Seelsorge in der Diakonie RWL

Einblicke, Erfahrungen, Perspektiven

In der Corona-Pandemie fühlen sich viele Menschen alleingelassen und haben Angst. Das Bedürfnis nach Begegnung, Verständnis und Trost hat eine uralte Tradition der Kirche wieder aufleben lassen: die Seelsorge. Wie viele Gesichter sie in der Diakonie RWL hat, welche Kommunikationswege sie nutzt und vor welchen Herausforderungen sie steht, fasst die Broschüre "Seelsorge in der Diakonie RWL" beispielhaft zusammen.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Betende Hände (Foto: pixabay,de)

Reden, zuhören, miteinander beten - in der Corona-Pandemie hat die Seelsorge neue Bedeutung bekommen.

Die Seelsorge wird gerne als "Muttersprache der Kirche" bezeichnet. Doch auch in der Diakonie spielt sie eine entscheidende Rolle. Sie nimmt den Menschen ganzheitlich in den Blick und das bedeutet: Sie setzt sich nicht nur für die Verbesserung der sozialen – und wenn nötig – materiellen Situation von Menschen in Not ein, sondern auch für ihre psychische Gesundheit.

In der Corona-Pandemie haben viele Menschen große Ängste. Mehr als zuvor wenden sie sich an die Telefonseelsorge oder bitten um seelsorgerliche Begleitung in Kliniken und Altenheimen. "Corona schafft offensichtlich eine Situation, die drei menschliche Kernbedürfnisse elementar betrifft und bedroht: Beziehung, Sicherheit und Autonomie", erklärt Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann im Vorwort der neuen Seelsorge-Broschüre. "In diesen herausfordernden Zeiten schafft Seelsorge Raum für unbedingte Wertschätzung, Stärkung und Ermutigung und ist ein Ort, an dem Leid benannt, Sehnsucht ausgedrückt und Hoffnung (neu) formuliert werden kann."

Seelsorge ist Netzwerkarbeit

Wie das in der Praxis aussieht, erzählen Seelsorgende und Geschäftsführer verschiedener diakonischer Werke. Neben klassischen Seelsorgebereichen wie Kliniken, Hospize und Altenheime werden dabei auch die Behinderten- und Wohnungslosenhilfe, die Kinder- und Jugendhilfe sowie die Mitarbeitendenseelsorge in den Blick genommen. Einig sind sich alle Autorinnen und Autoren, dass Seelsorge Netzwerkarbeit ist und sich längst nicht allein auf die Kompetenz von Pfarrerinnen und Pfarrern beschränkt.

"Arbeitsbündnisse von Seelsorgenden unterschiedlicher Kompetenzprofile und Tätigkeitsfelder erscheinen als zunehmend wichtiger: voneinander lernen und gemeinsam arbeiten, zudem im Haupt-, Neben- und Ehrenamt", schreibt etwa Ingo Habenicht, Geschäftsführer des Evangelischen Johanneswerks. Auch Markus Eisele, Theologischer Vorstand der Graf Recke-Stiftung betont, dass Seelsorge in seiner Stiftung nicht nur Sache eines "Berufs-Seelsorgers" sei, sondern es überall Alltagsseelsorge durch die vielen Mitarbeitenden in den Wohngruppen, den Schulen oder den Kitas gebe.

In allen Lebenslagen präsent sein 

Iris Müller-Friege, Evangelische Seelsorgerin des LVR-Klinikums Essen, wünscht sich, dass Seelsorge stärker als vielfältiges Angebot für Menschen in allen Lebenslagen wahrgenommen wird. "Wir Seelsorgenden bemühen uns seit vielen Jahren, die Vorstellung, dass Seelsorge nur für die Gebrochenen, Verlorenen, Austherapierten beziehungsweise nur für die Patienten zuständig ist, zu verändern", schreibt sie. "Doch ich frage mich, ob es nicht auch Tendenzen in der Repräsentation von Kirche und Seelsorge gibt, die diesen Eindruck trotzdem heute eher stützen."

Die vorliegende Broschüre unternimmt den Versuch, diesem Bild entgegenzuwirken. Sie zeigt, wie vielfältig, kreativ und professionell Seelsorge im Verbandsgebiet der Diakonie RWL gestaltet wird.