13. Februar 2018

Klausur Diakonievorstände

Dringend gesucht: Theologen für die Diakonie

In den kommenden Jahren fehlen in der Kirche Tausende Pfarrer. Wer heute Theologie studiert, hat daher das Pfarramt fest im Blick. Doch auch in der Unternehmens-Diakonie ist der Mangel an Theologen bereits zu spüren. Wie kann man den Nachwuchs für die Diakonie begeistern? Eine Frage, die das dritte Theologische Forum der Diakonie RWL jetzt beschäftigt hat.

Gruppenbild

Zwei Theologen, die sich für die Diakonie entschieden haben: Pfarrer Dr. Martin Hamburger (Diakonie Wuppertal) und Pastorin Barbara Montag (Diakonie RWL)

"Überlegungen zur Rolle der Theologie in der Unternehmens-Diakonie" – So war das zweitägige Forum überschrieben, an dem rund 30 theologische Vorstände aus dem Verbandsgebiet der Diakonie RWL in Wuppertal teilgenommen haben. Moderiert wurde das Forum von Pastorin Barbara Montag. Mit dabei war Pfarrer Martin Hamburger, Vorstand der Wuppertaler Diakonie. Warum das Thema des theologischen Nachwuchsmangels die Diakonie beschäftigt, erläutern sie im Gespräch.

Ein Blick in die Tagungsrunde auf dem sogenannten "Heiligen Berg" in Wuppertal zeigt keine jungen Gesichter und auch kaum Frauen. Ist das typisch für die Vorstandsetagen diakonischer Unternehmen?

Martin Hamburger (lacht): Ja, wir sind viele alte Männer. In fünf Jahren wird über ein Drittel der theologischen Vorstände aus dem Verbandsgebiet der Diakonie RWL im Ruhestand sein. Auf Bundesebene sieht es nicht viel anders aus. Auf unseren Klausurtagungen wird sehr deutlich, dass wir ein Nachwuchsproblem haben - und einen Frauenmangel. Zwar sind mittlerweile über 55 Prozent der Theologiestudenten weiblich, aber von ihnen finden nur sehr, sehr wenige den Weg in die Diakonie. Leider.

Diskussionrunde

Männersache Diakonie? An der Klausur nahmen nur zwei Frauen teil.

Frau Montag, Sie gehören zu diesen wenigen Frauen, die als Theologinnen in der Diakonie arbeiten. Wie ist es dazu gekommen?

Barbara Montag: Als Studentin habe ich ein starkes Interesse an sozialpolitisch orientierter Theologie gehabt und mich daher schon im Studium für diakonische Arbeit interessiert. Doch in der praktischen Theologie war das kein Thema. Wir haben viel über Seelsorge, Verkündigung und Religionspädagogik gelernt, doch die Diakonie fehlte. Dabei gab es in Heidelberg das erste Institut für Diakoniewissenschaft. Davon habe ich aber nur erfahren, weil ich irgendwann an dem Türschild vorbeilief und neugierig ins Institut gegangen bin. Dort habe ich dann auch studiert und einen Abschluss in Diakoniewissenschaften gemacht. Mit dem Ergebnis, dass ich dann auch gerne bei der Diakonie arbeiten wollte.

Herr Hamburger, was hat Sie zur Diakonie geführt?

Martin Hamburger: Meine Biografie ist typisch für die vieler theologischer Vorstände. Ich war 15 Jahre lang Gemeindepfarrer und habe mich mit dem Thema Diakonie erst intensiver beschäftigt, als wir in unserer Kirche keine Gemeindeschwester mehr beschäftigen konnten und der Schmerz unter den Gemeindegliedern darüber sehr groß war. Wir haben viel diskutiert und nach Lösungen gesucht, wie wir unsere Diakoniestation so aufstellen könnten, damit die Pflegekräfte genug Zeit für die alten Menschen haben. Die Frage, wie sich diakonische Arbeit so gestalten lässt, dass sie finanzierbar ist, aber gleichzeitig unseren christlichen Werten entspricht, hat mich danach weiter intensiv beschäftigt. Deshalb bin ich vor 15 Jahren als theologischer Vorstand zur Diakonie Wuppertal gegangen. Für mich ist es eine spannende Herausforderung, christlich und unternehmerisch zu denken und zu handeln.

Gruppenbild

Moderatorin Barbara Montag (Mitte) und Diakonie RWL-Vorstand Christian Heine-Göttelmann (dahinter) mit Dozenten und Teilnehmern des Theologischen Forums

Sie bezeichnen Ihren Job also als spannend, herausfordernd und interessant. Was hält dann junge Theologen davon ab, sich in der Diakonie zu bewerben?

Barbara Montag: Die jungen Menschen, die heute studieren, sind sehr stark auf das Pfarramt fixiert. Das ist kein Wunder, denn sie werden dort ja dringend gebraucht. In den nächsten zehn Jahren gehen 40 Prozent der Pfarrer in den Ruhestand. In vielen Kirchengemeinden spielt die Diakonie keine entscheidende Rolle, sondern wird eher als Unternehmen wahrgenommen, mit dem man nicht mehr viel zu tun hat. Es fehlen die Berührungspunkte mit der Diakonie. Und im Theologiestudium werden sie nach wie vor wenig vermittelt. Immerhin müssen die Vikare der rheinischen Kirche mittlerweile ein einwöchiges Praktikum in der Diakonie machen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch es wäre schön, wenn die Diakonie einen prominenteren Platz in der Ausbildung der Theologen bekommen könnte.

Wie wichtig sind den diakonischen Unternehmen denn die theologischen Vorstände? Nicht jedes Werk hat an der Spitze einen Theologen.

Martin Hamburger: Ich finde das schade. Als Diakonie sollten wir unsere christlichen Wurzeln und Grundsätze betonen. Das macht uns aus. Damit unterscheiden wir uns von anderen Wohlfahrtsverbänden. Theologen können hier einen wichtigen Beitrag nach innen, aber auch nach außen leisten. Unsere Verbindung zur Kirche sollte sichtbar bleiben, denn gemeinsam können wir eine Win-Win-Situation schaffen. Das zeigt sich für mich deutlich bei den Kindertagesstätten, in der Flüchtlingshilfe und Quartiersarbeit. Wo Pfarrerinnen und Pfarrer ihre Stadtteile wahrnehmen, da sind die Tore offen für eine Zusammenarbeit mit der Diakonie, aber auch der Kommunalpolitik. Da können wir wirklich etwas für die Bedürftigen in unserer Stadt bewegen.

Das Gespräch führte Sabine Damaschke. Fotos: Sabine Damaschke/Werner Jacken

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