna Kaerger-Sommerfeld, Silvia Mendack, Ilse Kleyböcker, Eva Isokeit, Christiane Wogatzke, Klaus Inhetveen und Susann Henschel-Antkowiak. 

Text: Reinhard van Spankeren

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