10. August 2021

Hochwasserspenden

Hilfe, die ankommt

Die Solidarität nach der Flut-Katastrophe ist immens: Rund 35 Millionen Euro sind bereits auf dem Spendenkonto der Diakonie RWL eingegangen. Mit dem Geld helfen Diakonie und die evangelischen Kirchen schnell und unbürokratisch. Wir zeigen, wie die Unterstützung für private Haushalte und diakonische Einrichtungen aussieht.

  • Immense Zerstörung: Das Haus einer Einwohnerin in Gemünd wurde komplett zerstört und ist einsturzgefährdet. (Foto: Siemens-Weibring)
  • Hilfe die ankommt: So gelangen Betroffene an die Soforthilfe der Diakonie RWL.
  • Erinnern: In Gemünd haben Einwohner Blumen an der Brücke niedergelegt. Hier ertrank ein Mensch. (Foto: Siemens-Weibring)
  • Alles wird anders, alles wird gut: In der Nordeifel hängen Mut machende Plakate. (Foto: Siemens-Weibring)
  • Trauern: Einwohner in Gemünd erinnern an eine Frau, die in der Flutnacht gestorben ist. (Foto: Siemens-Weibring)

Auch Wochen nach der Flutkatastrophe fehlt es an Grundlegendem. Egal ob Medikamente, Kleidung oder Geräte, um Schutt und Geröll rund ums Haus wegzuräumen − die Menschen, die in die Allgemeinen Sozialberatungen der Diakonie und zu den Evangelischen Kirchengemeinden kommen, brauchen schnell und unbürokratisch Unterstützung. "Uns war sofort klar, dass wir unkompliziert helfen müssen", sagt Helga Siemens-Weibring, sozialpolitische Beauftragte bei der Diakonie RWL.

Nur wenige Tage nach der Flut hat die Diakonie RWL ihre Soforthilfe ins Leben gerufen. Das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe überweist 30.000 Euro aus Spendengeldern an die diakonischen Einrichtungen. Die können das Geld dann als direkte Unterstützung an Privatpersonen auszahlen. "Dabei ist die Konfession oder der individuelle Hintergrund der Antragssteller ganz egal", betont Siemens-Weibring.

Betroffene müssen sich für die Soforthilfe an die Allgemeine Sozialberatung ihrer lokalen Diakonie oder an ihre evangelische Kirchengemeinde wenden. Nach Möglichkeit sollten sie sich ausweisen und glaubhaft machen, dass sie von der Flutkatastrophe betroffen sind. Eine Meldeadresse im Flutgebiet und eine kurze mündliche Beschreibung der Schäden genügen. Das Geld wird dann je nach Wunsch bar übergeben oder überwiesen. Bis zu 1.500 Euro können pro Haushalt ausgezahlt werden.

Direkt Helfen: Die Soforthilfe der Diakonie RWL kann auch von diakonischen Einrichtungen für eine erste Unterstützung beantragt werden. (Foto: Theodor-Fliedner-Stiftung)

Direkt Helfen: Die Soforthilfe der Diakonie RWL kann auch von diakonischen Einrichtungen für eine erste Unterstützung beantragt werden. 

Soforthilfen für Privatpersonen und für Einrichtungen

Wenn die 30.000 Euro, die pro Einrichtung für Soforthilfe zur Verfügung stehen, aufgebraucht sind, kann die Einrichtung einen neuen Antrag bei der Diakonie RWL stellen. Alle Anträge finden die Einrichtungen auf der Internetseite der Diakonie RWL. "Wir überweisen dann zeitnah erneut 30.000 Euro", so Siemens-Weibring.

In Einzelfällen könne es dazu kommen, dass Betroffene sich einige Tage gedulden müssen. Bislang wurden rund 1,6 Millionen Euro für die Fluthilfe ausgezahlt.

Nicht nur in Privathäusern, auch in vielen diakonischen und kirchlichen Einrichtungen wurden Mauern weggespült, Mobiliar zerstört und Räume unbewohnbar. Für sie gibt es daher ebenfalls die Möglichkeit einer ersten Soforthilfe. Bis zu 10.000 Euro stehen dafür zur Verfügung.

Immense Zerstörung: In vielen Regionen wie hier in Insul wird der Wiederaufbau Jahre dauern. (Foto: Shutterstock)

Immense Zerstörung: In vielen Regionen wie hier in Insul wird der Wiederaufbau Jahre dauern.

Jahrelange Unterstützung nötig

Die Zerstörungen in den Flutgebieten sind gewaltig. Experten schätzen, dass sich die Schäden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auf rund 30 Milliarden Euro belaufen. "Es ist ganz klar: Eine kurzzeitige Hilfe genügt nicht", so Helga Siemens-Weibring. "Wir werden deshalb auch in den kommenden Jahren an der Seite der Menschen stehen und sie beim Wiederaufbau unterstützen."

Soforthilfen an Privatpersonen und Einrichtungen werden in den nächsten Wochen allmählich abnehmen. Stattdessen wird die Frage immer wichtiger: Wer kommt für welchen Schaden auf? Die Diakonie Katastrophenhilfe und die Diakonie RWL werden die Menschen und Einrichtungen vor Ort unterstützen, Anträge ausfüllen und prüfen, welche Fördertöpfe in Frage kommen. "Zuerst müssen die Betroffenen klären, was die Versicherungen bezahlen. Dann kommen die staatlichen Hilfen", erklärt Siemens-Weibring. "Erst dann können wir als Diakonie RWL unterstützen. Es ist wichtig, dass die Reihenfolge eingehalten wird, sonst können die Menschen später Probleme bekommen. Im schlimmsten Fall drohen Rückforderungen."

Hilfe beim Wiederaufbau: Gemeinsam mit der Diakonie Katastrophenhilfe werden wir Betroffene beraten, wie sie ihre Häuser vor Hochwasser schützen können. (Foto: Adobe Stock)

Hilfe beim Wiederaufbau: Gemeinsam mit der Diakonie Katastrophenhilfe werden wir Betroffene beraten, wie sie ihre Häuser vor Hochwasser schützen können.

Prävention beim Wiederaufbau

Zusätzlich zur finanziellen Unterstützung und Hilfe bei Anträgen berät die Diakonie auch mit Fachwissen beim Wiederaufbau. "Hochwasser und andere Naturkatastrophen werden durch den Klimawandel in den nächsten Jahren zunehmen. Darauf müssen wir uns entsprechend vorbereiten", betont Siemens-Weibring. Wie Gebäude vor Hochwasser geschützt werden können und was es beim Wiederaufbau zu beachten gilt, wissen die Expertinnen und Experten der Diakonie Katastrophenhilfe. Die Hilfsorganisation hat eine fast 70-jährige Erfahrung im Krisenmanagement nach Naturkatastrophen, Krisen und Kriegen.

"Wir werden in den betroffenen Regionen feste Teams einrichten, die sich die Gebäude der Ratsuchenden ganz genau anschauen und evaluieren, was beim Neubau unbedingt beachtet werden muss", kündigt die sozialpolitische Beauftrage der Diakonie RWL an. "Wir sind gut vernetzt und haben etablierte und zentrale Beratungsstellen. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort können die Menschen am effektivsten unterstützen."

Text: Ann-Kristin Herbst, Fotos: Siemens-Weibring, Theodor-Fliedner-Stiftung, Shutterstock und AdobeStock.

Ihr/e Ansprechpartner/in
Helga Siemens-Weibring

Beauftragte Sozialpolitik

, Geschaeftsfeld Sozialpolitik und Quartiersarbeit
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Soforthilfen
Wer Unterstützung braucht, findet bei seiner örtlichen Diakonie Hilfe. Die diakonischen Einrichtungen können im Namen des oder der Betroffenen bei der Diakonie RWL bis zu 1.500 Euro Soforthilfen pro Haushalt beantragen. Lediglich die Namen und Adressen der Betroffenen müssen dokumentiert werden. Die finanzielle Unterstützung der Diakonie RWL ist als erste akute Nothilfe und nicht als Hilfe zum Wiederaufbau gedacht.

Auch das Land NRW stellt Soforthilfen zur Verfügung. Bürgerinnen und Bürger, die von existentieller Not betroffen sind, können zusätzlich zu einem Sockelbetrag von 1.500 Euro pro Haushalt  für jede weitere Person aus dem Haushalt 500 Euro erhalten. Insgesamt werden an einen Haushalt maximal 3.500 Euro ausgezahlt. Weitere Informationen sowie Antragsformulare gibt es hier.

Die Aktion Lichtblicke unterstützt ebenfalls Menschen aus nordrhein-westfälischen Flutregionen. Hilfesuchende können eine formlose E-Mail an unwetterhilfe@lichtblicke.de schicken, in der sie lediglich ihren Namen, Wohnort und ihre Telefonnummer angeben. Nähere Informationen gibt es hier.