2. Mai 2017

Wer macht was bei RWL?

Barbara Montag – Stabsstelle Theologie und Grundsatzfragen

Sie baut Brücken zwischen christlichen Werten und diakonischen Werken, Sozialmarkt und Seelsorge – Barbara Montag leitet die neu konzipierte Stabsstelle Theologie und Grundsatzfragen. In unserer Reihe "Wer macht was bei RWL?" stellen wir die Theologin und Diakoniewissenschaftlerin vor. 

Portrait

Barbara Montag

Die Theologin Barbara Montag stammt aus einem eher kirchenkritischen Elternhaus in Ulm. Warum Theologie? "Weil es in der Theologie um alles geht, was das Menschsein ausmacht", sagt sie, "um Glück und Leid, um Leben und Tod, um Trauer und Liebe". Im Studium an den theologischen Hochburgen Göttingen, Heidelberg und Tübingen konnte sie bei Größen der Theologie wie Dorothee Sölle, Jürgen Moltmann, Manfred Josuttis und Eberhard Jüngel studieren. Zum Theologiestudium in Württemberg gehörte allerdings mehr als der Erwerb von Bücherwissen. Zwei halbjährige Praktika hat sie absolviert, eins bei Daimler Benz und eins bei der evangelischen Prostituiertenseelsorge in Berlin.

Zu einer entscheidenden Weichenstellung wurde ihre Mitarbeit an einem Forschungsprojekt am Diakoniewissenschaftlichen Institut in Heidelberg unter Federführung von Theodor Strohm und Gerhard Schäfer. Dieses Projekt widmete sich den allerersten Gemeindefusionen, die damals die badische und die württembergische Kirche aufwühlten. Inzwischen klassisch gewordene diakonische Herausforderungen wie Konsolidierung, Strukturbrüche, Veränderungen ganzer Systeme traten dort schon zutage.

Aus Liebe in Richtung Rheinland

"Der Liebe wegen" zog die Theologin und Diplomdiakoniewissenschaftlerin vor 25 Jahren ins Rheinland – ihr Mann stammt aus Bonn. Ihren süddeutschen Dialekt hat sie bis heute nicht aufgegeben: Sie sagt "Dienscht", nicht "Dienst". Sie hat die rheinische Kirche regelrecht liebgewonnen. Als Pluspunkte sieht sie die Vielfalt, die Fröhlichkeit und die eher großstädtische Perspektive der Protestanten zwischen Kleve und Trier.

Zwei Jahre lang leitete Barbara Montag eine Erwachsenenbildungsstätte im Kirchenkreis Düsseldorf. "Das war ein eher kleiner Betrieb", erinnert sie sich, "aber dort habe ich gelernt, Fragen der wirtschaftlichen Unternehmensführung als genauso wichtig anzusehen wie etwa auch das gute Miteinander von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen."

1994 kam Barbara Montag zum Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche im Rheinland. Sie übernahm Verantwortung in Feldern wie Beratung, Seelsorge, dem ganzen Spektrum der Gemeindediakonie. "Seelsorge war immer mit ein Schwerpunkt", so charakterisiert sie die unterschiedlichen Stationen, die sie beim Landesverband wahrgenommen hat. In jüngster Zeit hat sie sich für den Aufbau guter ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe engagiert und dabei etwa im Herbst 2016 das große Bonner Dankesfest für Ehrenamtliche gemeinsam mit der Evangelischen Kirche im Rheinland organisiert.

Grundsatzfragen und Theologie

Seit dem 1. Juni 2016 leitet Barbara Montag die Stabsstelle Theologie und Grundsatzfragen. Zu ihren Hauptaufgaben gehören die Profilierung kirchlich-diakonischer Themen in Zusammenarbeit mit den Landeskirchen, den Kirchenkreisen und den kirchlichen Hochschulen im Verbandsgebiet sowie die Weiterentwicklung der Grundsatzthemen diakonische Identität und Gemeinwesendiakonie. In diesem Kontext ist sie verantwortlich für die hier engagierten Gremien, etwa die Konferenz der regionalen diakonischen Werke, die Fachverbändekonferenz oder auch Theologische Foren und Fachtagungen.

Was sind aus Sicht der Theologin Barbara Montag die wesentlichen aktuellen Herausforderungen für die diakonische Landschaft? "Das Zusammenspiel von verfasster Kirche und Diakonie in allen Facetten bei den gemeinsamen Themen", nennt sie als erstes. Weiteres Topthema ist für sie die Frage, wie die Freie Wohlfahrtspflege auf den Trend zur Kommunalisierung reagieren kann. In diesen Anfragen sieht sie auch wesentliche Anforderungen an die Arbeit des Landesverbandes Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe begründet. Ihre Position dazu: "Der Landesverband muss diese Prozesse konstruktiv begleiten, und zwar die Strukturprozesse wie auch die Kulturprozesse, und dabei auch mal proaktiv vorangehen."

Theologie und Theater

Wenn sie einmal nicht in Sachen diakonische Identität und Anwaltschaft für die Menschen unterwegs ist, lässt sich Barbara Montag auf dem Motorrad den Fahrtwind um die Ohren wehen – allerdings als Beifahrerin. Mit ihrem Mann geht sie auch schon einmal auf ein "Metallica"-Konzert.

Ihre große Leidenschaft aber gehört dem Theater. Mit großer Begeisterung liest sie gerade die Autobiografie von Claus Peymann. Woher mag Barbara Montags Freude am Theater kommen? Es drängt sich eine Vermutung auf: Auf der Schauspielbühne wie in Theologie, Beratung und Seelsorge steht das Ganze des Lebenstheaters im Mittelpunkt.

Zur Stabsstelle Theologie und Grundsatzfragen gehört neben Barbara Montag noch die Verwaltungsmitarbeiterin Petra Boyko.

Text: Reinhard van Spankeren

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