20. Juni 2019

NRW-Ministerpräsident auf dem Kirchentag

Keine Bühne für Rechtspopulisten

Unter dem Motto "Wir, Ihr und Die! – Zusammenleben und Respekt" hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mit Diakoniepräsident Ulrich Lilie und der NDR-Journalistin Anja Reschke auf dem Kirchentag diskutiert. Dabei zeigte er Verständnis für die Entscheidung der Veranstalter, keine AfD-Politiker einzuladen.

Gruppenfoto

WDR-Moderator Uwe Schulz im Gespräch mit Diakoniepräsident Ulrich Lilie, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Journalistin Anja Reschke (v.l.)

Für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet hat der Deutsche Evangelische Kirchentag vor allem eine ganz große Stärke: "Er macht es möglich, direkt von Mensch zu Mensch miteinander zu reden." Hier könnten sich Menschen gegenübersitzen und unterschiedliche Argumente öffentlich austauschen. Solche Foren, wo jeder  zuhören und mitdiskutieren könne, gebe es sonst so gut wie gar nicht.

Gesagt, getan. Auf der Bühne des Forums Diakonie diskutierte Laschet mit Diakoniepräsident Ulrich Lilie und der bekannten NDR-Journalistin Anja Reschke über den erstarkten Rechtspopulismus, den Vertrauensverlust der Volksparteien und die noch immer andauernde Spaltung der Gesellschaft in Ost- und Westbürger.

Diakonie-Bühne auf dem Kirchentag. Hier soll kein AfD-Politiker sprechen.

Nicht zur Neutralität verpflichtet

"Unser Land lebt vom Dialog und davon, dass wir die Dinge zusammenführen." Dabei müsse der Kirchentag keineswegs Politiker aller Parteien und Meinungen eine Bühne geben, betonte der CDU-Politiker. "Der Kirchentag ist nicht zur Neutralität verpflichtet." Laschet äußerte Verständnis für die kontrovers diskutierte Entscheidung, AfD-Politiker nicht einzuladen. "Wer jeden Tag das Land spaltet, wer gegen andere hetzt, dem muss hier keine Bühne gegeben werden." Es gehe darum, Haltung zu zeigen.

Diakoniepräsident Ulrich Lilie kritisierte, dass die AfD sozial benachteiligte Gruppen bewusst gegeneinander ausspiele, etwa wenn es um bezahlbaren Wohnraum oder Rente gehe. "Wir werden als Gesellschaft bunter und vielfältiger. Das ist eine historisch neue Situation, für die wir gemeinsam Antworten finden müssen." Es sei wichtiger denn je, das verbindende Band in einer Gesellschaft zu suchen, die sich aus ganz unterschiedlichen kulturellen, sozialen und nationalen Milieus zusammensetze, so Lilie.

Kampagnentischschild

All jenen zuhören, die oft "unerhört" sind - Dazu fordert die Kampagne der Diakonie Deutschland auf. Auch auf dem Kirchentag.

Individualisierung der Gesellschaft

Für die Hamburger Journalistin Anja Reschke besteht dieses Band in den demokratischen Grundwerten, die auf den Menschenrechten basieren. "Das ist der gemeinsame Himmel, unter dem wir uns befinden." Das Band, das alle verbinde, sei heute weder bei den Volksparteien oder Kirchen noch im täglichen Einschalten der Tagesschau zu finden, so Reschke. "In unserer Gesellschaft hat sich vieles individualisiert. Die Aufgabe der Journalisten ist es, diese Vielfalt darzustellen." Das sei im Hinblick auf die Menschen in Ostdeutschland keineswegs passiert.

"Wir haben 30 Jahre Mauerfall überwiegend aus Westsicht geschildert", kritisierte Reschke. "Die Abwanderung, Abwertung von Biografien und den Identifikationsverlust, den viele Ostdeutsche empfunden haben, wurde kaum thematisiert." Viel zu oft sei über die "Ossis" statt mit ihnen geredet worden.

Kommune als "Ernstfall der Demokratie"

Diakoniepräsident Ulrich Lilie warb in der Podiumsdiskussion für eine neue Kultur des Zuhörens und Gesprächs. Das müsse vor allem in den Kommunen stattfinden, denn sie seien, so zitierte Lilie den früheren Bundespräsidenten Johannes Rau, "der Ernstfall der Demokratie". Kirche und Diakonie könnten dabei als "Netzwerkknotenpunkte" dienen, denn sie hätten in den Kommunen Zugang zu Menschen mit ganz unterschiedlichen sozialen Hintergründen. "Wo wir das schaffen, bewegt sich etwas", betonte der Theologe.

Text: Sabine Damaschke, Fotos: Christoph Bürgener

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Diakonie auf dem Kirchentag

Unter dem Motto "Was für ein Vertrauen" präsentiert die Diakonie auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund vom 19. bis 23. Juni ihre vielfältige soziale Arbeit. Unter Federführung der Diakonie RWL bringen über 30 Aussteller - Träger, Einrichtungen, Initiativen und Projekte – und rund 360 Mitwirkende zahlreiche diakonische Impulse und Initiativen ein. Eine Bildergalerie dazu gibt es auf unserer Kirchentagsseite.