22. Juni 2019

Resolution auf dem Kirchentag

Bezahlbarer Wohnraum für alle!

Wohnen ist ein Menschenrecht und Voraussetzung für ein gelingendes Leben. Doch immer mehr Menschen können die explodierenden Mieten in Deutschland nicht zahlen. Wohnungslosigkeit nimmt rapide zu. Auf dem Kirchentag wurde am Samstag eine Resolution der Diakonie RWL für mehr bezahlbaren Wohnraum verabschiedet. Auch Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt versprach, sich stärker dafür einzusetzen.

Wohnen ist in Deutschland zur neuen sozialen Frage geworden. Kein Wunder, denn die Nettokaltmieten sind bundesweit seit 1991 von durchschnittlich vier Euro auf über zehn Euro gestiegen. Bei immer mehr Haushalten wird durch steigende Mieten die kritische Grenze von 30 Prozent des Haushaltseinkommens für Wohnkosten überschritten. Die Zahl der Menschen, die wohnungslos werden, weil sie ihre Mieten nicht zahlen können, nimmt zu. Knapp eine Million leben Schätzungen zufolge ohne eigenen Wohnraum in Deutschland.

Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind arbeitslose Menschen, Alleinerziehende, Senioren mit kleiner Rente, Menschen mit Behinderung, Geflüchtete und Familien mit vielen Kindern. Von ihnen kommen immer mehr in die Beratungsstellen der Diakonie und suchen Hilfe. "Wir brauchen fairen Wohnraum für alle. Die Politik muss die Bereitstellung von bezahlbaren Wohnungen stärker fördern als dies bisher geschieht", betont Heike Moerland, Geschäftsbereichsleiterin bei der Diakonie RWL. Die Sozialexpertin hat eine Resolution auf dem Kirchentag eingebracht, die genau das fordert. Sie wurde am Samstag verabschiedet.

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Bitte hier alle Wünsche rund ums Thema Wohnen aufschreiben! Kommunikationschef Reinhard van Spankeren am Stand der Diakonie RWL

Den privaten Wohnungsmarkt regulieren

Die Resolution der Diakonie RWL verlangt von der Bundesregierung, dafür zu sorgen, dass alle Menschen ihr verbürgtes Recht auf angemessenen Wohnraum wahrnehmen können. Sie fordert eine ressortübergreifende Wohnstrategie, die alle Akteure einbezieht: Wohnungswirtschaft, Länder, Städte und Kommunen, aber auch Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeinden, private Initiativen und Betroffene. "Die Bundesregierung soll den privaten Wohnungsmarkt so regulieren, dass auch die Interessen verletzlicher Gruppen berücksichtigt werden", zitiert Heike Moerland aus der Resolution.

Für ihr Anliegen hat die Diakonie RWL auf dem Kirchentag viele Unterstützer gefunden. An ihrem Stand zum Thema Wohnen im Diakonieforum haben viele Besucher ihre Wünsche auf einer Pinnwand hinterlassen. Immer wieder ging es dabei um die Problematik zu hoher Mieten und eine unfaire Verteilung von Wohnraum. Konkret wurde das Thema mit einem Puppenhaus, in dem der wohlhabende Single auf zwei Etagen lebt, während die kinderreiche Familie sich mit einer kleinen Wohnung und ein Wohnungsloser mit einem Schlafsack an der Hauswand begnügen muss.

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Katrin Göring-Eckardt am Stand der Diakonie RWL

Mit Katrin Göring-Eckardt im Gespräch

Am Stand der Diakonie RWL waren Mitglieder der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen präsent, die anschaulich über ihren Weg in die Obdachlosigkeit berichtet haben. Sie kamen nicht nur mit zahlreichen Besuchern des Kirchentags ins Gespräch, sondern auch mit der bekannten Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt. Sie versprach den rund zehn Mitgliedern der Selbstvertretung, die aus ganz Deutschland auf den Kirchentag gekommen waren, sich auf Bundesebene für mehr bezahlbaren Wohnraum stark zu machen und lud sie zu einem Termin nach Berlin ein. Auch CDU-Landtagspolitiker Marco Schmitz suchte das Gespräch mit der Selbstvertretung wohnungsloser Menschen.

Grünen-Chef Robert Habeck nutzte den Kirchentag ebenfalls, um sich für ein Grundrecht auf Wohnen auszusprechen. Wenn man kein Recht auf Wohnen definiere, werde das Problem des Wohnungsmangels nicht ernst genommen, sagte der Parteivorsitzende am Samstag. Wohnen nehme einen ähnlich elementaren Stellenwert ein wie Bildung, Zugang zu Wasser und medizinische Versorgung. "Die Politik muss sich ums Wohnen kümmern", betonte Habeck.

Text: Sabine Damaschke, Fotos: Sabine Damaschke/Christoph Bürgener

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Diakonie auf dem Kirchentag:

Unter dem Motto "Was für ein Vertrauen" präsentiert die Diakonie auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni ihre vielfältige soziale Arbeit. Unter Federführung der Diakonie RWL bringen über 30 Aussteller - Träger, Einrichtungen, Initiativen und Projekte – und rund 360 Mitwirkende zahlreiche diakonische Impulse und Initiativen ein. Eine Bildergalerie dazu gibt es auf unserer Kirchentagsseite.